Kapellari: Kirche wird in Österreich kleiner

Graz (sb) Der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari hat an seine Pfarrer appelliert, sich nicht lähmen zu lassen von der Erfahrung von Schrumpfungen kirchlichen Lebens, schwindender Relevanz der Kirche in der Gesellschaft und durch „schreckliche und noch immer nicht abreißende Nachrichten über zeitlich meist weit zurückliegende Verfehlungen gegenüber Kindern und Jugendlichen“. Von Kirche und Papst werde erwartet, „dass vieles, was der Mehrheit in der öffentlichen Meinung widerspricht, einfach aufgegeben wird“. Dabei werde „möglich Scheinendes und Unmögliches undifferenziert verklammert“, so Bischof Kapellari. Der Erwartungsdruck reiche auch bis in den Kreis derer hinein, die die Kirche tragen. Die Weltkirche sei aber „kein Schnellboot, das rasch auf Herausforderungen reagieren könnte, die vielen Katholiken höchst plausibel erscheinen, die aber teilweise auch die Substanz und Identität der Kirche gefährden“. Der Grazer Bischof stellte fest, dass die Kirchenaustrittszahlen im laufenden Jahr weit höher sind als im Vorjahr: „Die Ursachen dafür liegen zwar in einigen Fällen fast allein in der verständlichen Empörung über ein kirchliches Fehlverhalten zu Lasten der Opfer von Missbrauch. Mehrheitlich steht dahinter aber zusätzlich eine Schwächung oder ein Verlust der Bindung an den kirchlich vermittelten Glauben überhaupt.“ Kapellari appellierte an die steirischen Pfarrer, den Ausgetretenen „einladend nachzugehen“. Insgesamt werde die Kirche in Österreich erheblich kleiner werden: Eine jetzt 67 Prozent der Bevölkerung in Österreich umfassende „und in einigen Jahrzehnten vielleicht auf weniger als 50 Prozent reduzierte katholische Kirche wäre dennoch die größte Gemeinschaft im Land und könnte nach etlichen Schrumpfungen und Umstellungskrisen wieder dynamischer und eine im besten Sinn dieses Wortes selbstbewusste Kraft sein inmitten einer Gesellschaft, die dann noch pluraler sein wird als heute“. Die Kirche müsste ihr Wirken „vor allem im Gottesdienst, aber auch im Alltag radikaler als Stellvertretung vor Gott bezogen auf alle anderen Menschen verstehen und leben“.