Kardinal warnt Rom vor Kompromissen mit Peking

Vatikanstadt (DT/KNA) Der chinesische Kardinal Joseph Zen Ze-kiun hat den Vatikan und die katholische Kirche seines Landes vor weiteren Kompromissen mit den staatlichen Behörden gewarnt. Papst Benedikt XVI. habe mit seinem Offenen Brief von 2007 an Kirche und Staat in China klare Vorgaben zur Religionsfreiheit und zu Kirchenstrukturen gemacht, sagte der frühere Erzbischof von Hongkong in einem Interview mit dem römischen Pressedienst asianews vom Dienstag. Die Religionsfreiheit sei für die Kirche in der Volksrepublik wichtiger als diplomatische Beziehungen um jeden Preis. Zen zeigte sich besorgt, dass die Forderungen des Papstes verwässert oder doppeldeutig ausgelegt würden. Auch äußerte er in dem Interview, das von asianews bislang nur auszugsweise publiziert wurde, die Befürchtung einer schleichenden Unterordnung der Kirche unter die regimenahe Patriotische Vereinigung. Das wäre ein Beleidigung, ja eine „Ohrfeige“ für Benedikt XVI. Der Papst-Brief vom Sommer 2007 habe eine neue Phase für die Kirche in China eingeleitet, sagte Zen, der im vergangenen April aus Altersgründen von der Leitung der Diözese Hongkong zurückgetreten war. Allerdings fürchte er, dass man auf eine Ära von Kompromissen zusteuere, die die bisherigen Anstrengungen der Kirche hinfällig machten. Angesichts der Entspannung mit Taiwan seien für Peking die offiziellen Kontakte zum Vatikan heute nicht mehr so wichtig.