Junge Federn: Kleine Kirchenlehrer

Kinder sind die besten Theologen. Zumindest wenn es auf das Wesentliche ankommt. Von Stefan Matthaei

Kleine Kirchenlehrer

Kinder sind die besten Theologen. Zumindest wenn es auf das Wesentliche ankommt. Die erwachsenen Theologen neigen bisweilen zu feinen, verästelten und detaillierten Unterscheidungen. Dabei kann es passieren, dass sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Da ist es schonmal hilfreich, auf Kinder zu hören, die dann sagen: „Da ist ein Wald.“ (Oder „Der Kaiser hat ja gar nix an.“) Und so das Entscheidende feststellen.

So ging es zumindest mir, als ich meiner knapp drei Jahre alten Nichte aus einer bebilderten Kinderbibel vorlas. Mit dem Buch der Bücher war sie zu mir gekommen und wollte, dass ich ihr daraus vorlese. Beim Gleichnis des barmherzigen Vaters blieben wir hängen. Was hatte ich mir gerade bei diesem Gleichnis alles schon für Gedanken gemacht: Über die Symbolik des Schweinefutters, über den Ring und die Schuhe, die der Sohn erhält und so fort. Meine Nichte musste mich wieder an das Wesentliche erinnern. Als sie das Bild erblickt, auf dem der verlorene Sohn mit hängendem Kopf nach Hause kommt und der Vater ihn mit ausgestreckten offenen Armen empfängt, da breitet sie ebenfalls ihre Hände aus, schaut mich strahlend an und sagt: „So macht er!“ Ja so macht er, der Vater. Er heißt den umkehrenden Sünder herzlich und verzeihend willkommen. Wenn man das im Hinterkopf hat, kann man auch auf die Details schauen. Aber man darf das große Ganze nicht aus den Augen verlieren.

Die Lieblingsgeschichte meiner Nichte ist übrigens die des blinden Bartimäus. Sie kann den vereinfachten Text schon fast auswendig. Hier weiß ich noch nicht genau, was ich denn Wesentliches von meiner Nichte lernen kann. Ist es etwa, dass Jesus uns von all unseren Gebrechen heilen will, besonders von dem Gebrechen der Sünde? Dass wir im Leben manchmal keinen Durchblick haben? Dass wir andere ermuntern soll, wenn sie zu Jesus rufen? Oder dass wir selbst keine Angst haben sollen, zu Jesus zu rufen? Vielleicht denke ich auch einfach wieder zu kompliziert und ich muss beim nächsten Mal nochmal hinhören, was meine Nichte zu sagen hat.

Der Autor, 30, arbeitet als Softwareentwickler und engagiert sich für die Katholische Pfadfinderschaft Europa in Nürnberg