Kein Jubel bei konservativen Protestanten über Käßmann

Hamburg (DT/idea) In den allgemeinen Jubelchor über die Wahl der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann zur neuen EKD-Ratsvorsitzenden stimmt eine Organisation nicht mit ein: die Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands. Der Vorsitzende des Zusammenschlusses von einundzwanzig theologisch konservativen Gruppen, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), reagierte mit einigen kritischen Fragen auf die Entscheidung. „Ist die Vorbildfunktion von Geistlichen, besonders einer Ratsvorsitzenden, die die Evangelische Kirche repräsentiert, kein Kriterium, keine Frage mehr?“, so der Theologe im Blick auf die geschiedene Ehe der Bischöfin. Rüß weiter: „Sind evangelische Christen mit solcher immerhin biblischer Erwartungshaltung einfach in die Ecke der Ewiggestrigen und Pharisäer zu stellen? Nicht wenige Christen, denen Bibel, Bekenntnis und Vorbildfunktion wichtig sind, sind enttäuscht, teilweise erschüttert.“ Hinsichtlich der Ökumene fragt der Theologe: „Muss man nicht davon ausgehen, dass die katholische Kirche, die orthodoxe und andere Kirchen sich schwertun mit einer geschiedenen Bischöfin? So tritt neben den verbreiteten Jubel die Sorge um unsere Kirche.“ Die Wahl von Käßmann zur neuen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands stieß ansonsten in Kirche und Politik auf ein durchweg positives Echo.