Klara-Jubiläum in Assisi

Am Palmsonntag des Jahres 1212 floh Klara Favarone di Offreduccio aus ihrem adligen Elternhaus im umbrischen Assisi, um in der Portiuncula-Kapelle vor den Toren der Stadt aus den Händen des heiligen Franziskus die religiöse Weihe zu empfangen. Dies gilt als Gründungsmoment des Klarissenordens. Mit ihren ersten Gefährtinnen ließ Klara sich im Kloster „San Damiano“ nieder, wo sie am 11. August 1253 starb. Ihr Leichnam befindet sich heute in der Krypta der Basilika „Santa Chiara“, wohin die Klarissen kurz nach Klaras Tod übersiedelten. Zum Gedenken an die große umbrische Heilige rief die Erzdiözese Assisi-Nocera Umbra-Gualdo Tadini für die Zeit vom Palmsonntag 2011 bis zum 11. August 2012 ein Klara-Jubiläum aus. Papst Benedikt XVI. sprach allen, die in diesem Zeitraum irgendwo auf der Welt eine Klarissen-Kirche besuchen, unter den üblichen Bedingungen (Beichte, Kommunionempfang, Gebet) den vollkommenen Sündenablass zu.

Im Jubiläumsjahr gab es in Assisi zahlreiche Feiern und Ereignisse zum Gedenken an die heilige Klara. Am 16. April 2011 eröffnete der Erzbischof von Assisi, Domenico Sorrentino, das Klara-Jubiläum mit der Feier der Ersten Vesper des Palmsonntags in der Kathedrale „San Rufino“, mit anschließender Prozession zur Portiuncula. Vom 20. bis zum 26. August waren in Assisi die Reliquien der Klarisse Camilla Battista Varano (1458–1524) ausgestellt, die Benedikt XVI. am 17. Oktober 2010 heiliggesprochen hatte. Die Präsidentinnen der verschiedenen Föderationen der Klarissen (OSC) in aller Welt tagten vom 5. bis zum 12. Februar 2012 in Assisi, die Assistenten (OFM) der Klarissen vom 10. bis zum 19. Februar. Eine Woche später wurde im Museum der Portiuncula die Ausstellung „Klara von Assisi: Charisma und Ikone“ eröffnet, mit Porträts der Heiligen, Auszügen aus ihren Schriften sowie Kunstgegenständen aus den Klarissen-Klöstern. Das „Antonianum“ in Rom widmete am 9. März den Klara-Quellen eine Studientagung.

Höhepunkt der Feierlichkeiten war der Palmsonntag 2012. Nach der Feier der Ersten Vesper am Vorabend unter Vorsitz von Erzbischof Sorrentino in der Kathedrale „San Rufino“ gab es eine feierliche Prozession nach „Santa Chiara“ und „San Damiano“, wo der Generalminister der Franziskaner, Pater José Rodríguez Carballo OFM, der Weihe der heiligen Klara gedachte. Am Palmsonntag, dem 31. März, folgte auf die Palmweihe in „San Rufino“ die Prozession nach „Santa Chiara“ und die Eucharistiefeier unter Vorsitz von Erzbischof Sorrentino. Am Abend wurde hier eine Kreuzwegandacht gehalten, mit Gesängen der römischen Schule des 16. Jahrhunderts. Am 30. April gab der Chor der Diözese Rom unter der Leitung von Monsignore Marco Frisina ein Konzert an der Portiuncula; am 21. Juni kam bei „San Damiano“ der Einakter „Piu Chiara della Luce“ (Heller als das Licht) zur Aufführung.

Seit dem 2. August wird allabendlich eine Novene zur heiligen Klara gebetet, mit Meditationen verschiedener umbrischer Bischöfe sowie Provinzoberer der mittelitalienischen Provinzen der Franziskaner. Am 10. August feierte Erzbischof Sorrentino in der Basilika „Santa Chiara“ die Vorabendmesse zum Fest der heiligen Klara. An die Eucharistiefeier schloss sich eine Gebetsvigil zum Transitus der Heiligen unter der Leitung von P. Bruno Ottavi, dem Oberen der umbrischen Provinz der Franziskaner. Am 11. August feiert Kardinal Agostino Vallini, Vikar Seiner Heiligkeit für die Diözese Rom, in der Basilika „Santa Chiara“ das Festhochamt. Am Nachmittag wird in „Santa Maria degli Angeli“ zur bleibenden Erinnerung an das Klara-Jubiläum ein Klara-Kreuzgang mit verschiedenen Kunstwerken eröffnet werden, die die Weihe der heiligen Klara zum Thema haben. Den Abschluss des Jubiläumsjahres bildet die Feier der Messe des Transitus der heiligen Klara unter Vorsitz des Generalministers der Franziskaner (OFM). Claudia Kock