Junge Federn: Unterricht im Messgewand

Unterricht im Messgewand

Letztens nach einem langen Tag in der Schule, wo man selbst stundenlang geredet hat und auch von Schülern, Kollegen und anderen Mitarbeitern beredet wurde, ist es mir wieder so ergangen: Ich war abends in der heiligen Messe und gleich bei der Einführung des Priesters sofort genervt! Warum? Die redundante „Einleitung“! Dann ging es weiter: Nach diesem Kurzvortrag kam der „Bußakt“, natürlich gesprochen mit eingeschobenen Tropen zwischen den Kyrie- und Christe-Anrufungen. Nun noch schnell ein einstrophiges „Glorialied“ dazwischengeschoben, und schon ging's zur „Oration“; natürlich nicht gesungen. Dann kamen die „Lesungen“; gefühlt zu lang mit anschließendem gesprochenen Zwischenpsalm. „Blöderweise“ kam dann eine zweite Lesung, da ein Hochfest fiel. Also wieder das Mikro aufgedreht, gelesen und gelauscht. Danach wurde ein Evangelienruf gesungen; große Freude. Aber – welch Ernüchterung – das Evangelium wurde sofort wieder breit gesprochen; danach „inbrünstig“ das Credo rezitiert.

Nun naht der heimliche „Höhepunkt“ der heiligen Handlung: die „Fürbitten“. Nach einer inhaltlich nichtssagenden Einleitung (vermutlich aus einem säkularisierten Gottesdienstvorbereitungsheftchen), kamen die noch inhaltsleereren Fürbitten, redundant, überflüssig und daher nervtötend. Hier stelle ich mir immer die Frage, ob Gott Gebete mit Wohlgefallen erhört, die so gedankenlos und halb-genervt runtergeleiert werden wie die gängigen Fürbitten, die daraufhin gedankenlos mit „Wir bitten Dich, erhöre uns“ beantwortet werden? Nach einem „Brotlied“ zur Gabenbereitung wird feierlich das Gabengebet verlesen und die Seele erhebend die Präfation in das Mikrophon „rezitiert“.

Nach einem gefühlt zu langem Heiliglied aus der neuen geistlichen Schatzkiste wird das kurze 2. Hochgebet hergenommen: Der Zelebrant scheint sich nun selber zu langweilen, außerdem will man ja schließlich auch mal heim. Nach dem an Werktagen logistisch problematischen Friedensgruß („Soll ich zwei Bänke vor oder hinter gehen, um jemandem auf ganz weltliche Weise meine Hand zu geben, bevor ich den Leib des Gottessohnes empfange?“) und dem „Lamm Gottes“ folgt die Kommunionspendung mit anschließendem Danklied. Da ein Hochfest ist, wird der feierliche Schlusssegen natürlich gesprochen; parallel dazu das feierlich tönende „Geht hin in Frieden.“

Ganz ehrlich, dieser Ruf schien an diesem Tag wie eine Erlösung! Aber ob man wirklich in Frieden mit sich und der Liturgie heimgehen kann? Wann hatte man in diesen cirka 40 Minuten wirklich Zeit, mit Gott, dem Geheimnis des Tages und der Stille in Berührung gekommen? Mittlerweile verstehe ich meine Schüler immer mehr, die man auch an einer kirchlichen Schule in den Gottesdienst zum Teil widerwillig zwingen muss. Das einzige Trostpflaster ist der Stundenausfall. Woran liegt das? Der Zelebrant hat sich doch oben an alle Rubriken gehalten! Ich versuche mich dann immer in meine Schüler hineinzuversetzen: Der Priester beginnt den Gottesdienst, und von da ab werden alle Anwesenden von der ersten Minuten an mit Liedern und viel Text, der laut und vernehmlich in das Mikrophon gesprochen wird, beschallt; bis zum Schlusslied nach dem Segen einschließlich.

Ein Schüler sagte letztens zu mir: „Beten ist so anstrengend und Gottesdienst so langweilig.“ Ich weiß was er meint, mir geht es bei solchen Gottesdiensten genauso. Der Altar ist zu den Leuten gewandt, das Mikro ist aufgedreht, allen werden Texte, Impulse und Gebete um die Ohren „gehauen“, kurz vor Schluss der Leib des Herrn in die Hand gedrückt. Es ist klar, dass sie somit den Gottesdienst als eine verlängerte Religionsstunde empfinden, nur eben im Messgewand.

50 Jahre nach der Approbation des neuen Messritus müssen wir wieder zu einer sakralen und gesungenen Liturgie zurückfinden, die ganz auf Gott ausgerichtet ist. Wieso sollte man zum Gottesdienst gehen, wenn man dort nur wieder Alltag findet? Alltag kann das Fernsehprogramm viel besser. Nutzen wir hier die Möglichkeiten, die auch das neue Messbuch bietet: Hochaltar, Mundkommunion, gesungene Liturgien, lateinischer Choral und heiliges Schweigen.

Der Autor unterrichtet Latein und katholische Religionslehre