„Inspirierende Botschaft für unsere Zeit“

Ungarns Primas Erdö zum Abschluss des Martins-Jubiläums in Eisenstadt – Österreichs Bischöfe erinnern an Fatima. Von Stephan Baier

Das Martinsjahr verbindet Europa: Kardinal Peter Erdö während des Pontifikalamts im Eisenstädter Martinsdom. Foto: Kathbild/Rupprecht
Das Martinsjahr verbindet Europa: Kardinal Peter Erdö während des Pontifikalamts im Eisenstädter Martinsdom. Foto: Kathbild/Rupprecht

Eisenstadt (DT) Zu einem Fest von europäischer Dimension geriet der Abschluss des Sankt-Martins-Jubiläumsjahres am Freitagvormittag in der burgenländischen Metropole Eisenstadt. Der burgenländische Bischof Ägidius Zsifkovics begrüßte im Martinsdom in den Sprachen aller Volksgruppen seiner Diözese, also auf Kroatisch, Ungarisch, Deutsch und Romanes das anwesende Gottesvolk, die fast vollständige österreichische Bischofskonferenz, sowie Bischöfe aus den Nachbarländern Ungarn, Slowakei und Slowenien, aber auch Vertreter der Orthodoxie und der evangelischen Kirchen. Vielsprachig war auch die Liturgie, mit ihren Lesungen in drei Sprachen und einer burgenland-kroatischen Tamburica, die unter anderem das von Karol Wojtyla einst gedichtete Lied über den heiligen Petrus sang, wenngleich in kroatischer Sprache.

Bischof Zsifkovics erinnerte daran, dass die gemeinsame Verehrung des im heutigen Westungarn geborenen Martin von Tours die Länder Europas, insbesondere Österreich und Ungarn, verbinde. Vom heiligen Martin, der im Burgenland sowohl Landes- als auch Diözesanpatron ist, wolle man sich leiten lassen, bei der Suche nach der Einheit der Kirche wie in der zerrissenen Welt von heute, sagte der Diözesanbischof, der vor Egoismus und einer Spaltung der Gesellschaft warnte und zugleich mehr Solidarität insbesondere mit den Fremden in Not anmahnte. „Die Welt braucht mehr Martinus“, so Bischof Zsifkovics.

Gott werde uns einst nicht nach unseren Erfolgen fragen, sondern danach, ob wir selbstlos lieben und dienen konnten, sagte der Primas von Ungarn und Erzbischof von Esztergom-Budapest, Kardinal Peter Erdö, beim Pontifikalamt im Eisenstädter Martinsdom. Erdö, der Hauptzelebrant des Martinsfestes war, rief den heiligen Martin als Fürsprecher für Europa an, „damit wir die Nöte unserer Zeit wahrnehmen“. Er erinnerte aber auch an die pastorale Tätigkeit des Heiligen, der vor 1 700 im pannonischen Raum zur Welt kam: „Seine bischöfliche Strategie war die Evangelisierung der Provinz mit gut ausgebildeten Priestern.“

Als Bischof habe er das erste Zentrum für Priesterausbildung geschaffen, habe die Seelsorger zu einem einfachen Leben ermahnt und auf rechtgläubige und gebildete Priester Wert gelegt. „Bischof Martin hat so gelebt wie die einfachen Bauern“, und sich darin wie in seiner Vorliebe für die Armen von vielen Bischöfen seiner Zeit unterschieden, so Kardinal Erdö. Bischof Martin habe gehabt, was Papst Franziskus heute von den Hirten fordere, nämlich den „Stallgeruch der Herde“.

Bei der Gabenbereitung wurde unter anderem auch ein Stück Stacheldraht zum Altar getragen, in Erinnerung an den Eisernen Vorhang, der bis vor einem Vierteljahrhundert wenige Kilometer östlich von Eisenstadt zwischen Österreich und Ungarn verlief, verbunden mit einem Gebet für den Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Während der ungarische Kardinal im Burgenland die Festmesse feierte, leitete der österreichische Kardinal Christoph Schönborn am Freitagvormittag die Feierlichkeiten zum Abschluss des Martins-Jubiläumsjahres im ungarischen Pannonhalma. Die dortige Martins-Basilika der traditionsreichen Benediktinerabtei Pannonhalma ist einer der wichtigsten Pilgerorte Ungarns. Die Territorialabtei ist seit 1996 Unesco-Weltkulturerbe. Für ihre Gründung im Jahr 996 war entscheidend, dass nach der lokalen Überlieferung der heilige Martin dort im Jahr 316 oder 317 geboren sein soll, was allerdings auch die Stadt Szombathely (Steinamanger) für sich in Anspruch nimmt.

Unmittelbar vor den Feierlichkeiten zum Abschluss des Jubiläumsjahres „1 700 Jahre Heiliger Martin“ war die Herbstvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz zu Ende gegangen, die in dieser Woche in Eisenstadt tagte. Im Mittelpunkt der Beratungen stand diesmal aus Anlass des Reformationsjubiläums die Ökumene (DT berichtete am Donnerstag). Am Freitag veröffentlichte die Bischofskonferenz allerdings auch eine Stellungnahme zum Fatima-Jubiläum. Darin heißt es wörtlich: „1917 – mitten im Unheil des Ersten Weltkriegs – berührte im portugiesischen Fatima der Himmel die Erde. Mit einer prophetischen Botschaft und dem Auftrag, durch Gebet, Umkehr und Sühne den Frieden zu bereiten, wandte sich die Gottesmutter am Vorabend der kommunistischen Revolution und ihren weltweiten Folgen an die Menschheit.“ Die Verheißungen von Fatima seien „eine inspirierende Botschaft für unsere Zeit“.

In einer eigenen Erklärung, die ebenfalls am Freitag veröffentlicht wurde, erinnern Österreichs Bischöfe an die Verfolgung und geplante Vernichtung der Roma und Sinti durch die Nazis vor 75 Jahren. Auch mahnen die Bischöfe, das Klimaschutzabkommen umzusetzen. „Der Klimawandel verschlimmert die Nahrungskrise, gefährdet den Lebensraum und stürzt Menschen oft unverschuldet in Armut und Lebensgefahr. Immer mehr sind gezwungen, die mittlerweile lebensfeindliche Umwelt, die ihnen früher Heimat war, zu verlassen“, heißt es in einer Stellungnahme der Bischofskonferenz wörtlich. Es werde immer wichtiger, dem Pariser Klimaabkommen konkrete Maßnahmen folgen zu lassen. An die österreichische Regierung appellieren die Bischöfe, darauf zu achten, „dass bei allen Programmen, die auf internationaler Ebene ausgearbeitet werden, eine höchstmögliche Kohärenz zwischen Entwicklungs- und Umweltzielen hergestellt wird.“