Kardinal Erdö tadelt Schulpolitik Ungarns

Budapest (DT/KNA) Der ungarische Primas Kardinal Peter Erdö hat Rechtsunsicherheit des Religionsunterrichts an den öffentlichen Schulen beklagt. Auch zum neuen Schuljahr seien weder die Bezahlung der Religionslehrer noch die Kostenübernahme für schulische Religionsbücher staatlich geregelt worden, sagte Erdö am Donnerstag zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Bischöfe vor Journalisten in Budapest. Seit eineinhalb Jahren bemühe sich die katholische Kirche gemeinsam mit anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften um eine gesetzliche Regelung dieser Fragen, erinnerte der Kardinal laut der ungarischen Nachrichtenagentur MTI. Er forderte, die Regierung Orban solle den freiwilligen konfessionellen Religionsunterricht in jeder Hinsicht dem Pflichtfach Ethik gleichstellen. Erdö mahnte unter anderem eine Regelung der Lehrergehälter an. Religionslehrer müssten rechtsverbindlich wissen, ob sie ebenso wie die Ethik-Lehrer mit einem festen Stundenhonorar und mit einem Gehalt während der Ferien rechnen könnten. Der Kardinal verwies auf einen Fall, in dem eine Schule zum neuen Schuljahr bereits bestellte Religionsbücher wieder abbestellt habe, als sie erfahren habe, dass der Staat nicht wie in anderen Fächern die Kosten dafür trage. Konfessioneller Religionsunterricht ist in Ungarn freiwillig. Nur wenn sich Schüler oder Eltern nicht für katholischen, evangelischen, reformierten oder jüdischen Unterricht entscheiden, ist als Ersatz Ethik-Unterricht verpflichtend. Auch die finanzielle Zukunft von kirchlichen Kindergärten und Kindertagesstätten beschrieb Erdö laut MTI als prekär. Jüngsten Einigungen in einigen Punkten zum Trotz seien die Behörden davon wieder abgewichen.