Junge Feder: Auf der Straße

Von Elfriede Demml

Auf der Straße

Kürzlich war ich mit einem Freund in der Stadt unterwegs und gerade überlegten wir, was wir noch unternehmen könnten, als uns plötzlich eine „verdächtige“ Gruppe mit vielen Kerzen vor einer Kirche auffiel. Wir beobachteten ein wenig und wurden bald darüber aufgeklärt, dass es sich um einen Gebetszug für den Schutz des Lebens handelt. Da waren wir natürlich gleich mittendrin. Wir zogen also Rosenkranz betend durch die Herrengasse, wofür wir einige neugierige oder irritierte Blicke ernteten. Doch dann wurde es spannend. Vor uns hatte eine Gruppe von Cellisten mit ihrer Musik eine kleine Menschentraube angezogen und wir steuerten direkt darauf zu. Was würde nun geschehen? Schon wurden wir von einer Frau zurechtgewiesen, wir sollten doch leise sein und das Konzert nicht stören.

Als wir das Ave Maria angestimmt haben, stimmten die Musiker plötzlich mit ein

Doch siehe da, in dem Augenblick hörten die Musiker auf zu spielen und die Menschen traten respektvoll zur Seite, um uns durchzulassen. Ein bisschen verlegen aber durchaus interessierte Blicke wurden zwischen den Musikern und den Betern ausgetauscht. Und dann der Gipfel: als wir das Ave Maria angestimmt haben, stimmten die Musiker mit ihren Instrumenten mit ein! Was für eine Freude!

Ein paar Wochen später: Unter dem Motto „Spread the Fire“ ziehen junge Leute aus dem Loretto Gebetskreis durch die Stadt und tragen auf vielfältige Weise die Liebe Gottes zu den Menschen. Die Frage „Wofür wärst du bereit dich einzusetzen, ja vielleicht sogar dein Leben hinzugeben“, ruft bei einem Passanten die spontane Reaktion „Jesus, was für eine Frage!“ hervor. Bevor ihr euch zu früh freut, er hat damit nicht gemeint „Na, für Jesus natürlich, für wen denn sonst?“, sondern eher „Du liebe Zeit, was stellt ihr denn für komische Fragen?!“ Uns hat aber diese spontane Reaktion natürlich doch sehr zum Schmunzeln gebracht und gefallen. Intuitiv hat er doch die goldrichtige Antwort gegeben.

Da muss ich dann in Zukunft doch noch sehr an meiner Spontaneität arbeiten. Denn als ein Mann gestern an der Bushaltestelle von mir erfahren hat, dass ich Pastoralassistentin im Pfarrverband Graz-Christkönig sei und gemeint hat: „Oh wie schön! Da können Sie mich ja segnen!“, habe ich nur lachend geantwortet: „Ja, ich kann dann schon für Sie beten.“ Danach habe ich von meinem Brot abgebissen und dann war natürlich, bis ich endlich geschluckt hatte, die Gunst der Stunde schon längst wieder vorbei.

So wünsche ich uns allen für diese Fastenzeit, die wir gerade durchleben, dass wir offen sind für diese günstigen Situationen, die uns der Heilige Geist schenkt und dass wir dann sehr spontan auf der Straße oder wo auch immer in SEINEM Namen reden, beten und handeln!

Die Autorin, 30, ist Pastoralassistentin im Pfarrverband Graz-Christkönig/Hl. Schutzengel