Kardinal Wyszynski auf Weg zur Seligsprechung

Vatikanstadt/Warschau (DT/KNA) Der in Polen als „Primas des Jahrtausends“ verehrte Kardinal Stefan Wyszynski (1901–1981) könnte bald seliggesprochen werden. Wie der Vatikan am Dienstag mitteilte, verlieh Papst Franziskus dem ehemaligen Erzbischof von Warschau und Gnesen (Gniezno) den sogenannten heroischen Tugendgrad, ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zur Seligsprechung. Dafür wäre nun noch die Anerkennung eines Wunders nötig, das aufgrund der Fürbitte zu dem Verstorbenen geschehen und vom Vatikan anerkannt worden sein muss. Der Warschauer Kardinal Kazimierz Nycz nannte die Entscheidung des Papstes einen „großen Schritt vorwärts im Seligsprechungsverfahren“. „Wir freuen uns sehr“, sagte er vor Journalisten in der polnischen Hauptstadt. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, dankte Franziskus und betonte, Wyszynskis Verdienste bei der Verteidigung der geistigen Freiheit der Polen könnten nicht überschätzt werden. Im November 2015 hatte Nycz im Vatikan die erforderliche Akte über das „tugendhafte Lebenswerk“ Wyszynskis an den zuständigen Kurienkardinal Angelo Amato übergeben. Auf Fürsprache Wyszynskis soll 1988 eine an Schilddrüsenkrebs erkrankte junge Frau genesen sein, die heute 46 Jahre alt ist. Die Erzdiözese Warschau hatte bereits im Mai 1983 das Verfahren auf Bistumsebene eingeleitet und insgesamt 65 Wegbegleiter des Kardinals befragt. Von 1948 bis 1981 war Wyszynski der höchste Würdenträger der polnischen Kirche und Mitstreiter des jungen Krakauer Kardinals Karol Wojtyla (1920–2005); dieser wurde 1978 zum Papst gewählt und trug als Johannes Paul II. entscheidend zum Sturz des Kommunismus bei. Auch Wyszynski gilt als eine Symbolfigur des geistigen Widerstands gegen die kommunistischen Machthaber in Warschau. Diese steckten ihn von 1953 bis 1956 ohne Prozess ins Gefängnis. Papst Benedikt XVI. hatte 2011 zum 30. Todestag des Kardinalprimas seine Hoffnung auf eine baldige Seligsprechung bekundet.