„Kölnische Mystikerin“

Zum Gedenktag der seligen Christina von Stommeln am 6. November. Von Katrin Krips-Schmidt

Die Vermählung auf einer geistlichen Ebene zwischen einer irdischen Braut und Christus als Bräutigam wird als „Mystische Hochzeit“ bezeichnet. Neben der heiligen Katharina von Alexandrien, die diese höchste Stufe des mystischen Gebetes bildhaft-anschaulich mit einem Ring in Analogie eines Trauringes erreichte und vollzog, gehörte die selige Christina von Stommeln zu den Mystikerinnen, die diese tiefe innerliche Vereinigung mit ihrem Herrn Jesus Christus ebenfalls erlebte. Das Besondere an ihr war ihr tiefes Sich-Versenken in die Passion Christi.

Geboren wurde Christina vermutlich am 24. Juli 1242 in dem zwanzig Kilometer westlich von Köln gelegenen Ort Stommeln. Sie wuchs mit vier Geschwistern in einer Bauernfamilie auf. Schon mit fünf Jahren wurden ihr Heiland-Visionen zuteil, und mit dreizehn Jahren verließ sie ohne Zustimmung der Eltern ihren Dorfanger, um sich in Köln einem Beginenkonvent anzuschließen. Die Beginen führten ein eheloses religiöses Leben in klosterähnlichen Gemeinschaften und widmeten sich der Pflege von Kranken und Sterbenden. Christina, die auch als „die Kölnische“ bekannt war, geriet zeitweilig in ekstatische Entrückungszustände und wurde des Öfteren von dämonischen Erscheinungen in Versuchung gebracht, die sie zum Suizid aufforderten. Ihr Verhalten rief bei den anderen Beginen Misstrauen und Ablehnung hervor. Schließlich musste Christina 1259 die Gemeinschaft verlassen und wieder nach Stommeln zurückkehren, wo sie bis 1269 im Haus des Pfarrers Johannes lebte.

Der schwedische Dominikanerpater Petrus von Dacien (um 1235–1289), angezogen durch die Berichte über die junge Frau, die sich so seltsam verhielt, besuchte die von dämonischen Erscheinungen Geplagte sechzehn Mal und wurde zu ihrem Seelenführer. Aus der Korrespondenz, die Christina und Petrus miteinander führten sowie der Lebensgeschichte der Mystikerin, die von dem Dominikaner aufgeschrieben wurde, erfährt der Leser, dass Christina – seitdem sie fünfzehn war – an Händen und Füßen die Wundmale Jesu trug. Damit gehört sie zu den frühesten bezeugten weiblichen Stigmatisierten der Kirche.

Im Jahr 1288 zog sie sich mit 46 Jahren als Eremitin in eine Einsiedelei in der Nähe von Stommeln zurück, wo sie bis zu ihrem Tod am 6. November 1312 lebte.

Papst Pius X. sprach Christina von Stommeln, die auf künstlerischen Abbildungen häufig als vom Teufel versuchte Begine dargestellt wird, am 12. August 1908 selig. Seit 1592 ruhen ihre Gebeine in der Propsteipfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in Jülich. Ein Cousin Wilhelms von Jülich, Dietrich von Kleve, war 1339 auf die Fürsprache der Seligen an deren Grab von seiner Gicht geheilt worden.