K8-Gipfel geht in die zweite Runde

Kardinäle sprechen wieder mit Papst Franziskus über die Reform der römischen Kurie. Von Christoph Schmidt

Vatikanstadt (DT/KNA) Genau zwei Monate nach ihrem ersten Treffen kommen die acht Mitglieder des Kardinalsrates des Papstes am Dienstag erneut im Vatikan zusammen, um weiter über eine Kurienreform zu diskutieren.

Auch wenn die acht Kardinäle von allen Kontinenten, unter ihnen der Deutsche Reinhard Marx, nach ihren drei Beratungstagen mit Franziskus Anfang Oktober keine Details nach außen dringen ließen, scheint klar: Die geplante Reform wird keine kosmetische Korrektur bestehender Strukturen in der Kurie, sondern die Leitung der katholischen Kirche grundlegend neu ordnen. Es geht um einen ganz neuen Entwurf. Dafür spricht schon, dass der Gedanke der Kollegialität zwischen dem Papst und den Bischöfen, den das Zweite Vatikanische Konzil gefördert hatte, bei der ersten Gesprächsrunde viel Raum bekam. Die Bischofssynode als ein wichtiges Instrument dieser Kollegialität brauche mehr Interaktion, hatte Marx kurz darauf formuliert. Bischöfe und Papst müssten mehr miteinander reden, anstatt nur Statements abzugeben. „Und es wird darum gehen, wie die Synode zu einer permanenten Einrichtung werden kann.“

Bislang wurden Bischofsversammlungen regelmäßig alle zwei bis drei Jahre zu einem bestimmten Thema in den Vatikan einberufen. Künftig könnte das Internet eine wichtige Rolle für eine Verstetigung spielen. Schon 2014 dürfte auch die von Franziskus anberaumte Sonderbischofssynode zur Familienseelsorge erkennen lassen, wie weit die Erprobung eines neuen Kommunikationsstils reicht. Der muss sich nach dem Willen der Kardinäle vor allem auch im Umgang mit den Kurienbehörden zeigen. Schlankere Strukturen, mehr Transparenz und eine engere Verzahnung waren die Forderungen der Papstwähler im Vorkonklave an das künftige Kirchenoberhaupt– auf die Franziskus mit der Bildung des „K8“-Beratergremiums eine erste Antwort gab. Seit längerem ist die Einsetzung eines Kurienmoderators im Gespräch, der die Kontakte zwischen den Kongregationen und Räten koordiniert. Das könnte auch Auswirkungen auf die Rolle des Staatssekretariates haben, das nicht mehr als eine Art „Superministerium“ fungieren, sondern wieder stärker als „Sekretariat des Papstes“ arbeiten könnte. Einiges spricht dafür, dass Franziskus mit der Berufung von Erzbischof Pietro Parolin ebenfalls in diese Richtung denkt.

Das Krisenmanagement der vatikanischen Zentralbehörde mit den Skandalen im Pontifikat Benedikts XVI. war vielfach kritisiert worden. Bei der Erneuerung der Kurie erwägen die Kardinäle auch eine stärkere Einbeziehung von Laien. Bislang sind nur wenige Laien in Führungspositionen der römischen Kurie tätig oder als stimmberechtigte Mitglieder berufen. Ob allerdings der Päpstliche Laienrat zu einer eigenen Kongregation erhoben werden könnte, sollte derzeit noch nicht spekuliert werden, meinte unlängst der Honduraner Oscar Rodriguez Maradiaga, Koordinator des Rates. Über die Idee eines vatikanischen „Finanzministeriums“ hatten die päpstlichen Berater bei ihrem ersten Treffen nicht gesprochen, ebenso wenig über die in der Vergangenheit immer wieder skandalumwitterte Vatikanbank IOR, die sich derzeit in einem Erneuerungsprozess befindet.

Ob es bei den bis Donnerstag dauernden Gesprächen dazu kommt, dürfte davon abhängen, ob die zuständige Prüfkommission dazu bereits genügend Ergebnisse erbracht hat. Franziskus' Ernennung seines Ersten Sekretärs zum Verbindungsmann zur Kommission legt freilich nahe, dass er noch mehr Informationen benötigt.

Mit seinem Lehrschreiben „Evangelii gaudium“ hat der Papst in der vergangenen Woche den „Wind des Wandels“ in Kurie und Kirche noch weiter angeblasen.

Auch von einer Reform des Papsttums selbst war die Rede – und davon, dass der Papst in der Bewertung von Problemen nicht jeden Bischof ersetzen kann. Das Dokument atmet damit die Vision einer stärker selbstverwalteten Ortskirche – die indes ohne eine funktionierende Kurie nicht denkbar ist. Deshalb, so Marx, sei das wichtigste dort ein „Mentalitätswandel“ – hin zu einem Selbstverständnis als „Dienstleister“. Das könne allerdings Jahre dauern.