Jubiläumsfeiern zum „Mailänder Edikt“

Rat der europäischen Bischofskonferenzen schrieb Brief anlässlich des 1 700-Jahr-Jubiläums der Vereinbarung über Religionsfreiheit

Belgrad (KAP) „Das vor 1 700 Jahren Religionsfreiheit im damaligen Römischen Reich garantierende „Mailänder Edikt“ ruft die Bedeutung der Religion für Frieden auch heute in Erinnerung: Das geht aus einem Brief hervor, den das Präsidium des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) anlässlich der Jubiläumsfeiern an diesem Wochenende in Belgrad und Nis (Serbien) verfasste. Das Schreiben ist von CCEE-Präsident Kardinal Peter Erdö, dem Erzbischof von Esztergom-Budapest, sowie von dessen Stellvertretern Kardinal Angelo Bagnasco (Genua) und Erzbischof Jozef Michalik (Przemysl) unterschrieben und richtet sich an den katholischen Erzbischof von Belgrad, Stanislav Hocevar.

„Das Mailänder Edikt darf nicht nur als ein Ereignis aus der Vergangenheit betrachtet werden, welches das Recht auf Religionsfreiheit und der öffentlichen Ausübung des christlichen Glaubens ermöglicht hat“, heißt es in dem CCEE-Brief. Es sei auch heute wichtig im Blick auf die „soziale Bedeutung, die die Religion in Europa schon immer gehabt hat“. Religion sei ein „Instrument, das den Frieden sowohl in den Herzen als auch unter den Nationen erwecken kann“. Sie erziehe weiters zur Gewissensfreiheit und zu einer Freiheit, die das Wohl aller beachtet.

Die Pilgerfahrt anlässlich des Jubiläums, die an diesem Wochenende tausende Katholiken aus ganz Europa in die südserbische Stadt Nis, Geburtsstadt von Kaiser Konstantin I., führte, wurde von der Erzdiözese Belgrad organisiert – in „einem stetigen Dialog mit der Orthodoxen Kirche Serbiens, der größten Kirche im Land“, wie Erzbischof Hocevar in seinem Begrüßungsbrief an die Pilger versicherte. Die Österreichische Bischofskonferenz war bei den Feierlichkeiten durch deren stellvertretenden Vorsitzenden, den Grazer Bischof Egon Kapellari, vertreten, anwesend war in Vertretung des Kärntner Bischofs Alois Schwarz auch Bischofsvikar Josef Marketz, der Seelsorgeamtsdirektor der Diözese Gurk-Klagenfurt.

Als päpstlicher Delegat nahm der Mailänder Erzbischof Kardinal Angelo Scola, teil; er zelebrierte gemeinsam mit zahlreichen Bischöfen aus Serbien und den Nachbarländern am Samstag einen Festgottesdienst in einem Fußballstadion in Nis. In seiner Predigt beschrieb Scola den Glauben als „Versöhnung und nicht Entzweiung der Menschen“. Im Gegensatz dazu „breitet sich der übersteigerte Individualismus leider immer weiter aus“, beklagte er. Den christlichen Glauben sieht er dennoch nicht bedroht: „Das Christentum hat eine große Zukunft in Europa.“

Die Jubiläumsfeiern böten „Gelegenheit zur Reflektion über den positiven Beitrag, den die christliche Religion für die Kultur und den gesamten europäischen Kontinent erbracht hat und über die Wichtigkeit, den Glauben wieder mit Enthusiasmus zu leben“, unterstrich der Rat der europäischen Bischofskonferenzen. Das Gedenken an das Edikt des Jahres 313 solle nicht nur eine Erinnerung aus Geschichtsbüchern bleiben, „sondern selbst Geschichte im Leben der jetzigen und der künftigen Generationen werden“.

Die Feiern gelten als die wichtigsten der katholischen Kirche auf dem Balkan in diesem Jahr. Sie stehen unter dem Motto „Befreit und zur Freiheit berufen“. Nis, das römische Naissus, war die Geburtsstadt von Kaiser Konstantin (306–337), dem die Mailänder Vereinbarung mit der darin proklamierten Religionsfreiheit zu verdanken ist. Das bis dahin verfolgte Christentum wurde allen anderen Religionen gleichgestellt. Einig darüber wurden sich Konstantin als Kaiser Westroms und Licinius, der Kaiser des Ostens; damit wurde allen Menschen im spätantiken Imperium Romanum freie Religionsausübung gewährt.