„Kraft, sich für das Gute einzusetzen“

Die deutschsprachigen Bischöfe rufen in ihren Osterpredigten dazu auf, Angst und Terror keinen Raum geben und eine menschenwürdige Gesellschaft zu schaffen

Bonn/Wien (DT/KNA/KAP) Zum Osterfest haben die Bischöfe in Deutschland und Österreich dazu aufgerufen, Angst und Terror mit Mut und Zuversicht zu trotzen. „Als Kirche dürfen wir nicht die Hoffnungslosigkeit der Welt verdoppeln, sondern sollen Zeugen der Hoffnung werden“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, mit Blick auf die Anschläge von Brüssel und die Flüchtlingskrise. Zugleich forderte der Erzbischof von München und Freising die Christen dazu auf, sich intensiver in gesellschaftliche Debatten einzubringen. Vielen sei noch nicht deutlich genug, „dass Europa und wohl die westliche Zivilisation insgesamt an einem Scheideweg stehen“. Die Frage an die Christen sei, wie und wo sie sich noch mehr in die entscheidenden Debatten hineinbegeben wollten und könnten. „Jedenfalls nicht, indem wir nur kritisierend am Wegesrand stehen und alles besser wissen. Nicht, indem wir restaurative Ideen verbreiten und an einer falsch glorifizierten Vergangenheit hängen.“

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki warb für den Glauben an die Auferstehung. Ein christlicher Glaube ohne ewiges Leben sei „ein Christentum light“, sagte der Erzbischof laut Redemanuskript im Gottesdienst am Ostersonntag im Kölner Dom. „Ohne den Glauben an das Ewige Leben wäre das Christentum schal und leer“ sowie „Schall und Rauch“. Woelki nannte die Ergebnisse einer Umfrage ernüchternd, wonach viele Menschen das Christentum zwar als schöne Religion und wichtigen Bestandteil ihres Lebens betrachteten, aber an ein Leben nach dem Tod nicht glaubten. Bei dieser Frage gehe es aber „an das Eingemachte“, um das letzte Ziel und den Sinn des Lebens, so der Erzbischof. Gott habe seinen gekreuzigten Sohn nicht im Tod belassen, betonte der Kardinal. „Er hat ihn ins Leben gerufen.“ Und wie Gott seinen Sohn von den Toten erweckt habe, so wolle er „uns alle erwecken und uns erheben in seine ewige, glückselige, göttliche Lebensgemeinschaft“.

Das nach christlichem Verständnis mit der Auferstehung Jesu angebrochene Heil ist nach Worten von Kardinal Karl Lehmann nicht in ungebrochener Fülle sichtbar, sondern ein Hoffnungsgut. Wer den Himmel auf Erden verspreche, führe in Wahrheit mindestens mit einem Bein in die Hölle, sagte der Kardinal in seiner Predigt am Ostersonntag im Mainzer Dom. „Wir spüren heute, besonders auch in diesen Tagen, das Bleigewicht und die Ambivalenz unseres Lebens, eben die Verborgenheit des Heils“, so Lehmann. Auch Christen lebten in irdischen Beschränkungen, die endgültige Herrlichkeit stehe noch aus, sei ihnen aber verbürgt. So dürfe eine letzte Siegesgewissheit des Glaubens nicht fehlen, ohne dass sie die Nüchternheit des Kreuzes vergesse. „Alle trostlose Realität auf Erden hat bei allem drückenden Schwergewicht nicht das letzte Wort“, sagte Lehmann.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch mahnte in seinem Osterbrief an alle katholischen Haushalte im Erzbistum Berlin zu mehr Gottvertrauen. Sonst ließe sich der Auferstandene „in unserem Leben nicht erfahren“.

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann nannte Ostern ein Fest der Hoffnung. Es sprenge alle Aussichtslosigkeit, alle Resignation vor dem Leben, alle Angst vor der Zukunft und sogar alle Todesfurcht, sagte Hofmann am Sonntag im Würzburger Kiliansdom. Doch es scheine, dass bei vielen Menschen im Lande die Frohe Botschaft von der Auferstehung Jesu und damit der Glaube an die eigene Auferstehung nicht mehr ankomme. Es sei zum Teil „absurd und beschämend“, was Menschen heute unter Ostern verstünden. Hofmann rief die Christen auf, sich von der Botschaft der Auferstehung ergreifen zu lassen und aus dieser Perspektive heraus die eigenen Lebensentscheidungen zu treffen. Nur dann werde diese „sensationelle, hoffnungsvolle Nachricht“ auch ihre Wirkung zur Verbesserung der Welt entfalten können.

Vor einer Gesellschaft ohne Gott warnte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen. Er verwies auch darauf, dass viele Flüchtlinge, die nach Deutschland kämen, einen festen Glauben in ihrer Religion hätten. Dem stehe ein abnehmender Glaube in unserem Land gegenüber. „Ich befürchte, der Mensch ohne Gott wird immer mehr sein eigenes Experiment. Alles wird ihm technisch machbar, am Ende produziert dieser Mensch sich selbst.“ Der Oberhirte erinnerte daran, dass eine britische Wissenschaftlerin vor kurzem die Erlaubnis erhalten habe, das Erbgut menschlicher Embryonen gezielt zu verändern. Diese brisante Forschung sei eine „logische Voraussetzung für den nächsten Schritt der Medizin“, bei dem es möglich sein werde, das Erbgut von Lebewesen beliebig zu manipulieren. „Alles wird technisch produzierbar, am Ende gar der Mensch, der sich selbst produziert.“ Der Bischof beklagte die Tendenz einer Gesellschaft, die sich anschicke, nicht nur nach den Schwächen eines Menschen zu fahnden, sondern nach den Schwachen, um sie auszusondern. Die Auswahl zwischen „Wertvollen“ und „Unwerten“ sei weit unter der Würde des Menschen. „Gott allein garantiert die Würde der Schwachen ohne jedwede Bedingung.“ Ohne den Gekreuzigten und Auferstandenen gliche unser Dasein einer Frage ohne Antwort und einem Weg ohne Ziel.

Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger rief die Christen auf, sich für eine gerechte und solidarische Gesellschaft zu engagieren. Der Osterglaube gebe die Kraft, wie Jesus „Bahnbrechendes zu leisten“ und auf Schwache und Ausgegrenzte zuzugehen, sagte Burger im Osternacht-Gottesdienst im Freiburger Münster. Europa brauche dringend „neue Brücken der Verständigung“ und dürfe nicht zersplittern oder in alte Nationalismen zurückfallen. Der Bischof zeigte sich besorgt, weil derzeit viele Menschen zutiefst verunsichert seien und große Zukunftsängste hätten. Die christliche Osterbotschaft mache aber deutlich, so Burger, dass Gott den Tod überwinde. Wer dies glaube, werde nicht der Versuchung erliegen, „Enttäuschung und Angst über alles dominieren zu lassen“.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick rief dazu auf, auch in Zeiten von Krieg und Terror die Zuversicht im Glauben nicht zu verlieren. „Gott behält das letzte Wort.“ Die Auferstehung Jesu befreie von Resignation und gebe Kraft, sich für das Gute einzusetzen.

Schicks Hamburger Amtsbruder Stefan Heße sprach von Ostern als dem „Fest des Lebens“ schlechthin.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker empfindet in diesem Jahr eine verhaltene Osterfreude. Das Abendland begehe und feiere nicht wie sonst Ostern „nach einer im wahrsten Sinne mörderischen Karwoche“, sagte er am Ostersonntagsgottesdienst im Paderborner Dom im Rückblick auf die Terroranschläge von Brüssel. Ostern setze aber „dem fanatischen Hass rücksichtsloser Menschenverächter“ ein „entschiedenes Signal des von Gott uns erschlossenen Lebens entgegen“. Das „Fest des Lebenslichtes in der Auferstehung“ stehe gegen „das alles bedrohende Nein der Vernichtung“, betonte der Erzbischof. Er bekundete die Hoffnung, dass die Osterbotschaft mit ihrer lebensbejahenden Freude die guten Kräfte in aller Welt stärke und verbinde. Becker verwies auf Christus, der in Treue zu seiner Sendung in den Tod gegangen, daraus aber in neue Herrlichkeit erhoben worden sei. Damit offenbare sich Jesus als der machtvolle und neu lebende Herr. „Auch wir sind mit Christus auferweckt, hineingestellt in eine neue Lebensweise“, sagte der Erzbischof. Dies seien keine rein theoretischen Überlegungen. „Ostern ist nicht ein Fest des Verstandes“, so Becker. „Es trifft uns als Menschen mit Herz und Gemüt.“

Bischof Karl-Heinz Wiesemann von Speyer, bezeichnete Ostern als „die größte Ermutigung, die es geben kann, dem Terror, der Gewalt und der Macht des Todes zu widerstehen“.

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck betonte, die Auferstehung Jesu sei ein Weckruf zu neuem Mut. „Wir dürfen uns nicht in Angst verkriechen, nicht in Abschottung, nicht in Grenzschließungen, sondern wir dürfen offen sein für Neues.“

Münsters Bischof Felix Genn wandte sich gegen Ängste vor einer Überfremdung oder Islamisierung aufgrund des Flüchtlingszuzugs.

Der Osnabrücker Bischof Franz-Jose Bode mahnte zu Zuversicht trotz des Terrors und der Herausforderungen durch die Zuwanderung. „Das Osterfest verbietet es uns, die Hoffnung aufzugeben, damit wir fähig bleiben, eine menschenwürdige Gesellschaft zu schaffen.“

Bodes Magdeburger Amtsbruder Gerhard Feige rief zu Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit auf. Christen seien zum „Widerstand gegen die Mächte des Todes, gegen leibliche wie seelische Verkümmerung, gegen alles was Leben schändet, verletzt und zerstört“ verpflichtet.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann warnte davor, Terror mit einem Übermaß an Überwachung, Kontrollen und Razzien zu vergelten. „Die Anwendung von Gewalt kann der Gewalt und dem Bösen allenfalls eine Schranke setzen, aber nicht mehr.“

Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, sagte: „Die Osterkerze steht in der Mitte der Kerzen, die auf dem Marktplatz in Brüssel für die Opfer von Terror und Gewalt brennen.“ Fanatismus dürfe nicht die Basis des Zusammenlebens zerstören.

Bischof Rudolf Voderholzer unterstrich in Regensburg, gerade in Zeiten des Terrors müsse die Botschaft Christi von Tod und Auferstehung sowie von Gottes Barmherzigkeit und Liebe umso dringlicher verkündet werden. Durch diese scheinbar „im Namen Gottes“ begangenen Taten entstehe ein Klima, in dem Religion als Ganzes immer stärker in Verruf gerate. Der Islam habe deshalb viel Anlass zur Selbstkritik, so Voderholzer. Zugleich aber müsse im interreligiösen Dialog in aller Offenheit über das Gottes- und Menschenbild sowie über die Gründe für das offensichtlich vorhandene Gewaltpotenzial des muslimischen Glaubens gesprochen werden.

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa erklärte, der christliche Glaube bewahre davor, leichtfertig über das Kreuz und damit über das Leid der Menschen, über Hass und Gewalt hinwegzugehen. Dies gelte unabhängig von der persönlichen Situation oder vom Zustand, in dem sich Kirche und Gesellschaft gerade befänden.

Ostern zeigt nach den Worten des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke eine neue Perspektive für Mensch und Welt auf, nämlich eine „Zukunft in Gott“. Den Menschen erwarte mehr und Größeres als ein „Ablaufen seines Verfallsdatums“, sagte der Bischof beim Pontifikalamt am Ostersonntag im Eichstätter Dom. Der Osterglaube stehe gegen ein „business as usual“. Wo allerdings der Auferstehungsglaube schwinde, nehme blinde Geschäftigkeit überhand, wachse die Sorge um das menschliche Verfallsdatum ins Krankhafte. Mit ihrem Engagement für die Mitmenschen und die Welt würden Christen Mitwirkende am Ostergeschehen, betonte Hanke.

In Passau ermutigte Bischof Stefan Oster die Gläubigen, sich von der Botschaft Jesu im Herzen ergreifen zu lassen: „Er sehnt sich danach, dass wir alle immer mehr seine Zeugen werden, Osterzeugen, freudige Zeugen des neuen Lebens.“

In Görlitz nahm Bischof Wolfgang Ipolt einen jungen Mann mit der Taufe in die Gemeinschaft der Kirche auf. „Es ist nicht selbstverständlich, dass jemand Christ wird in heutiger Zeit“, so der Bischof.

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr rief in seiner Osterbotschaft dazu auf, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und es zu gestalten.

Der Administrator des Bistums Limburg, Weihbischof Manfred Grothe, unterstrich, der Weg des Glaubens führe nicht ins Leere, sondern in die Freiheit des Lebens.

Der Aachener Weihbischof und Diözesanadministrator Karl Borsch betonte, Ostern sei die Vollendung des Lebens Jesu und weise den Weg in eine Zukunft.

Der Diözesanadministrator des Bistums Dresden-Meißen, Andreas Kutschke, rief die Christen auf, sich aktiv um Menschen in Not zu kümmern.

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn warnte an Ostern vor Vorurteilen in Köpfen, Herzen und Sprache und wandte sich gegen einen „Generalverdacht“ gegen Flüchtlinge nach den jüngsten Terroranschlägen. Viele Menschen erlebten heute eine „Zeit der Bedrängnis“, erinnerte er an die Not in den Kriegs- und Hungergebieten des Nahen Ostens und Afrikas, an die Situation der Flüchtlinge, aber auch der „Menschen bei uns, die die tägliche Not zu spüren bekommen“. In diese Ängste hinein komme Gott an Ostern mit seiner Friedensbotschaft. „Friede sei mit euch. Das heißt nicht, dass alles sofort in Ordnung ist, aber dass Er bei uns ist“, sagte Schönborn, der dazu aufrief, das Osterfest zum Anlass zu nehmen, sich der „Vorurteile in unserem Kopf, in unserem Herzen, in unserem Reden“ bewusst zu werden und bittere Gedanken abzulegen: „Die Wahrheit ist, dass es schwierig ist, dass wir vor Herausforderungen stehen und dass nicht alle, die kommen, lupenrein sind. Aber auch, dass wir deswegen nicht alle verdächtigen dürfen und nicht wegschauen dürfen von der Not.“

Christen dürften sich nicht davor scheuen, ihren Glauben an die Auferstehung Christi in die heutige Zeit zu übersetzen, mahnte der Salzburger Erzbischof Franz Lackner am Ostersonntag. „Auferstehung heißt, es gibt eine letzte Instanz der Wahrheit und Gerechtigkeit“, sagte er im Salzburger Dom. Der Auferstehungsglaube habe alle „Anfeindungen, Infragestellungen und Banalisierungstendenzen überstanden und zwar allein dadurch, weil Christen und Christinnen diesen Grabesort in ihrem Leben, in der Kirche, aufgesucht und betreten haben und die Leere nicht als gähnenden Abgrund erfahren haben, sondern als Offenheit“. In der Erzdiözese Salzburg standen die liturgischen Feiern der Kartage und zu Ostern im Zeichen der Opfer von Terror, Gewalt, Verfolgung und Flucht. Die Osterkerze im Salzburger Dom ist mit Stacheldraht umgeben. Die Erzdiözese habe damit bewusst eine Anregung der Menschenrechtsorganisation „Christian Solidarity International“ (CSI) aufgegriffen, erklärte der Erzbischof. Damit werde die Verbundenheit mit den Millionen verfolgten Christen deutlich, von denen „alle fünf Minuten“ einer für seinen Glauben getötet wird, so Erzbischof Lackner.

Der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl meinte in seiner Osterpredigt, Ostern schrecke den Menschen förmlich auf. Die Welt stöhne unter großen Problemen wie den Fragen zu Klima, Flucht und Migration. Das Miteinander der Gesellschaft sei zerbrechlich wie schon lange nicht mehr. Mitten in dieses Dunkel hinein verkünde das Osterfest seine hoffnungsvolle Botschaft des Lebens und des Vertrauens auf Gott.

Selbst mitten in den „Todeszeichen einer Gott abgekehrten Welt“ bestärke der Glaube an die Auferstehung darin, dass Christus am Ende immer siegen werde, unterstrich St. Pöltens Bischof Klaus Küng am Ostersonntag. Die Auferstehung Jesu sei ein einmaliges, unwiederholbares Ereignis, aber darüber hinaus der „Beginn eines neuen Zustands“. Jesus sei nicht auferstanden, damit die Erinnerung an ihn im Herzen seiner Jünger lebendig bleibe, sondern „damit er selbst in uns lebt und wir in ihm schon die Freude des ewigen Lebens erfahren können“, zitierte Küng Papst Benedikt. Dass Jesus „den guten Kampf siegreich bestanden“ habe, erspare Gläubigen nicht, selber zu kämpfen.

Die Auferstehung Jesu ist nach den Worten des Linzer Bischofs Manfred Scheuer der „größte Hoffnungsspeicher“ für Christen. Die Osterbotschaft dürfe keine Behauptung oder nur statische Wahrheit bleiben. Sie helfe erst, wenn sie im Leben der Menschen zur Erfahrungen werde und emotionalen Raum bekomme: „Der Glaube an die Auferstehung entscheidet sich im Mitsein mit schwierigen und belasteten Menschen, in finanziellen Desastern, im Zerbrechen von Ehen und Freundschaften, im Tod von Freunden und geliebten Menschen“, so Scheuer.

Ostern ist ein „Kontrapunkt gegen eine Kultur des Todes und der Angst“, betonte der Kärntner Bischof Alois Schwarz im Klagenfurter Dom. Ostern sei nicht nur „ein klares ,Ja‘ zum Leben“, sondern ein „Fest gegen alle Hoffnungslosigkeiten unserer Zeit sowie gegen jede Form von Terror, Verfolgung und Gewalt“. Dabei gehe es nicht darum, Leidsituationen, Nöte und Bedrängnis zu verharmlosen oder schönzureden, sondern „anzunehmen und bewusst aus der österlichen Perspektive wahrzunehmen“. Ostern bedeute, „die Schatten des Lebens auszuleuchten, dem Leben mehr zuzutrauen als dem Tod und dort zu hoffen, wo andere resignieren“. Mit der Botschaft des Auferstandenen im Herzen könnten Verzagtheit und Angst in Mut und Zuversicht verwandelt werden. Aufgrund eines lebendigen Osterglaubens könne „eine neue Kultur des umsichtigen und barmherzigen Miteinanders entstehen“. Eine Kultur, die geprägt sei von einem Lebensstil des Maßhaltens, der Solidarität und des Teilens, und eine Kultur, „in der Menschlichkeit sichtbar, hörbar und spürbar ist“.

Ostern werde greifbar, „wenn Menschen in Not neue Hoffnung schöpfen, wenn Menschen erfahren dürfen, dass der Karfreitag ihres Lebens, das hoffnungslose Zerstören durch Krieg und Terror, durch Unglück, durch Katastrophen, durch Krankheit verwandelt wird zu hoffnungsvollem Leben, zu Neubeginn und Auferstehung“, sagte der Vorarlberger Bischof Benno Elbs. So könne Ostern auch als „Explosion der Liebe“ verstanden werden, eine Botschaft, aus der auch ein unmittelbarer Imperativ folge: „Auferstehung heißt, sich diesen Menschen zuzuwenden.“

Europa trägt an der Terrorwelle und den jüngsten Anschlägen von Brüssel eine „Mitverantwortung und Mitschuld“, meinte der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics an Ostern: „Die Explosion von Brüssel mit ihren tragischen Folgen müssen uns endlich aus unserem Schlaf wecken“, schließlich führten sie „die Versäumnisse im religiösen Leben, aber auch bei der Integration von Fremden, auch muslimischen Jugendlichen“ vor Augen. Jahrzehntelang habe man billige Arbeitskräfte nach Europa geholt und dabei Fragen des sozialen Miteinanders und der Integration außer Acht gelassen. So seien „mitten in Europa Parallelgesellschaften entstanden“, die den Nährboden für Fanatismus geboten haben, so dass Menschen „zu Trägern des Terrors“ werden konnten.