Kardinal relativiert Limburg-Debatte

Frankfurt (DT/KNA) Der honduranische Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga hat vor einer falschen Armutsdebatte nach dem Fall Limburg gewarnt. „Es wäre schade, wenn durch Ereignisse in einer einzelnen Diözese in Deutschland die Errungenschaften so vieler Jahre in den Schatten gestellt würden“, sagte Rodriguez im Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitag). Er verwies dabei auf die Beiträge deutscher katholischer Hilfswerke wie Misereor, Missio, Kirche in Not und Renovabis. Namentlich Adveniat sei „der größte Wohltäter des lateinamerikanischen Kontinentes auf allen Gebieten der Seelsorge“, so der Kardinal und Erzbischof von Tegucigalpa. Rodriguez, der auch Vorsitzender einer von Papst Franziskus eingesetzten Kardinalskommission zur Kirchenreform ist, sprach sich deutlich für eine „Option für die Armen“ aus. Zugleich sagte er auf die Frage nach einer armen Kirche in Deutschland, alles hänge davon ab, „wie man Reichtum definiert“. Die Geschichte Europas habe es mit sich gebracht, dass es viele kirchliche Besitztümer gebe, selbst die Kirchensteuer. „Ich bin überzeugt, dass die katholische Kirche in Deutschland nicht nur eine der reichsten der Welt ist, sondern auch die großzügigste. Viele Kirchen helfen den Ärmsten der Armen, aber keine kann sich mit der deutschen messen“, sagte Rodriguez: „Ich glaube, dass die katholische Kirche in Deutschland im Dienst der Armen steht.“ Die Option für die Armen müsse zu einer veränderten Weltwirtschaft führen. Die Kirche brauche „keine ,klerikalisierten‘ Laien in der Sakristei, sondern überzeugte Katholiken im Zentrum der Politik, der Wirtschaft und auch der Kultur“, so der 71-jährige Kardinal.