Kirchensteuer: Anneser hält andere Regeln für möglich

München (DT/KNA) Der scheidende Münchner Erzbischöfliche Finanzdirektor Prälat Sebastian Anneser (70) sieht Signale für eine abnehmende Akzeptanz des deutschen Kirchensteuersystems in seiner bisherigen Form. Ein Zeichen dafür sei die positive Kommentierung des aktuellen Rechtsstreits des emeritierten Freiburger Kirchenrechtlers Hartmut Zapp, sagte Anneser am Freitag in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Zapp hält die Kopplung der Kirchensteuerpflicht an die Kirchenmitgliedschaft nicht für rechtens und prozessiert deshalb vor dem Verwaltungsgericht gegen das Erzbistum Freiburg. „Vermutlich wird es im europäischen Kontext zu neuen Lösungen kommen, die die Kirchenfinanzierung verschlechtern werden“, prognostizierte Anneser. Der Domkapitular gehört seit zwölf Jahren zu den einflussreichsten kirchlichen Finanzfachleuten in Deutschland und geht zum 1. Oktober in den Ruhestand. Man dürfe auch nicht vergessen, dass Papst Benedikt XVI. „offensichtlich mit dem italienischen System liebäugelt“, meinte der Prälat unter Berufung auf frühere Äußerungen Joseph Ratzingers als Kardinal. In Italien können die Bürger bei den Empfängern der von ihnen zu entrichtenden „Kultursteuer“ zwischen mehreren Organisationen wählen. Anneser sagte, das deutsche System der Kirchenfinanzierung sei ohne Geschichtskenntnisse nicht zu verstehen. Auch in seiner Finanzkammer träfen immer wieder Austrittserklärungen mit dem Zusatz ein, dass man nur aus dem „Zwangssteuereintreibungsverein“ austrete, nicht aber aus der Glaubensgemeinschaft Kirche.