Jerusalem-Frage: Rom unterstützt Muslime

Diplomatie im Hauptstadt-Streit: Der jordanische König Abdullah II. beim Papst. Von Guido Horst

Eine Vision des Friedens der Religionen: Der muslimische Felsendom im Schatten der Jerusalemer Grabeskirche. Foto: IN
Eine Vision des Friedens der Religionen: Der muslimische Felsendom im Schatten der Jerusalemer Grabeskirche. Foto: IN

Rom (DT) Der muslimische Felsendom eingefügt in die kaskadenförmige Fassade der Geburtskirche: Es war eine recht originelle Fotomontage, die der jordanische König Abdullah II. Papst Franziskus als Geschenk mitgebracht hatte. Es ist die Vision einer Stadt, die dem Vatikan und den moderaten Muslimen im Nahen Osten gemeinsam ist: Jerusalem als heilige Stadt der Juden, Muslime und Christen, die kein Streitpunkt der drei monotheistischen Religionen ist, sondern ein Ort des friedlichen Zusammenlebens. Und so ging es bei der zwanzigminütigen Papstaudienz um Jerusalem, als der Haschemitenkönig, der seit 1979 den Ehrentitel des „Wächters“ der christlichen und muslimischen Heiligen Stätten in Jerusalem trägt, vorgestern im Apostolischen Palast in Rom eintraf. Nicht seine Frau, die schöne Palästinenserprinzessin Rania, begleitete ihn, sondern sein Cousin Prinz Ghasi Bin Mohammad, der Beauftragte der jordanischen Krone für den interreligiösen Dialog, und der Außenminister des Landes, Ayman Al Safadi. Abdullah ist für den Vatikan ein verlässlicher Ansprechpartner, wenn es um den Frieden und die Stabilität im Nahen Osten sowie den Ausgleich zwischen den Religionen geht. Der König war es auch, der die Initiative ergriff, als er nach der Regensburger Vorlesung Benedikts XVI. im Jahr 2006 die Wellen der Erregung in der muslimischen Welt glättete und ein Dialogtreffen zwischen Kurie und muslimischen Repräsentanten im Vatikan zustande brachte, das seitdem eine feststehende Tradition geworden ist.

Abdullah ist in Sachen Jerusalem auf diplomatischer Mission unterwegs – nach der Ankündigung Präsident Donald Trumps, die Botschaft der Vereinigten Staaten von Tel Aviv in die von Israelis und Palästinensern gleichermaßen beanspruchte Heilige Stadt verlegen zu wollen. Franziskus hatte bereits Anfang Dezember vor der Entscheidung der Vereinigten Staaten gewarnt und zu respektvollem Dialog aufgerufen. Das Kommuniqué des Vatikans war jetzt vergleichsweise knapp: Im Verlauf des herzlichen Gesprächs sei es vor allem um die Förderung der Sicherheit und des Friedens im Mittleren Osten gegangen, mit besonderer Berücksichtigung der Jerusalemfrage und der Rolle des haschemitischen Königshauses als Schutzherr der Heiligen Stätten. Man habe die Bedeutung der Verhandlungen zwischen den beteiligten Parteien sowie die Präsenz der Christen in der Region bekräftigt. Im Anschluss an die Audienz bei Franziskus traf Abdullah mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zusammen.

Die Pressemitteilung des jordanischen Königshauses war schon etwas deutlicher: König Abdullah habe bekräftigt, dass der historische Status quo Jerusalems beibehalten werden müsse. Er habe dem Papst versichert, Jordanien werde sich weiter für den Schutz der für Christen wie Muslime heiligen Stätten Jerusalems und für den Erhalt der arabischen, christlichen und muslimischen Identität der Stadt einsetzen. Die Gewährleistung der Rechte von Palästinensern, Muslimen und Christen in Jerusalem sei der Schlüssel für Frieden und Stabilität in der Region.

Bereits am Sonntag hatte König Abdullah in Amman die Leiter der christlichen Kirchen im Heiligen Land sowie der Muslime empfangen. Unter ihnen waren der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III., der katholische Erzbischof Pierbattista Pizzaballa und der lutherische Bischof Munib Younan. Sowohl der König wie auch die Bischöfe hatten dabei den internationalen Status Jerusalems hervorgehoben. Zuvor hatte Abdullah den Palästinenserpräsidenten Abu Mazen und den saudischen König Salman ibn Abd al Aziz getroffen und das Gipfeltreffen der Islamischen Liga aufgesucht, zu dem der türkische Präsident Erdogan nach Istanbul eingeladen hatte. Nach seinem Besuch im Vatikan reiste der König weiter nach Paris, wo er sich mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron beraten will.

Erstmals hatte König Abdullah 2013 Papst Franziskus besucht. Ein Jahr später diente sein zweiter Besuch der Vorbereitung der Reise des Papstes im Mai 2014 ins Heilige Land.