Kampf ums Papsterbe?

Das Institut Johannes Paul II. weist Medienberichte über Kritik am neuen Kurs zurück.

Petersdom bei Nacht
Das Päpstliche Theologische Institut Johannes Paul II. für Ehe- und Familienwissenschaften hat am Montag mehrere Personalentscheidungen gegen Kritik verteidigt. Foto: Arnaldo Vescovo (Mondadori Portfolio)

Das Päpstliche Theologische Institut Johannes Paul II. für Ehe- und Familienwissenschaften hat am Montag mehrere Personalentscheidungen gegen Kritik seitens einiger Studenten und Mitarbeiter des Instituts verteidigt. Die akademische Neuaufstellung des Instituts sei von der römischen Bildungskongregation gebilligt worden und auf eine breitere Reflektion über die Familie ausgelegt, nicht als Themenersatz. Diese Erweiterung zeige noch stärker die zentrale Bedeutung von Ehe und Familie in Kirche und Gesellschaft. Sie bestätige erneut die ursprüngliche und noch immer fruchtbare Intuition des heiligen Johannes Pauls II., heißt es in einer Pressemeldung vom 29. Juli, die der amerikanische Nachrichtendienst CNA zitiert.

Erklärung soll Bedenken von Studenten und Mitarbeitern zerstreuen

Den Angaben zufolge soll die Erklärung Bedenken zerstreuen, die von Studenten und Mitarbeitern des Instituts angesichts der Abschaffung eines Lehrstuhls für Moraltheologie und Änderungen im Lehrplan geäußert worden waren. Absicht des überarbeiteten Curriculums sei es, so das Institut, sicherzustellen, dass die Morallehre über Ehe und Familie und der theologischen Ethik des Lebens Teil des Veranstaltungsprogramms bleibe. So werde Moraltheologie nach wie vor im „ersten Abschnitt“ des Theologiestudiums verlangt, um zu den Graduierten-Studiengängen des Instituts zugelassen zu werden.

Darüber hinaus begründet die Erklärung die Entlassung mehrerer Mitarbeiter, die für Kritik gesorgt hatten, mit Synergieeffekten aufgrund der Zusammenarbeit des Instituts mit der Päpstlichen Lateranuniversität. Im Zug dieser Partnerschaft habe das Institut sein Kursangebot reduziert und daher einige Dozenten nicht behalten. Je nach Bedarf sei nicht ausgeschlossen, dass einige Dozenten wieder eingestellt würden. Beobachtern zufolge widerspricht insbesondere die Abschaffung des Lehrstuhls für Moraltheologie allerdings der Absicht Johannes Pauls II.

Aufsehenerregendste Personalentscheidung: Das Ausscheiden des Moraltheologen Livio Melina

Ein namentlich nicht genannter Dozent erklärte CNA gegenüber am Montag, dass der polnische Papst darauf bestanden habe, mit der Gründung des Instituts auch einen Lehrstuhl für Moraltheologie zu errichten. Die früheren Statuten des Instituts, die mit der Reform von 2017 obsolet wurden, hätten ausdrücklich erwähnt, dass Moraltheologie zum Studienplan gehöre. Nach Darstellung von CNA haben die Studenten trotz gegenteiliger Zusage der Institutsleitung im neuen Kursangebot keine Möglichkeit mehr, die traditionelle theologische Ausbildung des Instituts zu absolvieren.

Die aufsehenerregendste Personalentscheidung betrifft das Ausscheiden des 66-jährigen Moraltheologen Livio Melina, der zehn Jahre (von 2006–2016) das Amt des Präsidenten des Instituts innehatte und als einer der renommiertesten Lehrer der „Theologie des Leibes“ von Johannes Paul II. gilt. Er gehört der Fakultät nun nicht mehr als ständiges Mitglied an, „da sein Lehrstuhl für Moraltheologie nicht mehr besteht“, wie es in der Presseerklärung lapidar heißt. Ebenfalls entlassen wurde der Moraltheologe José Noriega DCJM. Er ist der Generalobere der spanischen Kongregation der Jünger des Herzens Jesu und Mariens. Das Institut verweist darauf, dass die Bekleidung beider Ämter unvereinbar mit dem Kirchenrecht sei.

Das Institut widerspricht den Medienberichten

CNA zitiert Pater Noriega allerdings mit dem Hinweis, dass seine Amtszeit als Oberer der mit 24 Professen überschaubaren Gemeinschaft im Januar ende. Nie sei er in diesem Zeitraum auf den nun erhobenen Einwand angesprochen worden. Es gebe keinen Beweis, so Noriega, dass sein Posten an der Fakultät unvereinbar sei mit einer Leitungsaufgabe in seiner Ordensgemeinschaft, zumal er auch noch ein drittes Amt als Herausgebers des Instituts bekleidet habe. Zu den grundlegenden Änderungen, die sich im Päpstlichen Theologischen Institut Johannes Paul II. für Ehe- und Familienwissenschaften abzeichnen, gehören auch die Besetzungsverfahren für ständige Dozenten. Offene Stellen sollen demnach durch ein öffentliches Ausschreibungsverfahren besetzt werden.

Das Institut widerspricht in seiner Erklärung vom Montag Medienberichten, denen zufolge 150 Studenten Bedenken gegenüber dem Kurs der Institutsleitung geäußert hätten. Lediglich einige wenige Studentenvertreter hätten einen Brief unterzeichnet, in dem um Erklärungen über die Neuregelungen gebeten worden sei. Dieser Darstellung widerspricht CNA mit Verweis auf einen der Organisatoren der Unterschriftenaktion. Der namentlich nicht genannte Student wird zitiert mit dem Hinweis, inzwischen sei die Zahl der Unterzeichner auf 246 gestiegen. Der Brief soll laut CNA in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.