Katholisch-Sein in der Wüste Negev

Glaube verbindet: Zu Besuch in der Abrahamsgemeinde in Beersheva. Von Oliver Maksan

Pfarrer Salvaterra feiert die Sonntagsmesse in der Kapelle der Abrahamspfarrei. Foto: Maksan
Pfarrer Salvaterra feiert die Sonntagsmesse in der Kapelle der Abrahamspfarrei. Foto: Maksan

Beersheva ist nicht die schönste der Städte Israels. Klimatisierte Malls inmitten schnell hochgezogener Zweckbauten und vielbefahrener Straßen bilden die seelenlosen Zentren des öffentlichen Lebens. In der Wüste Negev gelegen, atmet die Stadt ganz den frühen Pioniergeist des jungen Israel. Staatsgründer Ben Gurion wollte bekanntlich die Wüste bevölkern. In Beersheva ist das gelungen. Die etwa 200 000 Menschen zählende Bevölkerung der fünftgrößten Stadt Israels besteht überwiegend aus russischen und äthiopischen Immigranten, die mit der neuen Heimat allerdings noch immer fremdeln. Wenig haben sich beide Gruppen zu sagen.

Das ist in der katholischen Abrahamsgemeinde anders. „Wir sind die einzige christliche Gemeinde in diesem Teil des Landes. Das nächste Gotteshaus ist in Eilat am Roten Meer“, sagt Pfarrer Gioele Salvaterra. Der Italiener ist ein Fidei-donum-Priester des Südtiroler Bistums Bozen-Brixen. Seit drei Jahren wirkt er als Seelsorger der etwa 120 Personen, die die Gemeinde bilden, feiert Messen, unterrichtet den Katechismus und leitet Bibelkreise. Die Pfarrei ist Teil des Vikariates für die hebräischsprachigen Katholiken Israels, einer kleinen Minderheit innerhalb des Lateinischen Patriarchats mit seinen überwiegend arabischen Christen. Kaum einer der Pfarreiangehörigen ist aber gebürtiger Israeli. Die meisten sind Einwanderer aus der früheren Sowjetunion, Gastarbeiter, Studenten. „In vielen Orten in Israel gibt es wenig Kontakt zwischen den alteingesessenen arabischen Christen und den neuen Gastarbeitern. Beide Gruppen leben in zwei ganz unterschiedlichen Milieus. Beersheva ist da ganz besonders: Da unsere christliche Gemeinde die einzige ist in der Stadt wie im großen Teil des Südens des Landes, kommen zu uns seit Anfang an Gläubige verschiedener Herkunft. Man kann wirklich sagen, dass es hier keine alten und neuen Christen oder Minderheiten und Mehrheiten gibt. Bei uns gibt es arabische Christen aus Galiläa, die hier arbeiten, Christen aus Europa, die zum Beispiel mit Juden verheiratet sind, Studenten aus aller Welt, die an der Ben-Gurion Universität studieren, sowie Gastarbeiter, besonders aus Indien und Philippinen. Alle beten zusammen und spüren, dass der Glaube einen viel stärker verbindet als Herkunft oder Sprache.“

Wenn die Gastarbeiter aus Indien und den Philippinen mit ihren Seelsorgern ihren Gottesdienst feiern, kommen oft über 200 Personen. Die kleine Kapelle mit vielleicht 50 Plätzen bietet dann längst nicht genügend Platz für alle. Bis vor das Haus, das von außen nicht als Kirche erkennbar ist, stehen die Gläubigen dann. „Es ist sicher eine große Neuheit, dass so viele Christen nicht nur in israelischen Städten wohnen, sondern in israelischen Häusern tätig sind. Für viele Israelis ist das eine Möglichkeit, ein neues Gesicht des Christentums zu entdecken“, meint Pfarrer Salvaterra. „Die Gastarbeiter aus dem Osten, von den Philippinen und aus Indien haben eine Art den Glauben zu leben, die ganz anders ist als die europäische, westliche, die für Israelis oft mit schlechten Erfahrungen und Erinnerungen verbunden ist. Die Liebe, die die Gastarbeiter in ihrem Beruf zeigen, besonders in den Pflegeberufen, ist ein wichtiger Anfang für einen neues Niveau im jüdisch-christlichen Dialogs.“

Konvertiten hingegen sind selten. Was aber vorkommt ist, dass Juden neugierig auf das Christentum sind. Salvaterra: „Es gibt Juden die hierherkommen, um Fragen zu stellen, oder um die Heilige Messe zu sehen. Das heißt keineswegs, dass sie daran interessiert sind, zu konvertieren. Ich glaube aber, dass auch dies eine wichtige Aufgabe unserer Gemeinde ist, denn nur so kann ein echter und tiefer Dialog zwischen Juden und Christen aufgebaut werden.“

Doch es gibt auch Juden, die den Weg zu Christus gefunden haben. Da ist Maya. Die russische Jüdin lebt seit vielen Jahren in Beersheva. „Ich bin in Leningrad geboren und aufgewachsen. Die Sowjetunion war natürlich völlig atheistisch. Als Pianistin aber bin ich viel mit geistlicher Musik in Berührung gekommen. Das hat mir die christliche Religion eröffnet.“ Nach ihrer Emigration nach Israel ist sie auf der Suche nach ihrer Identität. „Sicher, in meinen Adern fließt jüdisches Blut. Und die Atmosphäre des Heiligen Landes ist eine sehr spirituelle. Man kann den biblischen Glauben hier förmlich spüren. Ich habe aber nicht zum Glauben meiner Vorfahren zurückfinden können. Ich habe meinen Weg in Christus gefunden.“