Kulturelles Erbe im Mittleren Osten bewahren

St. Pölten (DT/dsp) Um das kulturelle Erbe des Mittleren Ostens zu retten, wurde auf einer Tagung des Internationalen Zentrums für Archivforschung (ICARUS) in St. Pölten die sofortige Kooperation mit dem „Centre Numérique des Manuscrits Orientaux“ (CNMO) im Irak, geleitet durch Dominikanerpater Najeeb Michaeel, beschlossen. An der Tagung nahm auch Patriarch Louis Raphaël Sako, das Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche mit Sitz in Bagdad, teil. Pater Michaeel berichtete von seinen Erfahrungen im Nordirak. Da sich all seine bisher gut 8 000 Digitalisate auf externen Festplatten befinden und somit weiterhin „verwundbar“ bleiben, hat ein internationales Konsortium des ICARUS-Netzwerks unter der Leitung von Thomas Aigner (Österreich), Vlatka Lemiæ (Kroatien) und Csaba B. Stenge (Ungarn) beschlossen, möglichst rasch in Kooperation mit dem „Centre Numérique des Manuscrits Orientaux“ (CNMO) zu treten. Der Organisator der Tagung und Präsident von ICARUS, St. Pöltens Diözesanarchivar Thomas Aigner, erklärte dazu: „Die Bewahrung der Erinnerung ist auch immer gleichbedeutend mit der Bewahrung von Identität. Die Bedeutung der historischen Dokumente der Christen und Christinnen im Mittleren Osten geht weit über diese Region hinaus. Es geht hier nicht nur um die Sicherung des historischen Gedächtnisses einer begrenzten Gruppe oder Region. Diese Dokumente sind Zeugnis unser aller Kultur und gehen uns deshalb alle an.“ Beschlossen wurde die Umsetzung von drei konkreten Zielen: Um wertvolle Handschriften zu retten, werden die beiden Scan-Studios von Pater Michaeel im nordirakischen Erbil mit Geräten, Papier und Archivboxen ausgestattet. Pater Michaeel und sein Team benötigen dringend Archivare und Restauratoren, die Einschulungen in Buch-Restauration und Konservierung geben. Geplant sind deshalb Trainingsaufenthalte an der Donau Universität im niederösterreichischen Krems und im Staatsarchiv Kroatiens. Schließlich wird eine digitale Infrastruktur zur Langzeitsicherung aufgebaut, um bereits digitalisierte Dokumente auf einer Plattform zu sammeln, dort zu sichern und der gesamten Menschheit zugänglich zu machen.