Junge Federn: Babel oder Jerusalem?

Babel oder Jerusalem?

Kurz nach Ostern besuchte ich an der Uni einen Rhetorikkurs zum Thema Wort- und Bildspiele. Ergebnis: Der Mensch, von Johan Huizinga als homo ludens charakterisiert, spielt für sein Leben gern und mit System, auch in Wort und Bild. Dass das Freude machen kann, wissen die Menschen nicht erst, seit es den Tatort aus Münster gibt.

Auch ich hatte große Freude, als sich in meinem Kopf profane Kurs- und sakrale Textinhalte zu einem Gedankenspiel zusammenfügten: „Die ganze Erde hatte eine Sprache und ein und dieselben Worte.“ (Genesis 11, 1) Das Regelwerk menschlicher Sprachspiele war noch den Menschen nach der Sintflut allgemein bekannt und unumstritten. Offensichtlich verstanden sich die Menschen so gut, dass sie ein gigantisches Bauprojekt starteten. Der Übermut mischte sich unter die Spielenden und seither wirft dieser Turm seinen langen und dunklen Schatten. Gottes Intervention führte zum Baustopp: „Auf, steigen wir hinab und verwirren wir dort ihre Sprache, sodass keiner mehr die Sprache des anderen versteht“ (Genesis 11, 7). Wirrsal. Die Menschen verstehen sich nicht mehr und dafür scheinen mir nicht zuerst die verschiedenen Sprachen, sondern vielmehr die verschiedenen Sprachspiele verantwortlich zu sein. Wer sein eigenes Sprachspiel absolut setzt, der versteht seine Mitmenschen nicht mehr. Der will sie nicht einmal mehr verstehen, weil er nicht bereit ist, sich auf ein anderes Sprachspiel und dessen Regeln einzulassen. So wird aus freudvollem Spiel eine todernste und riskante Angelegenheit.

Während vielfältige bis exotische Fremdsprachenkenntnisse zur Selbstverständlichkeit profaner wie sakraler Kontexte geworden sind, kann man hier wie dort oft nicht mehr sicher sein, ob gesprochenes oder geschriebenes Wort auf die Bereitschaft trifft, die Aussagen des Nächsten eher zu retten als zu verurteilen, wie es der heilige Ignatius von Loyola forderte. Er verweist damit auf die Alternative zum Weg von Babel, denn Gott sprach noch einmal sein „Auf steigen wir hinab“. Er sandte seinen Sohn Jesus den Christus und in Jerusalem den Heiligen Geist, gleichsam als neue Sprachspielanleitung: Durch den Heiligen Geist werden wir fähig, uns auf die Sprachspiele unserer Mitmenschen einzulassen und uns wirklich zu verstehen (vgl. Apostelgeschichte 2).

Wir stehen vor der Wahl, ob wir unsere eigenen Sprachspiele absolut setzen und so wie in Babel hoch hinaus wollen, um letztlich doch nur verwirrt zu werden, oder ob wir uns wie die Jünger in Jerusalem vom Geist Gottes leiten und vereinen lassen. Dass sich die Kirche und alle Menschen auf diesen Jerusalemer Weg machen, darum werde ich in diesem Jahr zu Pfingsten ganz besonders bitten: Komm Heiliger Geist!

Der Autor studiert katholische Fachtheologie in Salzburg