Vatikanstadt

Kopf der Woche: Kardinal Walter Kasper

Kardinal Walter Kapser ist Vertrauter des Papstes, Bannerträger der Reformer - und schlägt immer wieder Brücken ins konservative Lager. Vor dreißig Jahren wurde er zum Bischof geweiht.

Kardinal Walter Kasper
Kardinal Walter Kasper gilt vielen als Bannerträger der Reformer, hält aber auch den Kontakt zu Konservativen. Foto: Archiv

 Kardinal im Unruhestand

Immer mehr deutsche Bischöfe positionieren sich gegen die Vorstellung, der „Synodale Weg“ der Kirche in Deutschland könne in Sache Frauenweihe die Tür für eine nationale Sonderlösung freimachen. Nach den Bischöfen Zdarsa, Jung und Kohlgraf hat nun auch ein deutscher Kardinal klare Worte gefunden. Für Walter Kasper hat Johannes Paul II. nicht nur „endgültig festgehalten“, dass die Kirche keine Vollmacht zur Priesterweihe von Frauen habe, woran auch Papst Franziskus gebunden sei.

Auch bei der Diakoninnen-Weihe sieht der schwäbische Kirchenmann „zurzeit wenig Bewegung“. Für das priesterliche Amt, so meinte er vor kurzem gegenüber der „Frankfurter Rundschau“, gebe es „auf der Grundlage des Neuen Testaments eine ununterbrochene Tradition nicht nur in der katholischen Kirche, sondern in allen Kirchen des ersten Jahrtausends, wonach die Priesterweihe und entsprechend die Bischofsweihe Männern vorbehalten ist“.

Kardinal Kasper ist ein Reformer mit Brücken zu den Konservativen

Der das sagt, ist für die einen ein Buhmann hegelianischer Prägung, der etwa mit den nachösterlichen Erscheinungen Jesu, so wie sie das Evangelium berichtet, seine theologischen Schwierigkeiten hat. Für die anderen ist er ein  Bannerträger innerkirchlicher Reformen , der die Kirche nicht neu erfinden, aber doch kompatibler mit den Bedürfnissen von heute machen will. Beispiel: die Zulassung von Wiederverheirateten zu den Sakramenten im Einzelfall und die Weihe von „viri probati“ in ausgewählten Regionen.

Sicher ist, dass der heute 86-Jährige, der vor zwei Jahren schon sein sechzigjähriges Priesterjubiläum begehen konnte und am Montag auf dreißig Jahre im Bischofsamt zurückblicken kann, ein Protagonist in jener Unruhezeit ist, die für die Kirche – nicht nur im deutschsprachigen Raum – nach dem Konzil begann.

Die vielleicht größte Ehre wird es für Walter Kasper gewesen sein, als Papst Franziskus bei seinem ersten Angelus öffentlich dessen Buch über die Barmherzigkeit pries. Der Theologe und ehemalige Präsident des vatikanischen Einheitsrats übernahm dann die Aufgabe, mit einem „keynote speach“ zu Beginn des synodalen Prozesses zu Ehe und Familie jene konfliktreiche Phase zu eröffnen, an deren – vorläufigem – Ende „Amoris laetitia“ stand. Seither gilt er als Vertrauter des derzeitigen Papstes, versucht aber immer wieder, Brücken zum konservativen Lager zu schlagen – siehe Frauenweihe.

Geistig näher aber stand er Kardinälen wie Lehmann, Danneels oder Martini, deren vermeintliche „Reformsaat“ aber nie aufgegangen ist und den Schwächeanfall der Kirche des Westens nicht stoppen konnte.