Kinderschutzgipfel: Bischöfe vermissen Ergebnisse

Nach dem Treffen zur Missbrauchskrise im Vatikan erklärten deutsche Bischöfe, was aus ihrer Sicht folgen muss. Von Kilian Martin

Frühjahrs-Vollversammlung der deutschen Bischöfe
In der Deutschen Bischofskonferenz fallen die Reaktionen auf den vatikanischen Kinderschutzgipfel grundsätzlich positiv aus. Doch auch manche Oberhirten vermissen konkrete Ergebnisse. Foto: KNA

Nach dem Gipfeltreffen zum Kinderschutz im Vatikan haben Vertreter der Kirche in Deutschland ihren Wunsch nach konkreten Maßnahmen zum Ausdruck gebracht. Das Bischofstreffen habe eine Bereitschaft gezeigt, „die anstehenden Fragen beim Thema sexueller Missbrauch Minderjähriger anzugehen und zwar quer über alle Kontinente“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx. Zugleich betonte er, „die Überlegungen von Rom“ müssten nun auch umgesetzt werden. Es könne jedoch „nicht sein, dass alle Entscheidungen beim Heiligen Stuhl liegen“.

Auch der DBK-Beauftragte für Missbrauchsfragen, Bischof Stephan Ackermann, monierte, die Konferenz im Vatikan sei „doch ein bisschen vage“ geblieben. Er selbst habe sich konkretere Ergebnisse erhofft, erklärte Ackermann am Sonntagabend in der ARD. Zudem „wäre (es) wahrscheinlich gut gewesen“, wenn die Bischöfe im Vatikan mehr direkten Kontakt zu Betroffenen gehabt hätten.

Ackermann verteidigte zudem Papst Franziskus gegen öffentlich gewordene Kritik an dessen Abschlussrede. Es sei nicht die Absicht des Papstes gewesen, sexuellen Missbrauch durch Geistliche zu relativieren. Vielmehr habe Franziskus betont, dass Missbrauchstaten im kirchlichen Bereich umso schwerer wiegen, so der Bischof. Der Papst hatte in seiner Ansprache unter anderem Statistiken zu Missbrauch im familiären Bereich sowie zu Phänomenen wie Internetpornografie und Sextourismus zitiert. Kritiker hatten dies als Versuch dargestellt, vom kirchlichen Missbrauchsskandal abzulenken. Solche Darstellungen wies auch Passaus Bischof Stefan Oster zurück. Gegenüber der „Passauer Neuen Presse“ sagte er am Montag, er sei dankbar für die Klarheit des Papstes. Es müsse weltweit ein Bewusstsein für die dramatischen Folgen sexuellen Missbrauchs geschaffen werden. Die Kirche müsse sich dabei zuallererst dem Schutz der Kinder widmen „und nicht zuerst dem Schutz der Institution“.

Deutlich negativ fiel die Bewertung des Kinderschutzgipfels beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) aus. „Es wurde beim Treffen der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen nur teilweise erkannt, dass die Probleme struktureller Art sind“, beklagte der BDKJ-Bundesvorsitzende Thomas Andonie in einer Stellungnahme am Sonntag. Er rief insbesondere die deutschen Bischöfe zu weiterem Handeln auf: „Solange es keine unabhängigen Untersuchungen der Vertuschung, keine Übernahme von persönlicher Verantwortung und keine angemessenen Entschädigungszahlungen gibt, ist der häufig formulierte Wille zur Veränderung für uns nicht glaubwürdig.“

Der BDKJ beklagte weiter eine „wahrgenommene Doppelmoral“, so Andonies Co-Vorsitzende Lisi Maier: „Junge Menschen sehen auf der einen Seite die in ihren Augen rigide Sexualmoral der katholischen Kirche und auf der anderen Seite unbestrafte Täter sexualisierter Gewalt. Das Vertrauen junger Menschen in kirchliche Institutionen ist schwer erschüttert.“

Positiv fiel das Resümee des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, aus. Das Bischofstreffen im Vatikan habe „ein starkes Signal gesetzt", sagte er der „Passauer Neuen Presse“ am Dienstag. Zur vorgebrachten Kritik fehlender konkreter Ergebnisse betonte er, das Treffen sei „nie als eine Konferenz mit Beschlüssen angelegt“ gewesen. Gleichwohl sei man im ZdK nun „sehr darauf gespannt, was zu erwarten ist von der angekündigten Task Force und anderen Maßnahmen“, sagte Sternberg.

Mit Blick auf konkrete Neuerungen hatte Bischof Oster am Montag eine Reform der kirchlichen Justiz gefordert. So wünsche er sich die Einrichtung einer Gerichtsbarkeit für Missbrauchsfälle, „damit die Verfahren für Priester nicht immer langwierig und zum Teil ergebnislos über Rom laufen müssen“, so Oster gegenüber der „Passauer Neuen Presse“. Unter anderem Kardinal Marx brachte zudem erneut die Einrichtung kirchlicher Verwaltungsgerichte ins Spiel. Diese sollen Laien wie Klerikern die Möglichkeit geben, auf kirchliche Leitungsentscheidungen herbeizuführen oder anzufechten. Dieser Vorschlag, der zuletzt besonders im Bereich der DBK intensiver diskutiert wurde, war auch beim Kinderschutzgipfel Gegenstand der Beratungen. Auch im Vatikan findet der Vorschlag kirchlicher Verwaltungsgerichte Zustimmung, etwa beim Untersekretär des Päpstlichen Rats für die Gesetzestexte, Markus Graulich. Gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur erklärte er am Montag: „Es wäre kein Problem, sie einzuführen.“