Kritik an Ernennung Käßmanns

Hannover/Freiberg/Ansbach (idea) Die Entscheidung des Rates der EKD, seine frühere Vorsitzende Margot Käßmann (Berlin) als Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 zu berufen, ist bei theologisch konservativen Lutheranern auf Kritik gestoßen. Die 53-jährige Theologin, die derzeit eine Gastprofessur an der Ruhr-Universität in Bochum innehat, soll ihr neues Amt im Frühjahr 2012 antreten. Am 8. Juli will die EKD die Öffentlichkeit offiziell über die Berufung informieren. Die frühere hannoversche Landesbischöfin war nach einer Trunkenheitsfahrt am Steuer ihres Dienstwagens im Februar 2010 von ihren Ämtern zurückgetreten. Der Vorsitzende des Lutherischen Einigungswerkes der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Karl-Hermann Kandler (Freiberg/Sachsen), bezweifelt, dass Käßmann die richtige Besetzung für das Amt ist. „Ihr fehlt es an lutherischem Profil. Sie hat sich nicht gerade als lutherische Theologin zu erkennen gegeben“, sagte Kandler gegenüber idea. Scharfe Kritik an der Personalentscheidung übt auch die Internationale Konferenz Bekennender Gemeinschaften. Deren Vizepräsident Andreas Späth (Windsbach/Mittelfranken) erklärte: „Die nun zu besetzende Aufgabe mag als Bühne für Frau Käßmann gut geeignet sein, unter geistlichen Aspekten kann man für das Gedenkjahr nur von einem Bärendienst sprechen.“ Es sei falsch, ausgerechnet eine Unterstützerin der sogenannten „Bibel in gerechter Sprache“ – „einer in Teilen groben Bibelfälschung“ – zur Botschafterin des Lutherjahres zu machen. Schließlich sei es das Kernanliegen der Reformation gewesen, die Bibel unverfälscht zu den Menschen zu bringen. Auch publikumswirksame Positionen von Frau Käßmann „wie die faktische Abschaffung der Zwei-Reiche-Lehre und die Erklärung der Verhütung zum Menschenrecht wären wohl kaum geeignet, Luthers Begeisterung zu erwecken“, so Späth, der auch Vorsitzender der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern ist.