Indien: Spitze des Episkopats erstmals paritätisch

Jamshedpur (DT/KNA) Erstmals ist die Spitze der Indischen Bischofskonferenz paritätisch nach den drei in ihr vertretenen Riten besetzt. Die Mitglieder der Bischofsvollversammlung wählten am Dienstag im nordostindischen Jamshedpur das Oberhaupt der autonomen syromalabarischen Kirche, Großerzbischof Kardinal Varkey Vithayathil (80) von Ernakulam-Angamaly, zum neuen Vorsitzenden. Seine Stellvertreter sind der römisch-katholische Erzbischof von Bombay, Kardinal Oswald Gracias (63), und das Oberhaupt der autonomen Syromalankaren, Großerzbischof Katholikos Isaac Cleemis Thottunkal (48) von Trivandrum. Von den gut 1,1 Milliarden Einwohnern Indiens sind mehr als 80 Prozent Hindus. Die Christen machen lediglich etwa 2,5 Prozent aus. Es gibt insgesamt mehr als 16,5 Millionen Katholiken, davon 13 Millionen Lateiner, 3,2 Millionen Syro-Malabaren und 0,4 Millionen Syro-Malankaren. Die lateinischen, syromalabarischen und syromalankarischen Bischöfe bilden trotz interner Spannungen zusammen die Indische Bischofskonferenz (CBCI) mit Sitz in der Hauptstadt Neu Delhi. Dominierend sind die 120 Bistümer des lateinischen Ritus, die durch westliche Mission ab dem 15. Jahrhundert entstanden. Die beiden mit Rom unierten Ostkirchen in Indien, die heute über 25 beziehungsweise sechs Diözesen verfügen, führen ihre Wurzeln auf die Mission des Apostels Thomas zurück. Vor allem an der Wende zum 20. Jahrhundert war die syromalabarische Kirche starkem Latinisierungsdruck ausgesetzt. In vielen Städten vor allem im Süden Indiens finden sich Bischofssitze aller drei Kirchenzweige. Vithayathil folgt als CBCI-Vorsitzender dem lateinischen Erzbischof von Ranchi, Kardinal Telesphore Placidus Toppo (68), nach. Toppo, der 2003 als erster Angehöriger der indischen Urbevölkerung die Kardinalswürde erhielt, hatte 2004 als wichtigstes Ziel seiner Präsidentschaft die Förderung der Einheit unter den drei verschiedenen romtreuen Kirchen Indiens formuliert.