Jesuitenpater Zollner: Entlassung McCarricks „klares Zeichen“

Nach schweren Missbrauchsvorwürfen hat Papst Franziskus den ehemaligen Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick aus dem Kardinalsstand entlassen. Der Jesuitenpater Hans Zollner, der auch Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission ist, betrachtet das Vorgehen als beispiellos.

Entlassung Theodore McCarricks
Eine Aufnahme aus unbeschwerteren Tagen: Papst Franziskus umarmt den emeritierten Washingtoner Erzbischof McCarrick im September 2015 in der Kathedrale des St. Matthäus. Nun hat er dessen Rücktritt als Kardinal angenommen. Foto: Jonathan Newton (Pool The Washington Post via AP)

Am Wochenende hat Papst Franziskus den mit Missbrauchsvorwürfen konfrontierten früheren Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick, aus dem Kardinalsstand entlassen. Der Jesuitenpater Hans Zollner sieht in dem Schritt ein sehr klares Zeichen, „dass niemand vom normalen Verlauf der kirchlichen Gerichtsbarkeit ausgeschlossen ist, dass keine Anschuldigungen unterdrückt oder vertuscht werden“.

Jeder muss sich der Verantwortung stellen, so die Botschaft

Jeder müsse sich der Verantwortung stellen, so Zollner, der das Kinderschutzzentrum an der Päpstlichen Universität Gregoriana leitet, im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Dass sich mit dem nun ehemaligen Kardinal McCarrick ein Vertreter der höchsten Stufe der priesterlichen Hierarchie der Verantwortung stellen muss, zeige, dass Franziskus die kirchlichen Strafmöglichkeiten sehr ernst nehme und er um Transparenz auf allen Ebenen bemüht sei. Zollner ist auch Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission.

„Der Rücktritt McCarricks ist die Konsequenz dessen, dass die rechtlichen Normen tatsächlich greifen und eingehalten werden und dass Leute sich mittlerweile auch bestärkt fühlen, diese Dinge öffentlich zu machen“, so der Jesuitenpater. Dies sei vor zehn oder 20 Jahren noch nicht so gewesen.

Anschuldigungen gegen McCarrick "viel umfangreicher"

Im Gespräch mit der KNA ging Zollner auch auf den Fall des schottischen Kardinals O'Brien aus dem Jahr 2015 ein. Dieser schied trotz Missbrauchsvorwürfen nicht aus dem Kardinalskollegium aus. Die Gründe für die unterschiedliche Handhabung der Fälle sieht Zollner darin, dass die Anschuldigungen gegen McCarrick „viel umfangreicher“ seien und auch Vorwürfe des Missbrauchs Minderjähriger mit einschlössen. Das Vorgehen gegen McCarrick ist für den Leiter des Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana beispiellos: „Dass ein Kardinal komplett aus dem Kardinalsstand ausscheidet, ist seit mehr als 90 Jahren zum ersten Mal geschehen.“

Zollner geht davon aus, dass das Verfahren gegen McCarrick nun bald behandelt werde. „Man wird sehen, ob die Glaubenskongregation im Vatikan das Verfahren an sich zieht oder ein Kirchengericht in den USA tätig wird.“ Es sei gut möglich, dass McCarrick am Ende des Prozesses aus dem Priesterstand entlassen werde.

DT/mlu

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