In der Liebe zur Wahrheit

Der selige Pater Hyazinth-Maria Cormier – 17. Dezember. Von Katrin Krips-Schmidt

Über dem Hochaltar der Kapelle der „Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin“ in Rom – kurz „Angelicum“ genannt – hat der Dominikanerpater Hyazinth-Maria Cormier, der von Papst Johannes Paul II. am 20. November 1994 in das Verzeichnis der Seligen aufgenommen wurde, seine letzte Ruhestätte gefunden. Pater Cormier baute im Jahr 1909 das Ordensinstitut in Rom zu dem internationalen Studienhaus „Kollegium Angelicum“ aus.

Er kam am Fest der Unbefleckten Empfängnis am 8. Dezember 1832 in Orléans als Heinrich Cormier auf die Welt. Seine Eltern waren Gewürzhändler, die ihn zur Ausbildung zu den Christlichen Schulbrüdern schickten. Nach dem Eintritt in das Priesterseminar von Orléans empfing er mit 24 Jahren die Priesterweihe. Auch wenn er wegen seiner schwachen Gesundheit – er litt immer wieder an Anfällen von Bluthusten – erst gegen Ende seines Lebens die feierliche Profess ablegen konnte, wurde er schon früh mit verantwortlichen Tätigkeiten betraut. Man schickte ihn als Novizenmeister zu einer Niederlassung nach Korsika, kurz darauf wurde er zu deren Prior ernannt. Mit 33 Jahren war Pater Cormier bereits Provinzial von Toulouse, der ältesten – seit 1850 wiederhergestellten – Provinz des durch die Französische Revolution vernichteten Ordens. Als er 1891 zum Assistenten des Generalmeisters für die französische Sprache berufen wurde, stieg er damit zur Nummer Zwei in der Hierarchie seines Ordens auf. Sein Wahlspruch „caritas veritatis“ (die Liebe zur Wahrheit), den er mit den Worten auslegte: „die Wahrheit zu vermitteln ist die schönste Barmherzigkeit“ fand ein anschauliches Sinnbild in seinem Wappen: Der Pelikan tränkt mit seinem eigenen Blut seine dicht um ihn gedrängten Jungen – ein Symbol für Christus, der sein Blut für die Menschen hingab.

Pater Cormier verfasste etliche „Kleine Schriften“ (171 Lehrschreiben und Tausende von Hirtenbriefen) zu den Themen seiner Zeit, die sich sowohl mit politischen und pädagogischen als auch mit spirituellen Fragen auseinandersetzten. Seine in vier Bänden erschienenen „Geistlichen Exerzitien“ nehmen darunter eine herausragende Stellung ein.

1904 wurde Pater Cormier mit 72 Jahren zum Generalmeister des Ordens gewählt. Er sorgte sich um seine gesundheitlichen Beschwerden, die ihn noch immer quälten, und fühlte sich seines Amtes nicht gewachsen – daher bat er 1906 Papst Pius X. um eine Dispens von seinem Amt. Der Papst konnte ihn in einer Audienz jedoch davon überzeugen, seine wichtige Arbeit fortzusetzen und so wurde er seiner verantwortungsvollen Aufgabe schließlich bis zum Ablauf seines Mandats im Jahr 1916 doch gerecht, visitierte Provinzen und Klöster und verwirklichte in dieser Zeit zahlreiche Projekte.

Kurz nach seinem Rückzug in das Kloster San Clemente in Rom verstarb Pater Cormier am 17. Dezember 1916.