Konzil sorgt für Diskussionen

Kardinal Kaspar fordert mehr Kollegialität unter Bischöfen – Kritik von katholischen Verbänden

Bonn (DT/KNA) Auch ein halbes Jahrhundert nach seinem Beginn sorgt das Zweite Vatikanischen Konzil für Diskussionsstoff innerhalb der katholischen Kirche. Der langjährige „Ökumene-Minister“ des Vatikan, Kurienkardinal Walter Kasper, mahnte in einem Interview der „Rheinischen Post“ (Dienstag) mehr Kollegialität unter den Bischöfen an. Auch bleibe die Mitverantwortung von Laien ausbaufähig. „Da wäre noch manches zu tun“, sagte Kasper mit Blick auf die Beschlüsse der Bischofsversammlung. Das Zweite Vatikanische Konzil wurde von Papst Johannes XXIII. (1958–1963) einberufen und tagte erstmals vor 50 Jahren, am 11. Oktober 1962. Es war die bisher letzte beschlussfassende Versammlung aller katholischen Bischöfe. Insgesamt rund 2 800 Konzilsväter debattierten im Petersdom unter anderem darüber, wie die katholische Kirche ihre Botschaft unter den Rahmenbedingungen der modernen Welt und des weltanschaulichen Pluralismus verkünden kann. Bis zum Dezember 1965 erarbeiteten sie 16 Dokumente: vier Konstitutionen, neun Dekrete und drei Erklärungen.

Größerer Zusammenhalt zwischen Priestern und Laien

Ähnlich wie Kasper rief auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx die Priester und Laien zu Zusammenhalt auf. Ihr gemeinsamer Auftrag sei es, von Christus her die Welt zu gestalten. Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, betonte, der Geist des Konzils verpflichte zur Option für die Armen, zum ökumenischen Gespräch und zur respektvollen Anerkennung des Glaubens anderer. Das Konzil sei „zwar beendet, aber in seiner Dynamik noch lange nicht abgeschlossen“. Vertreter der katholischen Verbände warnten vor Rückschritten hinter die Beschlüsse der Bischofsversammlung. Die katholische Kirche müsse nach innen wie nach außen dialogfähig bleiben, mahnte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) äußerte sich besorgt über „rückwärtsgerichtete Tendenzen“, die eine Neuinterpretation der Konzilstexte forderten und zum Beispiel die Religionsfreiheit oder das positive Verhältnis der katholischen Kirche zu anderen Religionen infrage stellten. Die katholischen Frauenverbände kfd und KDFB zeigten sich enttäuscht darüber, dass viele Chancen aus dem Konzil ungenutzt geblieben seien. Besonders in Bezug auf die Gleichberechtigung von Männern und Frauen seien weiterhin viele Fragen offen.