Kraft aus dem Glauben

Ein Gespräch mit Pater Michael Maß CMM Provinzial der Missionare von Mariannhill in Deutschland über Pater Engelmar Unzeitig. Von Regina Einig

Pater Michael Maß CMM. Foto: Redaktion Mariannhill
Pater Michael Maß CMM. Foto: Redaktion Mariannhill
Pater Engelmar Unzeitig wurde von einem Mithäftling der „deutsche Maximilian Kolbe“ genannt. Trifft das zu?

Pater Engelmar hat sich besonders für die russischen Häftlinge eingesetzt, welche im Lager am schlechtesten behandelt wurden. Von seinen eigenen Essensrationen, aber auch von priesterlichen Mithäftlingen erbettelte er immer wieder Nahrungsmittel, um diese an hungernde Mitgefangene zu verteilen. Sicher hat er durch dieses Verhalten einige vor dem Hungertod bewahrt. In diesem Sinne könnte man den Vergleich mit Pater Maximilian Kolbe anbringen, der ja für einen Familienvater freiwillig in den Hungerbunker ging.

In Dachau hat er den Tod riskiert, um Sterbenden beizustehen und ihnen die Sakramente zu spenden. Ein Apostolat, das heute teilweise auf der Strecke bleibt oder auch von Sterbenden selbst nicht gewünscht wird. Was gehörte für Pater Engelmar zur „ars moriendi“?

Viele Menschen sprechen immer noch von der „letzten Ölung“. Damit sind Ängste verbunden, die abschrecken, nach diesem Sakrament zu verlangen. Die Krankensalbung will aber eine Stärkung sein. Die Zusage des Erbarmens Gottes, seiner Hilfe und seiner vergebenden Liebe, soll dem Kranken oder auch Sterbenden Mut und Hoffnung machen. Ich denke, genau das ist es, was Pater Engelmar seinen Mitgefangenen geben wollte: ihnen durch persönliche Begleitung die Nähe und Barmherzigkeit Gottes zuzusprechen.

Welche Zeugnisse über sein missionarisches Wirken halten Sie für besonders aktuell?

Pater Engelmar zeigt uns, welche Kraft aus unserem Glauben erwachsen kann. Aus dem Glauben heraus den Menschen mit Achtung und Respekt zu begegnen, sich einzusetzen für andere, Unrecht beim Namen zu nennen und Hass mit Liebe zu beantworten, sind Aspekte, die unserer Gesellschaft und unserer Welt auch heute guttun würden.

Wird Pater Engelmar über den deutschsprachigen Raum hinaus verehrt?

Pater Engelmars Heimat liegt im heutigen Tschechien, wo er sehr verehrt wird. Durch die Internationalität unserer Ordensgemeinschaft ist sein Lebensbeispiel auch in vielen Teilen unserer Welt bekannt, dabei wird ihm vor allem in Spanien und Amerika eine besondere Wertschätzung entgegengebracht. Aber auch aus Ländern, in denen wir selbst nicht tätig sind, wissen wir, dass er verehrt beziehungsweise sein Vorbild geschätzt wird, so zum Beispiel auf den Philippinen und in England.