„Jungfrauengeburt“ keine Sonderlehre der Pietisten

Stuttgart (DT/idea) Pietisten vertreten keine christliche Sonderlehre, wenn sie daran festhalten, dass Jesus Christus von einer Jungfrau geboren wurde. Dieser Ansicht ist der Theologieprofessor Rainer Riesner (Dortmund). Er widerspricht der Auffassung, dass Jesus Marias Mann Josef als leiblichen Vater hatte und erst bei seiner Taufe als „Sohn Gottes“ adoptiert wurde. Wie Riesner im Mitteilungsblatt des württembergischen Gemeinschaftsverbandes „Die Apis“ („Altpietisten“/Stuttgart) schreibt, ist diese „adoptianische Christologie“ an theologischen Fakultäten verbreitet und hat tief in die Pfarrerschaft und selbst auf Kirchenleitungen eingewirkt. So hatte beispielsweise der EKD-Ratsvorsitzende, der rheinische Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), kürzlich in einem idea-Interview erklärt, die Aussage im Glaubensbekenntnis, dass Jesus Christus von einer Jungfrau geboren wurde, sei für den Glauben „nicht entscheidend“. Dabei berief sich Schneider auf das angebliche „Adoptions-Modell“ des Evangelisten Markus. Auch der katholische Theologe Hans Küng bevorzugt diese Darstellung, weil sie das christlich-jüdisch-islamische Gespräch erleichtere. Pietismus in wahrer ökumenischer Übereinstimmung Riesner zufolge widerspricht das „Adoptions-Modell“ zahlreichen Aussagen des Neuen Testamentes. Der Theologe kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Pietismus „in wahrer ökumenischer Übereinstimmung mit den Konzilien der Alten Kirche, den gültigen Bekenntnissen der Evangelischen Kirchen und großen Teilen der weltweiten Christenheit“ befinde, wenn er daran festhalte, dass Jesus Christus von Ewigkeit her wahrer Gott sei.