Klaus Berger: „Gott versucht nicht“

Der Neutestamentler nimmt ausführlich und klar Stellung zum Streit um die Neuübersetzung der Vaterunserbitte „Und führe uns nicht in Versuchung“.

Klaus Berger nimmt ausführlich und klar Stellung
Klaus Berger nimmt ausführlich und klar Stellung: „Gott versucht nicht“. Foto: KNA

»Ich finde es naiv zu behaupten, die traditionelle deutsche Übersetzung „Und führe uns nicht in Versuchung“ sei noch immer genau das, was Jesus gemeint habe, weil sie wörtlich sei,  und sie dürfe deswegen, weil sie die gewohnte Übersetzung ist, nicht geändert werden. Hat noch niemand gemerkt, dass die traditionelle deutsche Übersetzung viele in Zweifel und Ungewissheit führt, weil sie mit ihrem Gottesbild nicht mehr zurecht kommen?

Vor allem haben sich die Assoziationen geändert, seitdem Luther 1525 den Text so übersetzte. Denn in Versuchung führen heißt heute: zur Übertretung der Gebote verlocken, mit falschen Versprechungen verführen wollen. Genau in diesem Sinne sagt der Jakobusbrief 1,  13 Gott versucht keinen. Das steht in klarem Widerspruch wenigstens zu dem, was die Menschen bei der traditionellen deutschen Wiedergabe der Vaterunserbitte assoziieren.

Nein, Gott versucht nicht, und wenn die Versuchungsberichte der Evangelien sagen, dass der Teufel in Versuchung führe, dann meinen sie zweifellos, das zu einer Versuchung, in die man hineinfällt, immer zwei gehören: der schwache Mensch und eine rätselhafte, zur Sucht führende Macht von außen. Alles Pochen auf eine wörtliche Übersetzung hilft gar nichts, wenn normale Menschen daraus die falschen Schlüsse ziehen.«

Den ganzen Beitrag von Professor Berger finden Sie in der Tagespost-Ausgabe vom 14. Dezember.

DT – reg/jbj