Irak: Resümee nach Papsttreffen

Bagdad (DT) Das Oberhaupt der chaldäischen Kirche, Patriarch Louis Raphael I. Sako, hat nach der Versammlung nahöstlicher katholischer Kirchenführer im Vatikan ein positives Resümee gezogen. In einer dieser Zeitung vorliegenden Stellungnahme sagte der Patriarch: „Die Atmosphäre war wirklich sehr positiv und entspannt. Wir wurden ermutigt, unsere Probleme zu diskutieren.“ Dafür möchte er sich bedanken: „Es gibt ein Gefühl für die Wichtigkeit der Christen im Nahen Osten.“ Anlässlich der Vollversammlung der Ostkirchenkongregation hatten sich die Häupter der mit dem Heiligen Stuhl unierten Ostkirchen vergangene Woche in Rom versammelt. Bei dieser Gelegenheit gab es auch eine längere Begegnung mit dem Papst. Der Heilige Vater habe die Kirchenführer des Nahen Ostens aufgefordert, sich für gleiche Bürgerrechte der Christen in der Region einzusetzen. „Unsere Länder müssen sich von der Toleranz hin zur staatsbürgerlichen Gleichberechtigung bewegen. Toleranz heißt ja soviel wie ,Ich werde nicht gemocht‘. Das ist eine Beleidigung der Nicht-Muslime“, so der in Bagdad residierende Patriarch. Die Christen seien nicht dagegen, dass die Kultur des Nahen Ostens vom Islam geprägt sei. „Aber die Einführung der Scharia für alle ist nicht akzeptabel.“ Als große Herausforderung bezeichnete Louis Raphael I. die Sicherheitssituation in der Region. „Im Irak haben wir seit zehn Jahren keine Sicherheit. Dasselbe passiert heute in Syrien, wo viele Christen leben. Heute leben etwa 500 000 Christen im Irak. Vor der amerikanischen Invasion waren es 1,26 Millionen.“ Schwierig sei, die Verbindung der chaldäischen Diaspora zur Mutterkirche aufrechtzuerhalten. Sie bräuchten Pfarreien und Priester. Wenn er aber Priester und Bischöfe in die Diaspora entsende, schwäche das die Kirche und könne als Zeichen missverstanden werden, den Irak zu verlassen. Ein weiteres Problem sei der Fanatismus. „Der politische Islam wächst. Wer steht dahinter? Wir fühlen, dass irgendeine Macht Spannungen im Nahen Osten erzeugen will.“