„Jugendliche sind konsequenter als wir Älteren“

Bischof Küng von St. Pölten schildert seine Eindrücke vom Internationalen Forum Altötting

In der vergangenen Woche fand in Altötting das Jugend- und Familienforum der Gemeinschaft Emmanuel statt. Mehr als tausendsiebenhundert Jugendliche und Erwachsene sind wieder zu dem Treffen gekommen. Der Bischof von St. Pölten, Klaus Küng, feierte eine heilige Messe in dem Gnadenort. Mit ihm sprach Isabelle Löwenstein.

Was sind die Eindrücke von Ihrem Besuch in Altötting?

An diesem Ort ist in diesen Tagen ein Abbild der Kirche zu sehen, eine Communio. Es ist eine Communio im tiefen Sinne, denn Christus ist die Grundlage und das Zentrum. Da treffen sich junge Menschen, in denen der Glaube erwacht und lebendig ist. Das führt auch zur Verbundenheit untereinander. Wenn viele anfangen zu suchen, was wesentlich ist, dann ist das die tiefste Art, wie eine Gemeinschaft sich gründet und festigt.

Die Gemeinschaft Emmanuel hat einen der größten deutschen Wallfahrtsorte als Ort des Forums ausgesucht. Welche Rolle haben diese Stätten für die Erneuerung der Kirche?

Die Wallfahrtsorte hatten immer eine große Bedeutung, letztlich als Hinweis, dass Gott seinen Sohn gesandt hat, geboren von der Jungfrau Maria, empfangen vom Heiligen Geist. Das ist das Wesentliche. In der heutigen Zeit bekommen sie eine neuerliche Bedeutung. Die Menschen, die vom alltäglichen Leben, vom Beruf und anderen Sorgen geradezu geknechtet werden, die sich durch die Trends der Zeit und von der Konsumgesellschaft gefangennehmen lassen, stoßen auf einmal auf eine innere Leere, ein Burn-out, auf Probleme, die man einfach nicht lösen kann. An Wallfahrtsorten aber geschieht ein Neuanfang, gerade über Maria. In der Not wird man einfacher und kleiner. Wer sich an Maria ehrlich und aufrichtig wendet, wird erfahren, dass Jesus zur Welt kommt – auch im eigenen Herzen.

Kann man hier den Puls der Kirchengeschichte schlagen hören?

Ja, an Marienwallfahrtsorten, da ist man konfrontiert mit der Geschichte der Kirche. Man müsste das mal aufschreiben, wie sich die in den Wallfahrtsorten niederschlägt. Dann würde man an ihnen sehen, wie die Zeiten manchmal schwieriger werden für die Kirche, aber die Kaiser vergehen, die verschiedenen Phasen, die gegen den Glauben gerichtet sind, haben keinen Bestand. Wenn dann der Glaube wieder aufwacht, dann sieht man das besonders an den Prozessionen und Wallfahrtsorten.

Während man woanders den Eindruck hat, dass die Jugendlichen den Kirchen fernbleiben, sieht man in Gemeinschaften wie Emmanuel viele junge Gesichter. Warum?

Gerade in der Jugend zeigt sich besonders stark eine Ambivalenz. Viele sind weit weg von Gott. Sie haben auch niemanden, der sie Gott näherbringt. Es sind so viele massive Einflüsse da, die Wirkung der Mehrheit in ihrer Umgebung, sodass es sehr schwer für sie ist, zu Gott zu finden. Aber es bilden sich auch wieder Knospen, aus denen Leben hervorgeht. Das sieht man in vielen Ländern, auch in Österreich. Es hängt sehr stark mit Persönlichkeiten zusammen, die eine Ausstrahlung haben, die selber glauben, die eine Sendefähigkeit für die Antenne der Jugendlichen haben. Dann beginnt einer zu verstehen, es beginnt sich eine Gruppe zu bilden. Und Jugendliche sind konsequenter als wir Älteren und oft auch viel entschlossener. Sie beginnen, andere anzusprechen und es entsteht eine junge Kirche, die beeindruckend ist.

Was können die Diözesanbischöfe lernen vom Forum Altötting?

Eine große Rolle beim Erfolg des Forums spielt eine große Direktheit der Sprache. Vor allem aber ist es die Gemeinschaft des Glaubens, in der Christus und das Evangelium erfahrbar sind. In den Diözesen müssen sich von neuem geistliche Zentren bilden, in denen der Glauben gelebt und verkündet wird. Das kann man nicht so leicht organisieren, aber wir können Schritte versuchen in Richtung auf eine größere Authentizität. Wo das gelingt, habe ich überhaupt keine Sorge, dass die Kirche sich nicht füllt. Wir brauchen dann auf einmal wieder ganz große Kirchen!