Jahr des geweihten Lebens

Jahr des geweihten Lebens

Schwester Marion Lange OSB (Foto: privat) gehört dem Benediktinerinnenkonvent der Abtei St. Hildegard in Eibingen an.Ein Leben nach den evangelischen Räten steht für…

ein Leben der engeren Nachfolge unseres gekreuzigten und auferstandenen Herrn und bemüht sich um die Grundhaltung der Bergpredigt. Es bedarf der Formung und des Schutzes und nimmt den Einzelnen in die Pflicht. In der Profess versprechen wir öffentlich: Beständigkeit (Treue), klösterlichen Lebenswandel (eine ständige Bereitschaft zur Umkehr und Hinkehr zu Gott) und Gehorsam. In unserer benediktinischen Trias sind die evangelischen Räte Armut und Ehelosigkeit mit eingeschlossen.

In der Heiligen Schrift finde ich…

den Lebensatem unseres Herrn, eingebettet in die Heils- und Unheilsgeschichte der Menschheit. Mir begegnet seine tiefste Verbundenheit mit seinem göttlichen Vater, dessen Willen zu tun seine Sendung ist. Dieser Wille ist das Heil für alle, „damit sie das Leben in Fülle haben“.

Am Ordensleben fasziniert mich…

die große Vielgestaltigkeit und unterschiedliche Nuancierung der Orden und Gemeinschaften. Es geht um ein gegenseitiges Ergänzen und Miteinander auf dem Weg der Kirche durch unsere Zeitlichkeit, dem einen Ziel entgegen.

Unser Gründer hat überzeugend vorgelebt…

die ununterbrochene Gottsuche und das immerwährende Gebet. Durch diese tiefe Gottverbundenheit, die monastische Literatur nennt den heiligen Benedikt „Freund Gottes“ –, wurde er ein gesuchter Ratgeber seiner Zeit. Er durchschaute das Vordergründige, gab in allem Gott den Primat und erkannte „in einem einzigen Lichtstrahl die ganze Welt“.

Der Kirche dienen…

bedeutet für mich, meinen Glauben zu bekennen und von der Menschenfreundlichkeit Gottes Zeugnis zu geben. Konkret bedeutet es, meinem Nächsten, zu dienen, zu helfen, für ihn gegenwärtig zu sein.

Freiheit bedeutet in einer Ordensgemeinschaft…

sich mit Selbstverständlichkeit dort einzusetzen, wohin man gestellt wird. Es ist eine Freiheit, die durch Liebe, Bereitschaft, Treue gebunden ist.

Kleiner werdende Kommunitäten…

sind eine Chance, die zunehmend komplexer werdenden Anforderungen an eine Gemeinschaft miteinander flexibel zu lösen.

Ein Vorurteil über Ordensleute, das abgebaut werden sollte…

dass sie bessere Menschen und vollkommene Christen sind. Auch wir müssen das Menschsein erlernen und erleiden. Wie alle anderen Menschen haben wir Ordenschristen unsere Grenzen, Schwächen, Fehler und Versagen. Doch es gilt immer wieder, mit Gott, den Menschen und mit sich selbst neu anzufangen. In unserer Ordensregel gibt uns der heilige Benedikt die Weisung: „Niemals an der Barmherzigkeit Gottes verzweifeln“.

Der Ordensberuf hat Zukunft…

weil Gott unsere Zukunft ist. Er vollendet das Werk, nicht wir. Vielleicht sind wir noch zu sehr von Überholtem befangen, so dass wir seine Stimme im Heute noch nicht recht verstehen. Im Psalm 94 beten wir täglich: „Wenn ihr heute seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht“. Es geht um Wachsam- und Achtsamkeit den Menschen und dem Weltgeschehen gegenüber.

Das „Jahr des geweihten Lebens“ wird ein Segen,…

weil es hilfreich für den Einzelnen wie für die jeweilige Gemeinschaft und damit für die Kirche ist, wenn der gegenwärtige notvolle Status quo in Gesprächen „auf Augenhöhe“ ehrlich benannt wird und gemeinsam nach neuen – vielleicht sind es ja die bekannten aber jetzt wieder neu erkannten –, authentischen Wege gesucht wird. Es wird ein Segen davon ausgehen, wenn sich alle um das gute Wort, um den Einen versammeln und um ihn sich aufs Neue mühen: Gott.