„Konsequent und richtig“

Reaktionen von Kirchenvertretern und Politikern zum Rücktritt der Hamburger Bischöfin Maria Jepsen

Hamburg (DT/KNA/idea) Zahlreiche Kirchenvertreter und Politiker haben den Rücktritt der evangelischen Theologin Maria Jepsen von ihrem Amt als Hamburger Bischöfin bedauert. Die 65-Jährige, die 1992 in Hamburg die weltweit erste evangelisch-lutherische Bischöfin wurde, reagierte mit der Entscheidung am Freitag auf Missbrauchsvorwürfe gegen einen Pastor aus Ahrensburg, denen sie 1999 nicht konsequent genug nachgegangen sein soll. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, erklärte, Jepsens Wahl zur Bischöfin habe 1992 weltweit großen Widerhall gefunden und sei ein „bedeutsamer Moment“ in der Geschichte der EKD gewesen. In einem persönlichen Brief würdigte der Ratsvorsitzende unter anderem Jepsens Einsatz für die Ökumene und die Belange homosexueller Christen. Dass die evangelischen Kirchen in Deutschland „nicht von den Spannungen um die ethische Bewertung von Homosexualität zerrissen worden sind und zerrissen werden“, sei nicht zuletzt ihren Impulsen zu verdanken.

Betroffen zeigte sich auch der katholische Weihbischof von Hamburg, Hans-Jochen Jaschke. Zusammen mit Erzbischof Werner Thissen bedauere er den Rücktritt Jepsens. Sie habe die allgemeine Verantwortung dafür übernommen, dass die Kirche in dem bekannten Missbrauchsfall nachlässig gewesen sei. „Es macht ihr Ehre, ihr Amt zur Verfügung zu stellen, aber sie wird uns sehr fehlen“, so Jaschke.

Als tragisch bezeichnete der Vorsitzende der theologisch konservativen Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der Nordelbischen Kirche, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), Jepsens Rücktritt. Ihr Schritt verdiene Respekt. Bei aller Kritik und theologisch kontroverser Standpunkte habe er immer Jepsens „außergewöhnliche Menschlichkeit und Integrität“ geschätzt. Ob mit ihrem Rücktritt weiterer Schaden von der Nordelbischen Kirche abgewandt werde, bleibe abzuwarten. Rüß: „Es wird erschreckend deutlich, dass Missbrauchsfälle unabhängig von Zölibat und Konfession überall möglich sind. Den Opfern gebührt umfassende Aufklärung und Hilfe.“

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzender der Hamburger CDU-Bürgerschaftsfraktion und Fachsprecher Kirchen und Religionen, Wolfgang Beuß, erklärte, er finde Jepsens Schritt „konsequent und richtig“. Offenbar lege sie jetzt für sich selbst die gleichen moralischen Maßstäbe an, die sie anderen stets gesetzt habe. Durch die jetzt bekannten Vorwürfe werde deutlich, dass nicht nur die katholische Kirche, sondern auch die evangelische Kirche von derartigen Übergriffen betroffen sei.

Der beschuldigte Pastor soll in den 70er und 80er Jahren mehrere Jugendliche sexuell missbraucht haben. Vor elf Jahren wurde er als Religionslehrer an ein Gymnasium und als Seelsorger in eine Jugendstrafanstalt versetzt. Zum 1. Januar 2001 trat er in den vorgezogenen Ruhestand. Im Zusammenhang mit den aktuellen Missbrauchsdiskussionen wurde der Fall in diesem Frühjahr neu aufgerollt. Jepsen selbst hatte ihre Entscheidung damit begründet, dass sie sich nicht länger in der Lage sehe, „die frohe Botschaft so weiterzusagen, wie ich es bei meiner Ordination und bei meiner Bischofseinführung vor Gott und der Gemeinde versprochen habe“. Sie hatte in den vergangenen Wochen immer wieder betont, sie habe 1999 zwar von der Versetzung erfahren, aber nicht von der Ursache, da es auch keine weiteren kirchlichen Ermittlungen gegeben habe. „Ich wusste nur: Da gab es Schwierigkeiten“, so Jepsen bei früheren Gelegenheiten. In ihrer Erklärung betonte die Bischöfin am Freitag, sie erwarte, dass die Vorfälle in Ahrensburg und anderswo zügig aufgeklärt würden und die Wahrheit ans Licht komme.