Junge Federn: Ostern und andere Termine

Wer wissen will, wann Ostern 2019 stattfindet, muss nicht auf eine öffentliche Ankündigung in der Kirche warten. Von Benedikt Bögle

Ostern und andere Termine

In meiner Münchner Pfarrei wurde am Ende des Dreikönigsfestes ein Brauch gepflegt, den ich so noch nie erlebt habe. Ein „Osterfestbrief“ wurde verlesen: Eine Kantorin sang den Brief, versehen mit der Melodie, die sonst nur dem Exsultet in der Osternacht vorbehalten ist. Der Ostertermin wurde bekannt gegeben sowie alle weiteren, von Ostern abhängigen Daten des Kirchenjahres. Dieser Brauch ist Jahrhunderte alt.

Auf dem Konzil von Nizäa wurde der sogenannte Osterfeststreit beigelegt. Die frühen Christen waren sich nicht einig, wann Ostern gefeiert werden sollte. Klar war, dass man sich am jüdischen Pesachfest orientieren würde, das wiederum vom ersten Vollmond des Frühjahrs abhängig ist. Unklar aber war, wie genau das geschehen sollte: Entweder würde man sich an die Chronologie der Wochentage halten, wie sie die Evangelien überliefern, und damit den Tod Jesu am Freitag, seine Auferstehung am Sonntag feiern. Man könnte aber auch, so die gegnerische Position, die Termine des jüdischen Kalenders einhalten und damit Ostern unabhängig vom Wochentag am 14. Nisan feiern. Der heftige Streit mündete in die bis heute gültige Lösung: Wie das Pesachfest auch orientiert sich Ostern am Frühjahrsvollmond, hält aber gleichzeitig die Chronologie der Wochentage ein.

Damit war entscheidend, dass das Osterdatum im Voraus errechnet wurde: Man musste ja wissen, wann der Frühjahrsvollmond zu erwarten sei, schon um die vierzigtägige Fastenzeit nicht zu früh oder zu spät zu beginnen. Schließlich hängen von Ostern ja auch Pfingsten und Fronleichnam ab. Um eine einheitliche Berechnung zu gewährleisten, wurde die Kirche von Alexandrien damit beauftragt, den Termin zu berechnen und im „Osterfestbrief“ mitzuteilen. Verschickt und veröffentlicht wurde dieser Brief immer an Epiphanie.

Diese Tradition lebt heute wieder auf, so etwa in der Münchner Gemeinde. Eigentlich, könnte man einwenden, unnötig. Wer wissen will, wann Ostern 2019 stattfindet, muss nicht auf eine öffentliche Ankündigung in der Kirche warten. Er kann aus jedem Kalender wie auch aus dem Internet ohne weiteres erfahren, dass der Ostersonntag auf den 21. April fällt. Liturgische Kalender bieten eine Übersicht der Termine auf Jahre hin. Dennoch eine schöne Tradition, die nach dem Weihnachtsfest den Blick weitet. Weihnachten und Ostern gehören zusammen, so eine Botschaft des Osterfestbriefes. Schon richtet sich der Blick auf die heiligen Tage von Ostern.

Besonders eindrücklich war der letzte Termin, der bekannt gemacht wurde – denn es ist gar kein fester Termin, kein bestimmtes Datum: „Voll Hoffnung erwartet die Kirche am Ende der Zeiten die Wiederkunft unseres Retters Jesus Christus.“ Dieses Datum kann man auch im besten liturgischen Kalender nicht finden. Aber es lenkt den Blick auf eine Erwartung, die wir oft vergessen, selten betonen: Jesus wird wiederkommen. Irgendwann – vielleicht schon bald. Dieses letzte, große, nie endende Osterfest aber kann nicht fest datiert werden. Es muss erwartet werden. Es kommt überraschend.

Der Autor, 23, ist katholischer Theologe und studiert in Regensburg Rechtswissenschaften