Kurienkardinal fordert Mentalitätswandel

Präsident des Päpstlichen Kulturrats plädiert für mehr Frauen in Spitzenfunktionen in Dikasterien

Vatikanstadt (DT/KNA) Kurienkardinal Gianfranco Ravasi plädiert für mehr Frauen an der Kirchenspitze und fordert einen Mentalitätswandel im Vatikan. „Spitzenfunktionen in Dikasterien könnten sehr gut auch Frauen anvertraut werden“, sagte der Präsident des Päpstlichen Kulturrates am Donnerstag im Gespräch mit Radio Vatikan. Papst Franziskus habe mehrfach Andeutungen in diese Richtung gemacht. Er selbst halte nicht viel von Quoten, doch die Arbeit der Kurie brauche mehr weibliche Präsenz. Dies gilt nach Ravasis Worten auch in der kirchlichen Wissenschaft und Lehre. Er wandte sich gegen eine „klerikale Gesinnung“ und pochte auf mehr Kreativität bei der Schaffung und Vergabe von Posten an Frauen. Dies betrifft für ihn besonders den Bereich der Priesterausbildung. Hier müsse der Einfluss von Frauen institutionalisiert werden, so der Kardinal.

Ravasi äußerte sich mit Blick auf das von ihm begründete weibliche Beratergremium des Kulturrats, ein Novum im Vatikan. Am Dienstag hatten die 22 Frauen erstmals im Beisein Ravasis getagt, darunter Professorinnen, Mütter, Diplomatinnen, Journalistinnen und politische Aktivistinnen. Sie sollten alle Aktivitäten des Kulturrats aus weiblicher Perspektive beurteilen und Anregungen für „unbekanntes Terrain und neue Horizonte“ geben, umschrieb Ravasi die Aufgabe der überwiegend italienischen Frauen. Die genauen Arbeitsvorgaben sind bisher aber noch unklar. Seines Wissens seien alle Frauen in diesem Kreis katholisch. Er wolle das Gremium aber um eine ökumenische Dimension erweitern und auch nichtglaubende Frauen als Beraterinnen aufnehmen, kündigte Ravasi an.