Würzburg

Junge Federn: Durch seine Wunden geheilt

Kein Mensch ist unverletzlich. Sogar Jesus selbst wurde verwundet und ist gestorben. Doch damit hat er uns in unserer Verletzlichkeit noch gestärkt.

Kreuz auf dem Domherrenfriedhof in Osnabrück
Durch seine eigenen Wunden hat Jesus uns Menschen in unserer Verletzlichkeit gestärkt. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Niemand kann unverwundet durchs Leben gehen. Wunden gehören zu unserem Leben dazu. Es bleibt ein uralter Menschheitstraum, unverletzlich und stark zu sein. In der germanischen Sagenwelt badete Siegfried in Drachenblut, um unverwundbar zu werden. Aber auch bei ihm gab es die eine Stelle, die ihn verwundbar ließ. Den einen Fleck auf der Schulter, auf den das Lindenblatt fiel, konnte das Drachenblut nicht bedecken. So bleibt die Unverwundbarkeit für uns Menschen nur eine Illusion.

Jeder holt sich täglich seine kleinen Kratzer, seine Schrammen. Wunden können aber auch schwerer und tiefer eindringen, manche Wunden verheilen nur langsam oder gar nicht mehr. Wo uns jemand seine Wunden zeigt, schrecken wir zurück. Wir haben Angst davor, uns selbst Wunden zuzuziehen, oder damit konfrontiert zu werden, auch nur verletzlich zu sein.

Junge-Federn-Autor Alexander Ertl
Alexander Ertl, 26, ist Priester im Bistum Regensburg

Jesus ist solidarisch mit allen Menschen

Wir Christen glauben, dass Jesus Christus unsere Sünden trug, denn durch seine Wunden sind wir geheilt. Das stärkt uns in unserer Verletzlichkeit. „Durch seine Wunden sind wir geheilt“ heißt es im sogenannten vierten „Lied vom leidenden Gottesknecht“, das sich beim Propheten Jesaja findet. Bereits die ersten Christen haben Jesu Leiden und Tod von diesem Gottesknecht her verstanden.

Doch wie sollen wir durch die Wunden eines anderen geheilt werden? Am ehesten wohl so, weil der andere sich schützend für jeden von uns mit vollem Einsatz abmüht und dabei Wunden abbekommt. In den Evangelien ist die Rede von so einem ganz anderen: Jesus ist in einem unbeschreiblichen Maße solidarisch mit allen Menschen. Er teilt mit ihnen an der Seite Freude, aber auch ihre Trauer und ihren Schmerz. Er tritt ganz für die anderen ein. Er teilt, hilft und heilt, wo er nur kann. Durch seine Wunden sind wir geheilt.