Kardinal Rai beklagt katastropahle Effekte des Syrien-Krieges im Libanon

Der maronitische Patriarch Rai beklagt das Leid, das der syrische Bürgerkrieg im Libanon verursacht. Mit den poltischen Verantwortungsträgern geht er hart ins Gericht. Nur Papst Franziskus traue sich, die Wahrheit auszusprechen.

Konflikt in Syrien
16.04.2018, Syrien, Duma: Menschen stehen vor zerstörten Gebäuden, der Ort, an dem es zu einem mutmaßlichen Chemiewaffen Anschlag kam. Am vergangenen Wochenende griffen die Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich als Reaktion auf einen neuen Chemiewaffeneinsatz in der Ortsc... Foto: Hassan Ammar (AP)

Die katastrophalen Auswirkungen der Syrien-Krise auf den Libanon hat der maronitische Patriarch, Kardinal Bechara Boutros Rai in einem Interview mit "Vatican News" beklagt. Alle Straßen aus dem Libanon in die arabische Welt seien durch den Krieg blockiert, sagte der Kardinal-Patriarch: "Wir haben keinen Zugang für unsere landwirtschaftlichen und industriellen Produkte nach Syrien, in den Irak, nach Jordanien und in die Golf-Staaten."

Zugleich müssten die libanesischen Steuerzahler für 1,7 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufkommen. Dabei würde ein Drittel der Libanesen bereits jetzt unter der Armutsgrenze leben. Daher suchten viele Bewohner des Landes ihre Zukunft in der Emigration. Für die Syrien-Krise sei eine "diplomatische und politische Lösung" überfällig, sagte Rai: "Wir sind nicht einverstanden mit der kriegerischen Auseinandersetzung, auch wenn wir nicht gehört werden."

Das libanesische Volk unterstütze die syrischen Flüchtlinge aus menschlichen Gründen, unterstrich der Kardinal-Patriarch. Aber die Frage sei, wie lange das die kleine Zedern-Republik bewältigen könne. Rai: "Die Großmächte und die westlichen Länder lösen Kriege aus und wir Libanesen müssen die Konsequenzen tragen. Das ist nicht möglich und nicht annehmbar."

Leider spreche niemand - "keiner der Verantwortlichen der USA, der Russischen Föderation, des Iran und der respektiven Verbündeten" - vom Frieden in Syrien, bedauerte der libanesische Kardinal. Nur Papst Franziskus habe davon gesprochen und zugleich den Finger auf die Wunde gelegt: "Es geht um Waffenexport, die 'Mächte' haben Interesse, Krieg zu führen, um Waffen zu verkaufen." Alles andere bedeute nur, den Menschen "Sand in die Augen zu streuen": "Die politisch Verantwortlichen wollen darlegen, dass sie etwas tun. Aber in Wahrheit zerstören sie nur alles."

DT/KAP