Kloster-Projekt gestoppt

Trotz Segen von Papst und Patriarch scheitert eine Mönchsgemeinschaft im Burgenland am lokalen Widerstand

Eisenstadt/Wien (DT/KAP/sb) Im Burgenland sollte mit katholischer Unterstützung das erste orthodoxe Kloster Österreichs entstehen, doch jetzt hat der griechisch-orthodoxe Metropolit von Österreich, Arsenios Kardamakis, das Projekt angesichts massiver Widerstände aufgegeben. Der Metropolit teilte dem Bürgermeister von St. Andrä am Zicksee, Erich Goldenitsch, mit, er nehme den Antrag auf Umwidmung jenes Grundstücks zurück, das der Ökumenische Patriarch Bartholomaios bereits gesegnet hat. Somit wird das Kloster Maria Schutz in St. Andrä nicht errichtet. Die für Juni geplante Volksabstimmung ist hinfällig. Die orthodoxe Kirche werde Alternativen prüfen, „in aller inneren Freiheit“ und „ohne dass eine neue Standortentscheidung bereits vorläge“. Er sei „betrübt, aber überzeugt von der moralischen Richtigkeit dieser Entscheidung“, so Kardamakis. „Emotionen und Angst wurden geschürt, Gerüchte wurden gestreut, viele davon verletzend für die Orthodoxe und die Katholische Kirche gleichermaßen“, heißt es in dem Brief.

Das Kloster-Projekt wurde 2014 gestartet, als die Diözese Eisenstadt ein Grundstück in St. Andrä dafür zur Verfügung stellte. Papst Franziskus hatte in einem Schreiben den Bürgern von St. Andrä „für ihre Offenheit gedankt und dem Klosterprojekt seinen Segen erteilt“. Nach Querschüssen von Gegnern des Projekts kam es im Februar 2016 zu einer Bürgerbefragung, von der Bürgermeister Goldenitsch die Entscheidung der Gemeinde abhängig machen wollte. Sie ging zugunsten des Klosterbaus aus, deshalb kam es zu einem einstimmigen positiven Beschluss des Gemeinderats. Im Oktober wurde das Grundstück in Bauland umgewidmet, doch gingen die Gegner des Projekts gegen den Beschluss vor und starteten eine Unterschriftenaktion für eine Volksabstimmung. Im März legten sie 366 Unterschriften vor, mehr als die vom burgenländischen Gemeindevolksrechtegesetz vorgeschriebenen 25 Prozent der Stimmen der Wahlberechtigten. Die Volksabstimmung hätte am 11. Juni stattfinden sollen.

Derzeit leben fünf Mönche und ein Novize in einem angekauften Gebäude in St. Andrä. Mit dieser provisorischen Niederlassung sei eine Möglichkeit geschaffen worden, „eine bleibende Verbindung und Verbundenheit der Orthodoxen Kirche mit den Menschen in St. Andrä aufrecht zu erhalten“, so Metropolit Arsenios. Diese Verbindung biete er nicht nur den Freunden, Unterstützern und Gönnern der Mönchsgemeinschaft an. Sie sei auch eine Einladung an jene, die dem Projekt „bis zuletzt skeptisch oder gar feindselig gegenüberstehen“. Das Kloster sollte ein Symbol des Friedens, der Versöhnung und der Ökumene sein. Es sei ein „Zeichen in der Welt“ und eine „Erinnerung der Möglichkeit für jeden Menschen, umzukehren und zu Gott zurückzukehren“. Nach zweieinhalb Jahren geduldigen Wartens und Hoffens, wertvoller Begegnungen und gewissenhafter Aufklärungsarbeit, müsse man erkennen, dass diese Botschaft nicht von allen Bewohnern angenommen werde. Er werde mit Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics nun Wege erarbeiten, um den mit dem Klosterprojekt und dem kirchlichen Grundstück verbundenen Segen „für alle Menschen wahrnehmbar und wirksam“ machen zu können.

Bischof Zsifkovics bedauert die von der Gemeinde St. Andrä verspielte „Jahrhundertchance“. Wörtlich meinte der Bischof von Eisenstadt: „Ich bedaure dies sehr und schäme mich, dass im Burgenland so etwas möglich ist.“ Er stehe weiter an der Seite des Metropoliten: „Es ist großartig, mit welcher Noblesse und wahrhaft christlicher Haltung Metropolit Arsenios mit den beschämenden Aktionen auf Gemeindeebene umgeht.“ Dominik Orieschnig, der Sprecher der Diözese Eisenstadt, ortete jüngst „xenophobe Untertöne“. Es seien bereits im Zuge des Umwidmungsverfahrens erhebliche Kosten entstanden, über deren Sinnhaftigkeit und Einklagbarkeit sich manche Gedanken machen würden.