Im Konzert von Tröstungen mit einstimmen

Die Schönstatt-Bewegung hat zur Deutschlandreise des Papstes eine Postkarten-Aktion gestartet. Von Clemens Mann

Schwester Johanna-Maria Helmich gehört zu den Schönstatt-Marienschwestern. Sie leitet das Projekt Pilgerheiligtum, eine neu-evangelisierende Initiative der Schönstatt-Bewegung. Foto: Archiv
Schwester Johanna-Maria Helmich gehört zu den Schönstatt-Marienschwestern. Sie leitet das Projekt Pilgerheiligtum, eine ... Foto: Archiv
Schwester Johanna-Maria Helmich, die Schönstatt-Bewegung hat zur Deutschlandreise des Papstes eine Postkartenaktion gestartet. Sie trägt den Titel „Herzlich Willkommen, Heiliger Vater“. Wie kam es dazu?

Wir haben die Nachricht vom Papstbesuch mit großer Freude aufgenommen. Und wir haben für uns gedacht, dass es eine Riesenchance ist: Ein deutscher Papst kommt nach Deutschland in einer Situation, die sehr dunkel ist. Die Kirche steckt in einer großen Krise. Dass nun der Heilige Vater kommt, so empfinden wir, ist wie ein Fingerzeig Gottes, einen neuen Glaubensfrühling anzuregen. Aber das muss vorbereitet sein. Ein Team aus Ehepaaren ist dann auf die Idee mit den Karten gekommen.

Gibt es neben der Postkartenaktion noch weitere Ideen?

Ja, die Postkartenaktion ist nur ein Element. Wir haben eine Gebetszeit für Gemeinden herausgegeben, die man im Internet herunterladen kann. Darin sind Worte aus dem Interviewbuch „Licht der Welt“ verarbeitet. Es ist ein Anliegen, damit auch einen Zugang zum Papstamt und zu Benedikt XVI. zu schaffen. Darüber hinaus haben wir auch regionale Tage an neun Orten in Deutschland geplant. Wir wollen die Leute mit einem Vortrag einstimmen, ihnen Material an die Hand geben und dazu anregen, Info-Abende und Veranstaltungen in den Gemeinden zum Thema Papst zu machen. Denn die Menschen haben Fragen, die durch die meisten Medien nicht beantwortet werden. Wer tiefer verstehen will, was dieser Papst will, bekommt die Antworten nicht einfach geliefert. Er muss sich schon auf den Weg machen.

Was erhoffen Sie sich von der Aktion?

Wir haben drei Dinge im Blick: Einmal wirklich ein Geschenk zu bereiten für diesen Papst, der für uns selbst ein Geschenk ist. Benedikt XVI. braucht für seinen Dienst aber Kraft. Wir hoffen, dass er durch diese Postkarten gestärkt wird. Die Karten sind ja nicht nur ein Gruß, sondern jeder schreibt etwas zur Vorbereitung darauf, beispielsweise einen Gebetsvorsatz oder das Bemühen um ein Glaubenszeugnis. Im Interview-Buch „Licht der Welt“ hat der Papst auf die Frage, von wo er Tröstung bekomme, erzählt, wie viel ihm Briefe und Zuschriften von einfachen Leuten, Familien und Kindern bedeuten. Er nannte das insgesamt ein „Konzert von Tröstungen“ – in diesem Konzert möchten wir mitmusizieren. Das andere ist, dass wir aufmerksam machen wollen auf den Papstbesuch. Dieses Ereignis darf nicht an uns vorbeirauschen. Drittens möchten wir möglichst viele Menschen erreichen, die sich persönlich mit dem Papst auseinandersetzen wollen, die mit den oberflächlichen Antworten nicht zufrieden sind. Wo wenigstens eine kleine Offenheit ist, möchten wir sie nutzen, möchten wir Inhalte hineingeben, Mut machen, Freude wecken für den Papst.

Sehen Sie denn wirklich die Gefahr, dass der Papstbesuch spurlos vorbeigeht?

Leider ja. Wir haben viele Kontakte in Pfarreien über unser Projekt Pilgerheiligtum. Selbst im Februar wussten Leute noch nicht, dass der Heilige Vater nach Deutschland kommt. Außerdem habe ich den Eindruck, dass der Papstbesuch, wenn überhaupt, oft im Kontext von negativen Voreinstellungen behandelt und weniger als ein frohes Ereignis gesehen wird.

Ursprünglich wurden 50 000 Karten gedruckt. Mittlerweile liegt die Zahl bei 125 000. Hat Sie das überrascht?

Natürlich. Zu Beginn wollten wir vor allem die Menschen erreichen, die beim Projekt Pilgerheiligtum mitmachen. Hier werden ja schon viele Leute angesprochen, die der Kirche nicht unbedingt nahestehen, die erste Versuche wieder hin zum Glauben machen. Dass der Funke dann direkt über diese Zielgruppe hinaus übergesprungen ist, konnten wir nicht einplanen.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie?

Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Viele bedanken sich einfach dafür, dass wir eine solch tolle Aktion gestartet hätten. Viele schreiben, dass sie gerne mitmachen würden. Oft handelt es sich dabei um Pfarrer, Gemeindereferenten, Verantwortliche für Erstkommunionkinder. Wir bekommen also viele Rückmeldungen von der Basis – und aus Gebieten Deutschlands, wo wir sonst wenig Kontakte haben, beispielsweise Potsdam, Berlin. Zu Beginn haben wir Familien aus allen Diözesen Deutschlands angefragt für eine Auftaktaktion. Von ihnen kam uns dann direkt so viel Freude und Lebendigkeit entgegen. Und oft war die Reaktion: Wir haben da noch jemanden, andere. Können die auch mitmachen?

Was schreiben denn die Leute dem Papst?

Wir haben am Anfang darum gebeten, dass die Menschen uns Zeugnisse schicken. Mittlerweile schicken uns einige Leute auch Fotos. Ich war beeindruckt davon, wie kreativ die Leute sind mit ihren Beiträgen, damit die Reise gelingt. Eine Frau hat geschrieben, dass sie ein Bild vom Papst bei sich aufgestellt hätten und immer wieder dort eine Kerze anzünden und für ihn beten. Eine Kindergartengruppe hat dem Papst Bilder gemalt – die Erzieherin hat beschrieben, was die Kinder dem Papst malen. Kinder denken ja in Bildern. Eines hat beispielsweise einen Schmetterling gemalt und damit ausgedrückt: Ich wünsche dem Papst einen guten Flug. Eine Familie will auf Facebook aufmerksam machen auf die Papstreise, eine andere will einen Bus zum Papstbesuch organisieren.

Die Postkartenaktion ist so gesehen also ein Anstoß für weitere Aktionen?

Das hoffen wir natürlich.

Wundert es Sie, dass einerseits die mediale Berichterstattung so negativ ist und andererseits dann solche Rückmeldungen kommen?

Das hat mich sehr gewundert, zumal es ja über die Kreise hinausgeht, die wir im Blick hatten. Scheinbar gibt es in der Öffentlichkeit eine Sehnsucht, die nicht bedient wird. Eine Sehnsucht nach diesem Mann, der für etwas Heiliges steht. Mit diesem Mann Gottes – auch wenn man nicht viel vom Papst und seinem Amt weiß und es in Worte fassen kann – will man in Kontakt kommen. Der Papst steht für die Kirche. Und die Sehnsucht, mit der Kirche und über die Kirche mit Gott im Reinen zu sein, haben viele Menschen. Nur muss diese Sehnsucht auch die Gelegenheit haben, ans Tageslicht zu kommen.

Eine letzte Frage: Was erhoffen Sie sich vom Papstbesuch für die deutsche Kirche?

Einmal erhoffe ich mir vom Heiligen Vater, dass er uns zeigt, worauf wir jetzt achten müssen, damit wir unseren Glauben nicht verlieren und damit dieser Glaube mit neuer Freude und Selbstverständlichkeit wieder kulturprägend wird in Deutschland. Und dass die Begegnung mit ihm an den verschiedenen Orten, gerade in Berlin oder in Erfurt, für viele Menschen gnadenwirkend ist, dass sie angerührt werden im Innersten, spüren, dass Gott mehr ist als eine „Wolke“ über uns, ein Etwas. Die Menschen sollen erfahren, dass Gott sie im Blick hat. Der Papst will den Gott des Lebens künden. Er spricht in seinem Buch davon, wir sollten „das Experiment mit Gott wieder wagen“, ausprobieren, mit ihm zu leben. Das setzt natürlich voraus, dass eine Hörbereitschaft da ist. Das Hören darauf, was Gott will, muss die Kirche in Deutschland wieder lernen.

Mehr Infos und Bestellmöglichkeit: www.pilgerheiligtum-schoenstatt.de