Israel: Schließung von Pilgerstätten erwogen

Vertreter christlicher Schulen verschärfen ihren Protest wegen Budgetkürzungen

Bleiben die Türen der Pilgerstätten – im Bild die Verkündigungsbasilika in Nazaret – bald geschlossen? Foto: KNA
Bleiben die Türen der Pilgerstätten – im Bild die Verkündigungsbasilika in Nazaret – bald geschlossen? Foto: KNA

Jerusalem (DT/KAP/KNA) Vertreter der christlichen Schulen in Israel haben am Mittwoch weitere Schritte im Streit über die staatliche Finanzierung ihrer Bildungseinrichtungen angekündigt. Bei einer Pressekonferenz in Jerusalem erklärten sie die jüngsten Verhandlungen mit dem Bildungsministerium und dem Büro des Ministerpräsidenten für gescheitert. Sollte weiterhin keine Einigung erzielt werden, ist einer Absprache mit der Bischofskonferenz zufolge die Schließung von Kirchen und heiligen Stätten nicht ausgeschlossen.

Israel habe angeboten, die Budgetkürzungen des laufenden Jahres zurückzunehmen und die Finanzierung von gegenwärtig 29 Prozent auf die 34 Prozent des Vorjahrs zu erhöhen. Zudem habe die Regierung den Schulen die Erlaubnis erteilt, die Finanzierungslücke über höhere Schulgebühren zu decken, so Franziskanerpater Abdel Masih Fahim. Beides sei zu wenig und deshalb nicht akzeptabel, so der Koordinator der christlichen Schulen in Israel, Franziskanerpater Abdel Masih Fahim. „Wir sind wieder am Ausgangspunkt“, kommentierte er den gegenwärtigen Stand.

Der zum Schuljahresbeginn begonnene Streik wird nun weitergeführt, 33 000 Schüler der 48 christlichen Schulen im Land müssen zu Hause bleiben. Weitere Protestaktionen sollen folgen.

So werden Eltern in Nazareth und Haifa aufgerufen, ihre Kinder an staatlichen Schulen registrieren zu lassen. Sollten die Eltern der Aufforderung nachkommen, dürfte dies die betroffenen Städte vor große Probleme stellen. Nach Angaben der Schulvertreter besuchen gegenwärtig rund 56 Prozent der Schüler in Nazareth und 70 Prozent der Schüler in Haifa christliche Schulen. Dadurch, so der Plan, könnten die Stadtverwaltungen unter erheblichen Druck gesetzt werden.

Unterstützung erhoffen sich die Schulvertreter auch auf internationaler Ebene: Mit einem Offenen Brief wollen sie sich an alle diplomatischen Vertreter in Israel, das Großrabbinat und Intellektuelle wenden.

Auch die Vorsitzenden beziehungsweise Vertreter des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) – darunter Erzbischof Franz Lackner aus Salzburg –, die seit Freitag in Korazim und Jerusalem tagen, sollen einbezogen werden. Geplant sind obendrein Protestzelte vor Ministerien.

Die Angebote des Bildungsministeriums seien ein großer Bluff, so die Argumentation der Schulvertreter, die sich nach den monatelangen erfolglosen Verhandlungen selbstbewusst und kämpferisch gaben. Wenn Israel meine, dass die Eltern früher oder später die Schulen zum Einlenken drängen würden, lägen sie falsch: „Wir sind vereint in unserem Kampf. Die Eltern wissen, dass wir sehr hart für die Rechte ihrer Kinder kämpfen.“ Andeutungen der Regierung, durch einen Finanzierungsstopp möglicherweise die Septemberlöhne der 3 000 Schulangestellten einzufrieren, seien ebenfalls kontraproduktiv.

Der Schulstreit beschäftigt in Israel inzwischen die höchsten Regierungskreise und war Gegenstand einer Unterredung von Israels Präsident Reuven Rivlin und Papst Franziskus. Über den Inhalt des Gesprächs sei wenig bekannt, sagten die Schulvertreter. Sie betonten aber zugleich, dass die Krise „keine zwischen Israel und dem Vatikan“ sei, sondern „es ist eine Krise zwischen Israel und seinen Bürgern“. Der israelische Staat – so die Forderung – müsse „für alle seine Kinder da sein“. Er dürfe nicht 33 000 von ihnen durch Kürzungen diskriminieren.

Zweimal innerhalb weniger Monate seien die Christen im Heiligen Land auf die Straße gezwungen worden, klagte der Medienberater der Bischofskonferenz, Wadie Abunassar: „Vor wenigen Wochen war es wegen der Attacken auf unsere heiligen Stätten. Und nun wegen der Diskriminierung unserer Schulen.“ Israel müsse sich überlegen, wohin es die Christen führen wolle. Ein juristisches Vorgehen gegen die Budgetkürzungen schließen die Schulvertreter derzeit aus.