Keine Kirche ohne den Dienst der Geweihten

Bistum Eichstätt feiert: Deutschlands ältestes Priesterseminar begeht sein 450-jähriges Bestehen – Päpstlicher Sondergesandter und Grußwort des Heiligen Vaters

Bewegte Geschichte: Das Eichstätter Priesterseminar Collegium Willibaldinum. Foto: pbe
Bewegte Geschichte: Das Eichstätter Priesterseminar Collegium Willibaldinum. Foto: pbe

Eichstätt (DT/Re/pbe/KNA) Das Eichstätter Priesterseminar begeht am kommenden Wochenende ein großes festliches Jubiläum. Mit seiner Gründung am 26. November 1564 ist das Collegium Willibaldinum die erste Einrichtung nördlich der Alpen, in dem katholische Geistliche nach den Beschlüssen des Konzils von Trient (1545–1563) ausgebildet wurden. Zur Feier entsendet Papst Franziskus Kurienkardinal Paul Josef Cordes als Sondergesandten. Auch der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, nimmt an den Feierlichkeiten teil. Die Festrede hält der Münsteraner Bischof Felix Genn. Nach einem weiteren Festgottesdienst am Sonntag mit dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke präsentiert sich das Priesterseminar bei einem Tag der offenen Tür.

Vor dem Trienter Konzil gab es keine eigenen Einrichtungen für die Heranziehung von Diözesanpriestern. Auch der Begriff Seminar geht auf das Tridentinum zurück. Das niedrige Bildungsniveau der einfachen Seelsorger war zuvor einer der Auslöser der Reformation. Gegründet wurde das Collegium Willibaldinum vom Eichstätter Fürstbischof Martin von Schaumberg (1523 bis 1590). In den 450 Jahren seines Bestehens geriet das Seminar mehrfach in Krisen. Nach der Säkularisation gab es 1819 nur noch einen Alumnen, 1939 drängten sich über 600 Priesteramtskandidaten aus ganz Deutschland im Haus. Häufig drohte wegen Geldmangels die Einstellung des Ausbildungsbetriebs. Derzeit leben in dem Seminar 31 angehende Priester aus dem In- und Ausland, darunter fünf Schwarzafrikaner. Unter dem Dach des Seminars ist außerdem seit 16 Jahren das „Collegium Orientale“ angesiedelt. Dort werden 34 Priesteramtskandidaten unterschiedlicher Ostkirchen ausgebildet. Wiederholt erlangte das Eichstätter Priesterseminar überregionale Bedeutung: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde es während des Kulturkampfes zum Zufluchtsort für Theologiestudenten aus der Schweiz und aus Preußen. Im Nationalsozialismus fanden ebenfalls Seminaristen aus vielen anderen deutschen Bistümern Unterschlupf. 1948 ließen sich Alumnen aus acht Ordensgemeinschaften und 25 Bistümern in Eichstätt ausbilden, unter anderem aus Litauen, Ungarn und der Tschechoslowakei. Einige Eichstätter Seminaristen wurden später Bischöfe in Südkorea, den USA und Indien. Das Collegium Willibaldinum zählt zu den Einrichtungen, aus denen 1980 Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) hervorging.

Für den Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke bedeuten die Feierlichkeiten nicht nur einen Blick zurück in die reiche Geschichte des Seminars. Er sieht darin auch ein Signal für die Zukunft. Das Priesterseminar sei für das Bistum ein „geistliches Vaterhaus“, betonte der Bischof am Dienstag gegenüber dieser Zeitung. Auch mit Blick auf die sakramentale Verfassung der Kirche sei das Priesterseminar ein ganz entscheidender Ort. „Es gibt keine Kirche ohne Priester. Es gibt kein lebendiges gemeinsames Priestertum ohne den Dienst der Geweihten“, hob der Bischof hervor. Wie bedeutsam die Errichtung des Seminars für das Bistum Eichstätt war, machte der frühere Regens Andreas Bauch (1950-1971) deutlich: „Die Errichtung des Collegium Willibaldinum stellt in der Geschichte der Diözese Eichstätt ein Ereignis dar, das an Bedeutsamkeit nur hinter dem der Bistumsgründung zurücksteht.“

Am Wochenende nun wird in Eichstätt groß gefeiert. Neben Gottesdiensten und dem Festakt im Alten Stadttheater Eichstätt wird es auch einen Tag der Begegnung geben, zu dem alle Interessierten in das Seminar eingeladen sind. In Workshops, Führungen und Ausstellungen können die Besucher das Leben im Collegium Willibaldinum und seine abwechslungsreiche Geschichte kennenlernen. Festlicher Auftakt ist am Samstag, 11. Oktober, die Messfeier um 9.30 Uhr in der Schutzengelkirche. Der päpstliche Sondergesandte Kardinal Paul Josef Cordes wird dem Gottesdienst vorstehen. Mit ihm zelebrieren 44 Bischöfe und Priester die Messe. Der Apostolische Nuntius Erzbischof Nikola Eteroviæ wird eine Grußbotschaft des Papstes verlesen. Nach der Eucharistiefeier beginnt um 11.30 Uhr im Alten Stadttheater in Eichstätt der offizielle Festakt, zudem zahlreiche Ehrengäste erwartet werden. Neben dem Eichstätter Bischof Hanke wird auch der Bischof des Eichstätter Partnerbistums Poona in Indien, Thomas Dabre, dabei sein. Ebenso wird Erzbischof Simon Ntamwana aus Gitega in Burundi und der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick erwartet. Auch Kardinal Friedrich Wetter und Franziska Kloos, Äbtissin von St. Walburg, zählen zu den Gästen. Zu den zahlreichen Gästen aus Kirche und Politik zählt auch der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Marcel Huber.

Am Sonntag, 12. Oktober, beginnt der Tag der Begegnung um 10 Uhr mit einer Messe, die Bischof Hanke in der Schutzengelkirche zelebriert. Anschließend lädt Regens Christoph Wölfle alle Interessierten ab 11.30 Uhr in das Priesterseminar ein, das Leben im Seminar und seine vielfältigen Bereiche kennenzulernen.

Mit bedeutungsvollen Phasen in der Geschichte des Seminars beschäftigen sich die Ausstellungen „Das Eichstätter Seminar im Kulturkampf“ im Raum St. Basilius von 12 bis 16.30 Uhr sowie „Das Seminar in der Zeit des Nationalsozialismus“ von 12 bis16 Uhr im Raum St. Canisius mit Kurzreferaten um 13 und 15 Uhr. Eine Ausstellung im Quergang des ersten Obergeschosses zeigt das Collegium Willibaldinum im Lauf der Jahrhunderte. Einen bunten Einblick in das Leben im Seminar bietet eine Fotoausstellung im Quergang des Erdgeschosses.

Das Eichstätter Priesterseminar für die Ostkirchen, das Collegium Orientale, stellt sich ebenfalls vor. Führungen gibt es beispielsweise durch die Heilig-Geist-Kapelle des Collegium Orientale von 12 bis 13 Uhr und von 15 bis 16 Uhr. Im Forum werden von 13 bis 14 Uhr die Kirchen des Ostens vorgestellt, anschließend die Verbindung zum heiligen Willibald.

Zum Jubiläum informiert das Bistum Eichstätt im Internet mit Wort- und Filmbeiträgen über die Feierlichkeiten, die Historie und das Leben im Seminar: www.bistum-eichstaett.de/seminarjubilaeum und: www.priesterseminar-eichstaett.de