Würzburg

Junge Federn: Mit Gott verändern

Die Kirche verändert sich fortlaufend und das nicht erst in der Gegenwart. Ihre Erneuerung geht dabei meistens von der Basis aus.

Weltjugendtag - Pilger im Bonner Münster
Besonders von geistlichen Jugendbewegungen geht die Erneuerung der Kirche aus. Foto: dpa

Immer wieder wird der Ruf nach Reformen in der Kirche laut. In der öffentlichen Debatte wird vor allem die Abschaffung des Pflichtzölibats, die Zulassung des Frauenpriestertums sowie die Anerkennung der Homosexualität durch die Kirche gefordert. Im Zusammenhang mit den zahlreichen Finanzskandalen in unterschiedlichen Bistümern wird zudem eine Neuordnung der kirchlichen Strukturen erwogen.

Die Kirche ist immer erneuerungs- und reformbedürftig. Denn einerseits ist sie heilig, da ihr Haupt – Christus – selbst heilig ist und die Kirche heiligt. Andererseits besteht die Kirche mit uns Menschen aus fehlbaren Gliedern. Der lateinische Ausdruck ecclesia semper reformanda trifft deshalb wohl den Nagel auf den Kopf. Zugleich müssen wir uns fragen, wie die Kirche erneuert werden kann. Können wir selbst eigentlich die Kirche erneuern? Aus gänzlich eigener Kraft ist dies unmöglich, scheint es mir. Denn letztlich ist es immer Gott, der die Menschen mit seinem Heiligen Geist und damit auch die Kirche verwandelt.

In der Geschichte gibt es dafür einige herausragende Beispiele – Franz von Assisi, Dominikus und Ignatius von Loyola sind nur einige. Auch Mutter Teresa hat diesen Gedanken als Antwort auf die Frage eines Journalisten, was sich in der Kirche ändern sollte, mit „Sie und ich!“ prägnant und richtig ausgedrückt. Wir müssen uns alle durch und mit Christus erneuern.

Pascal Landahl (20) studiert Jura in Hamburg.
Pascal Landahl (20) studiert Jura in Hamburg.

Erneuerung geht von der Basis aus

Veränderung in der Kirche kommt – das zeigt die Kirchengeschichte – fast nie „von oben“, sondern immer „von unten“. Erneuerungsbewegungen wie die der Dominikaner im 13. Jahrhundert oder die der Jesuiten im 16. Jahrhundert wurden durch Einzelne vorangetrieben und entwickelten sich zunächst als kleine Gemeinschaft. Ähnlich könnte es auch heutzutage funktionieren: Durch das Gebet und die Aktion von spirituell und persönlich gefestigten katholischen Gruppen an der Basis kann eine Erneuerung ausgehen!

Dabei erscheint jedoch ein radikaler Rückzug aus der Gesellschaft wenig hilfreich. Kirche und Gesellschaft, die Welt braucht engagierte Christen, die aus dem Glauben heraus leben und die Frohe Botschaft Jesu Christi authentisch verkünden! Jeder sollte die von Gott ihm gegebenen Talente fruchtbringend einsetzen, in Beruf, Familie, Gemeinde oder Freizeit. Warum sollte es nicht möglich sein, dass Priester durch die hauptamtliche Arbeit von entsprechend qualifizierten Laien beispielsweise in Verwaltungsfragen entlastet werden und somit wieder mehr Zeit für ihre Kernkompetenz, die Sakramente und die Seelsorge gewinnen?

Eine Modifizierung der kirchlichen Lehre zugunsten aktueller Forderungen wäre hingegen weder substanziell, noch fruchtbringend und auch mit dem christlichen Prinzip der Treue zu den göttlich geoffenbarten Geboten nicht vereinbar. Stattdessen sollten wir versuchen, die bewährte Lehre der Kirche mit Glaube und Vernunft zu durchdringen und dann auch anderen Leuten verständlich zu machen. Denn sie ist grundsätzlich das Gute, von dem auch Paulus spricht.

Ein Problem jedoch bleibt: Das Vertrauen in die Kirche ist erschüttert, teils vollkommen erodiert. Veränderung setzt Vertrauen voraus. Vertrauen in Gott und Seine Kirche. Die Hirten sind gefragt, dieses Vertrauen wiederherzustellen. Ob das gelingt, bleibt zweifelhaft. Nichtsdestotrotz ist jeder Einzelne aufgerufen, bei sich anzufangen und mit Gott eine Veränderung zu beginnen. Wenn wir auf Gott und das Wirken des Heiligen Geistes vertrauen und uns sowohl mit unserer Glaubenserfahrung als auch unseren weltlichen Kompetenzen engagieren, kann die Kirche im Hier und Jetzt erneuert werden. Es lohnt sich, dies zu versuchen!