Im Licht des Lehramts

Wie Amoris laetitia aus Sicht zweier Theologen des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Ehe und Familie in Rom zu lesen ist. Von Regina Einig

Würzburg (DT) José Granados, stellvertretender Leiter des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Ehe- und Familienstudien in Rom und Konsultor des Synodensekretariats, hat am Samstag gegenüber dem lateinamerikanischen Nachrichtendienst Aciprensa unterstrichen, dass die Apostolische Exhortation Amoris laetitia in Kontinuität zum Lehramt zu lesen sei. Wo sich Unklarheiten im Text ergäben, „muss die zutreffende Interpretation in Übereinstimmung zum beständigen Lehramt der Kirche vorgenommen werden“. Papst Franziskus habe mehrmals unterstrichen, dass er die Lehre nicht verändern wolle. Das müsse der Schlüssel sein, um das Dokument auszulegen, erklärt Granados und nennt in diesem Zusammenhang als Referenzpunkt die Enzyklika Veritatis splendor (1993) von Johannes Paul II.

Der spanische Theologe hebt hervor, dass die Kirche naturrechtliche Normen nicht ändern könne: „Amoris laetitia ist keine Ausnahme.“ Dass die Exhortation in einer Fußnote die am 24. Juni 2000 publizierte Erklärung des Päpstlichen Rats für die Gesetzestexte über die Zulassung geschiedener Gläubiger, die eine neue Verbindung eingegangen sind, zur Kommunion zitiert, wertet Granados als päpstliche Bestätigung der Erklärung. In ihr heißt es: „Jene Gläubigen, die geschieden und wiederverheiratet sind und wegen ernster Gründe, zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder, nicht ,der Verpflichtung zur Trennung nachkommen können‘, befinden sich nicht im Zustand der schweren habituellen Sünde, wenn sie ,die Verpflichtung eingehen, in voller Enthaltsamkeit zu leben, das heißt sich der den Gatten eigenen Akte zu enthalten‘ (Familiaris consortio, Nr. 84) und auf der Grundlage dieser Absicht das Sakrament der Buße empfangen haben. Weil die Tatsache, dass diese Gläubigen nicht more uxorio zusammenleben, naturgemäß verborgen ist, während ihre Lebenssituation als geschiedene Wiederverheiratete naturgemäß bekannt ist, können diese nur remoto scandalo das Sakrament der Eucharistie empfangen.“

Als Bestätigung der geltenden kirchlichen Lehre ordnet der stellvertretende Leiter des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Ehe- und Familienstudien auch die positive Sicht von Humanae vitae ein. „Amoris laetitiae bekräftigt die Lehre Humanae vitaes“, so Granados. Darüber hinaus weist der Theologe darauf hin, dass manche disziplinarische Normen bezüglich der Sakramentenspendung veränderbar seien. Dazu gehöre die Erlaubnis, wiederverheiratete Geschiedene als Taufpaten zuzulassen.

Juan José Pérez-Soba, der ebenfalls am Päpstlichen Institut Johannes Paul II. lehrt, sieht die Apostolische Exhortation als unvereinbar mit dem von Kardinal Kasper im Vorfeld der Synode beschriebenen Weg an, wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen. Der Text „gibt keinen objektiven Grund an, dass ein Geschiedener, der eine neue Verbindung eingegangen ist, die Sakramente unter anderen Bedingungen empfangen darf, als in Punkt 84 von Familiaris consortio angegeben“, stellt Pérez-Soba in einer Analyse für das spanischen Nachrichtenportal „infocatólica“ fest.

Als eine Verbesserung gegenüber den synodalen Beratungen wertet Pérez-Soba den Umstand, dass die während der Synode kaum beachtete Theologie des Leibes von Johannes Paul II. in der Exhortation mehrfach zitiert worden sei. Ohne die Lehre und Normen der Kirche zu ändern, eröffne der Papst einen Weg, um die Barmherzigkeit in der Seelsorge der Kirche besser verständlich zu machen. Diese „pastorale Öffnung“ der Exhortation gilt es Pérez-Soba zufolge richtig zu verstehen, um das Schreiben nicht missverständlich zu interpretieren, denn dies würde sich katastrophal auf die Seelsorge auswirken. Auch Papst Franziskus sei diese Gefahr bewusst. Aus Sicht des spanischen Theologen liegt der Ball nun im Feld der christlichen Familien: Es werde nun in hohem Maß auf die christlichen Familien ankommen, „die über das wahre Evangelium, das sie verbindet, nachdenken“.