Komission befasst sich mit Modellen der Kircheneinheit

Katholiken und Altorientale setzen Dialog fort

Wien (DT/KAP) Der ökumenische Dialog zwischen der römisch-katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen ist am Dienstag in eine weitere Runde gegangen: Vom 26. Januar bis 1. Februar kommt die offizielle „Gemischte Kommission für den theologischen Dialog zwischen den orientalisch-orthodoxen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche“ zu ihrer siebten Vollversammlung zusammen. Das Gremium tagt auf Einladung des armenisch-apostolischen Katholikos Aram I. von Kilikien in Antelias (Libanon). Die Vollversammlung wird von Kurienkardinal Walter Kasper und dem Koptischen Metropoliten Anba Bishoi von Damiette geleitet. Inhaltlich werden sich die gut 30 Teilnehmer mit der Frage nach den praktizierten Modellen der Kircheneinheit bis ins fünfte Jahrhundert befassen. Diese Frage ist insofern von hohem Interesse, als das fünfte Jahrhundert nicht nur die Zeit der Abspaltung der orientalisch-orthodoxen (oder: altorientalischen) Kirchen nach dem Konzil von Chalcedon im Jahr 451 war, sondern es auch im Römischen Reich eine Patriarchalstruktur gab, in die sich diese Kirchen als Teil der Gesamtkirche bis dahin eingliederten.

Beim letzten Treffen im Januar 2009 wurde ein umfangreiches Konsenspapier mit dem Titel „Nature, Constitution and Mission of the Church“ (Wesen, Struktur und Sendung der Kirche) über das gemeinsame Kirchenverständnis verabschiedet. Das Papier hält fest, dass weiterer Klärungsbedarf besteht, vor allem in der Frage der Stellung des Bischofs von Rom und der Anerkennung der Ökumenischen Konzilien. Der Rezeptionsprozess dieses Dokuments in den jeweiligen Kirchen ist weiterhin in Gang.

Der Salzburger Kirchenhistoriker, Bibelwissenschaftler und Ostkirchen-Experte Dietmar Winkler, Konsultor des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen und einer der Teilnehmer des Dialogtreffens, unterstrich, die aktuelle Dialogrunde läute eine „neue Phase des ökumenischen Dialogs“ ein, insofern der im Konsenspapier vorgelegte Grundkonsens nun im Blick auf die tatsächlichen Formen von Kircheneinheit im fünften Jahrhundert hin konkretisiert wird. Offen sind Winkler zufolge etwa noch Fragen zur Rezeption der Ökumenischen Konzilien und zur Haltung gegenüber dem Papst von Seiten der Kirchen am Rande des Römischen Reiches, etwa der armenischen Kirche oder der ostsyrischen Kirche.

Die orientalisch-orthodoxen Kirchen hatten sich nach dem Konzil von Chalcedon im Jahr 451 von der Großkirche getrennt. Beim Konzil von Chalcedon war versucht worden, die Glaubensüberzeugung auszudrücken, dass Christus zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch ist. In der Folge kam es zu – auch politisch und kulturell begründeten – Missverständnissen, die in die Trennung zwischen den altorientalischen Kirchen und der allgemeinen Kirche mündeten.

Nach dem Zweiten Vaticanum verbesserten sich die Kontakte. Auf Initiative des heutigen koptisch-orthodoxen Patriarchen Shenouda III. kam es schließlich zur Erarbeitung der „Wiener Christologischen Formel“, die bei der Versöhnung zwischen römisch-katholischer Kirche und altorientalischen Kirchen Wirkung entfalten sollte. Sie fand Eingang in mehrere offizielle Dokumente, unter anderem in die gemeinsamen Erklärungen von Papst Shenouda III. und Papst Paul VI. (1973), in die Erklärung des syrisch-orthodoxen Patriarchen Ignatius I. Zakka Iwas und Johannes Paul II. (1984) und in die dogmatische Übereinkunft der katholischen Kirche mit der Malankara-Orthodox-Syrischen Kirche (1990), aber auch in offizielle Dokumente der Koptisch-Orthodoxen Kirche.