Kein Aggiornamento in Sicht

Metropolit Augoustinos vom Ökumenischen Patriarchat wirft einen Blick auf die Panorthodoxe Synode im Jahr 2016. Von Katrin Krips-Schmidt

Metropolit Augoustinos. Foto: Krips-Schmidt
Metropolit Augoustinos. Foto: Krips-Schmidt

Berlin (DT) „Einen Blick in die Orthodoxie“ geworfen haben am Freitag weit über hundert Besucher der Kirche St. Adalbert in Berlin-Mitte. Metropolit Augoustinos Lambardakis vom Ökumenischen Patriarchat sprach über die orthodoxe Kirche und ihre Bedeutung. Veranstalter des Abends war das Projekt St. Adalbert und die Gemeinschaft Chemin Neuf, die in dem ökumenischen Zentrum ein Lebens- und Begegnungszentrum trägt.

Metropolit Augoustinos ist Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz, die etwa 1, 5 Millionen orthodoxer Christen unterschiedlicher Herkunft und Nationalität repräsentiert. 500 000 von ihnen gehören der griechisch-orthodoxen Kirche angehören. Seine Aufgabe ist es, sich um die Belange, insbesondere um den Aufbau und die Organisation der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland zu kümmern, die 1963 im Zuge einer Neuordnung der griechischen Kirchengemeinden in der Diaspora vom Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel gegründet wurde. Sie ist heute die drittgrößte christliche Kirche Deutschlands mit über 70 Kirchengemeinden und mehr als 150 Gottesdienststätten. Zudem gehören zu den Aufgabenbereichen des 1938 auf Kreta geborenen Erzbischofs der Dialog mit den anderen Religionen, wie dem Judentum und dem Islam sowie die ökumenische Zusammenarbeit. So entstanden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bischofskonferenz der katholischen Kirche Texte und Handreichungen zur Eucharistie und zu den Heiligen.

Hochaktuell sei, so Augoustinos bei seinem Vortrag, die Vorbereitung der Heiligen und Großen Synode der gesamten Orthodoxie zu Pfingsten 2016 in Konstantinopel – dem heutigen Istanbul –, auf die sich die Patriarchen und Oberhäupter der orthodoxen Kirchen verständigt hatten. Die endgültige Agenda für dieses Ereignis wurde bereits 1976 bei der I. Präkonziliaren Panorthodoxen Konferenz in Chambésy in der Schweiz festgelegt.

Auf dem Panorthodoxen Konzil sollen im kommenden Jahr insgesamt zehn Punkte zur Sprache kommen, die sich in drei Bereiche einteilen lassen: „Die inneren Beziehungen der Orthodoxie“ befassen sich unter anderem mit Diaspora, Autokephalie und Autonomie, das Feld „Orthodoxie und Moderne“ widmet sich den Fastenvorschriften, der Kalenderfrage und den Ehehindernissen mit Überlegungen zu konfessionsverschiedenen Ehen. Die Beziehungen der Orthodoxie zu den anderen Kirchen, ihr Verhältnis zur ökumenischen Bewegung sowie ihr Beitrag „zur Verwirklichung des Friedens, der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Brüderlichkeit und der Liebe zwischen den Völkern sowie zur Beseitigung der Rassen- und anderen Diskriminierungen“ sind der Rubrik „Orthodoxie und die anderen“ zugeordnet. Anders als beim Zweiten Vatikanischen Konzil der römisch-katholischen Kirche soll es bei der Synode der Orthodoxie nicht zu langen Sitzungsperioden kommen, da fast alle Beschlussvorlagen bereits seit vielen Jahren vorliegen, was einerseits Kosten einspart, andererseits jedoch den Nachteil hat, dass vor dreißig Jahren gefasste Textvorlagen etwa zu den Auseinandersetzungen mit der Moderne unter Umständen veraltet sind.

Nicht zu erwarten ist nach Einschätzung des Metropoliten, der von 1973 bis 1979 Vorsitzender des Ökumenischen Rates Berlin war, ein theologischer Paradigmenwechsel. Ein „orthodoxes Aggiornamento“ – eine „Verheutigung“ des kirchlichen Lebens, wie sie auf dem Zweiten Vatikanum angezielt und durchgeführt wurde – „ist nicht in Sicht“, sagte Augoustinos.

Bei dem Heiligen und Großen Konzil werden Vertreter aller vierzehn autokephalen Kirchen der Orthodoxie und bis zu 24 Bischöfe aller Landeskirchen teilnehmen. Für die Abstimmungen, die einstimmig zu erfolgen haben, gelte das Prinzip: „One Church, one Vote“. Als Tagungsort ist die heute als Museum dienende Irenenkirche unweit der Hagia Sophia vorgesehen – im Jahr 381 fand hier das Zweite Ökumenische Konzil statt, auf dem der Arianische Streit beigelegt und das Nicänisch-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis endgültig festgelegt wurden.

Auch wenn es, so Augoustinos, derzeit auf allen Ebenen zu einer Stagnation des ökumenischen Dialogs gekommen sei, ist die schmerzliche Trennung der Christenheit eine Sünde, die es zu überwinden gelte. Das Schisma sei „eine unselige Sache“.

Das Verhältnis zwischen orthodoxem und katholischem Glauben sollte das Schlusswort des Oberhauptes der griechisch-orthodoxen Kirche – ein Zitat aus dem 19. Jahrhundert – beleuchten, und dieses sollte versöhnlich stimmen und auf eine künftig mögliche Einheit im Glauben hinweisen: „Auch darf man nicht übersehen, dass die im elften Jahrhundert erfolgte Spaltung keineswegs von dogmatischen Irrtümern ihren Ursprung genommen. Im Glauben, wenigstens im dogmatisch Wesentlichen desselben, sind beide Kirchen lange immer Eins gewesen, und nur durch eine Reihe von unglücklichen Zufällen und größtenteils persönlichen Zwistigkeiten, oder wenn man es nach der Strenge bezeichnen will, von moralischen Verschuldungen, die hier aber doch keineswegs mit dogmatischen Irrtümern zu verwechseln sind, ist die unselige Trennung bewirkt worden, erst allmählich und ganz stufenweise daraus hervorgegangen, bis sie endlich völlig festgesetzt wurde: eine Trennung, die eigentlich nie hätte stattfinden sollen, da sie anfangs auf gar keinem wesentlichen Grunde beruhte.“