Kölner Moschee-Streit: Architekt zeigt sich verhandlungsbereit

Paul Böhm hofft auf Einigung mit DITIB und weist Kritik an Bauleitung zurück

Köln (DT/KNA) Im Kölner Moschee-Streit zeigt sich Architekt Paul Böhm dialogbereit. Er sei weiter daran interessiert, mit der Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) nach Lösungen für die derzeitigen Differenzen zu suchen, sagte Böhm der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Donnerstag in Köln. „Ich würde mich freuen, wenn wir uns wieder gemeinsam an einen Tisch setzen könnten“, unterstrich Böhm. Sein Büro habe stets versucht, mit dem Vorstand der DITIB zu kommunizieren. Die Zusammenarbeit habe sich jedoch zunehmend schwierig gestaltet, seit die DITIB im August 2010 ihren gesamten Vorstand sowie sämtliche projektbeteiligte Mitarbeiter ausgetauscht habe.

Die DITIB hatte in der vergangenen Woche die Zusammenarbeit mit Böhm aufgekündigt und ihm Bauleitungsfehler, Termin- und Kostenüberschreitung vorgeworfen. Der Architekt kündigte daraufhin rechtliche Schritte an. Auf Nachfrage der KNA wies er Kritik an der Bauleitung erneut zurück. Auch den Vorwurf der Terminüberschreitung nannte der Architekt „nicht nachvollziehbar“. Zu den gestiegenen Kosten sagte Böhm, dass diese stets mit dem Bauherrn abgesprochen gewesen seien. Die beiden Gutachten, auf die sich die DITIB in der Auseinandersetzung bezieht, habe er nie zu Gesicht bekommen. Dem Bauherrn gehe es möglicherweise um etwas anderes, so Böhm: „Uns aus dem Projekt zu drängen.“ Zugleich räumte der Architekt Differenzen bezüglich der Innenraumgestaltung ein. „Mit dem alten DITIB-Vorstand hatten wir jedoch eine für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden“, so Böhm.

Geplant war, nach Fertigstellung des Rohbaus ein gemeinsames Konzept für die Ausgestaltung des Innenraumes zu erarbeiten. Böhms Architektenbüro hatte seinerseits der DITIB zum Montag mit einer Kündigung gedroht. Als Grund nannte Böhm, dass die DITIB offenstehende Rechnungen seit einem dreiviertel Jahr nicht mehr beglichen habe. Die Kölner Moschee soll nach ihrer Fertigstellung das größte islamische Gotteshaus in Deutschland werden. Auf der Baustelle im Stadtteil Ehrenfeld wurde im Februar Richtfest gefeiert. Zentrale Bestandteile sind die rund 36 Meter hohe Kuppel und zwei 55 Meter hohe Minarette. Daneben gibt es Gebäude für die Büros der neuen DITIB-Zentrale, Seminarräume, eine Bibliothek, ein Restaurant und Ladengeschäfte. Die Baukosten liegen nach bisherigen Angaben bei rund 20 Millionen Euro, die über Spenden und Kredite aufgebracht werden.

Böhm ist auf Kirchenbauten spezialisiert. Er kommt aus der bekanntesten deutschen Kirchbau-Dynastie der Moderne. Großvater Dominikus und Vater Gottfried schufen zahlreiche katholische Kirchen.