Im Einklang mit der gesamten Lehrtradition der Kirche

Fünf Autoren gehen der Frage nach, warum die Diakonenweihe dem Mann vorbehalten ist

Seit der Veröffentlichung des Apostoli-schen Schreibens „Ordinatio Sacerdotalis“ (1994), in dem der Papst aus Treue zu Christus und zur apostolischen Überlieferung die Weihe von Frauen zu Priestern definitiv ausgeschlossen hat, wird besonders in Deutschland immer nachdrücklicher der Diakonat der Frau gefordert. Die fünf Autoren des von Kardinal Leo Scheffczyk herausgegebenen Sammelbandes „Diakonat und Diakonissen“ gehen alle von der Einheit des Weihesakramentes mit den drei Stufen Bischof, Priester, Diakon aus und suchen von daher, die durchgängige Lehre und Praxis der Kirche zu begründen. Sie führen dabei den Nachweis, dass die Lehr-entscheidung des Papstes den sakramentalen Diakonat mit einschließt und daher auch eine Diakonenweihe von Frauen unzulässig bleibt. Inzwischen hat die Internationale Theologenkommission, ein Beratergremium des Papstes, ein Votum abgegeben, das ähnlich argumentierend zum gleichen Ergebnis kommt. Der Text liegt bisher nur in der französischen Originalfassung und auf Italienisch vor.

Diakonissen als Helfer bei der Erwachsenentaufe

Im vorliegenden Band setzt sich der Dogmatiker Manfred Hauke zunächst mit den Diakoninnen in der frühen Kirche auseinander. Denn sollte es wirklich ein sakramentales Amt für Frauen gegeben haben, kann man nicht mehr von einer einheitlichen und ungebrochenen Praxis der Kirche sprechen, was weitreichende Folgen hätte. Hauke stützt sich auf die Monographie „Les diaconisses“ (1982) des im Jahr 2000 verstorbenen bedeutenden Liturgiewissenschaftlers A. G. Martimort. Dieser konnte nachweisen, dass die seit dem dritten Jahrhundert erwähnten Diakonissen nicht wie die männlichen Diakone dem Weiheamt angehörten, sondern, wegen der strikten Trennung der Geschlechter im Orient, als Helferinnen bei der Erwachsenentaufe fungierten. Die „Diakonissenweihe“, die es im byzantinischen Ritus gab, habe zu keiner spezifisch priesterlichen Funktion berechtigt. Die Diakonissen haben weder einen Dienst am Altar versehen, noch getauft, noch gepredigt. Wohl durch die seit dem achten Jahrhundert allgemein üblich gewordene Säuglingstaufe bedingt verschwand auch das Amt der Diakonin aus dem kirchlichen Leben. Hauke kann mit Recht sagen, dass derjenige, der die Ämter des Diakons und der Diakonin auf eine Stufe stellt, das Zeugnis der gesamten Tradition gegen sich hat.

Die zweite These, dass sich das Diakonenamt als Teil des Weihesakraments nicht vom Amtspriestertum trennen lasse, wird mit dem Hinweis auf die Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanums begründet: „So wird das aus göttlicher Einsetzung kommende kirchliche Dienstamt in verschiedenen Ordnungen ausgeübt von jenen, die schon von alters Bischöfe, Priester und Diakone heißen“ (Lumen gentium 28). Da das dreistufige Amt nicht auf direkte Anweisung Christi zurückgeht, sprach auch schon das Konzil von Trient von „göttlicher Anordnung“. Im Neuen Testament werden Priester und Bischof noch nicht eindeutig unterschieden. Priester und Diakon gehören aber eindeutig als Ausgliederungen aus dem Episkopat zu dem seit dem zweiten Jahrhundert bestehenden dreigliedrigen Weiheamt. Darum besteht für Hauke kein Zweifel daran, dass der Diakonat im päpstlichen Lehrschreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ mit eingeschlossen ist. Das Konzil habe zwar den ständigen Diakonat wieder eingeführt, aber seine theologische Bestimmung im Unklaren belassen. Als „höchst fragwürdig“ erscheint ihm zum Beispiel eine Stelle in „Lumen gentium“, in der das Spezifische des Diakonats mit Handauflegung „nicht zum Priestertum, sondern zur Dienstleistung“ (LG 29) benannt wird, mit der Folge, dass die Formulierung sogar die Einheit der beiden Weihestufen zu bestreiten scheint. Hier mangelte es dem Konzil an innerer Konsequenz, auch das kirchliche Amt entschieden von der eucharistischen Ekklesiologie her zu denken.

Grundsätzlich, so Hauke, lasse sich der diakonale Dienst nicht aus seinen Funktionen ableiten, auch nicht vom isolierten Gedanken der Caritas her, sondern er ergebe sich aus der sakramentalen Weihe: „Aufgrund dieser Bevollmächtigung kann der Diakon in einer besonderen Weise in persona Christi handeln, auch wenn er nichts anderes ,tut? als beispielsweise ein Pastoralassistent.“

Nicht das Seinshafte, sondern die Funktion bedacht

Zu Recht kritisiert Hauke in diesem Zusammenhang die Verwischung des Unterschiedes zwischen Weihepriestertum und dem gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen im Missionsdekret „Ad gentes“ des Konzils: „... es ist angebracht, dass Männer, die tatsächlich einen diakonalen Dienst ausüben, sei es als Katecheten in der Verkündigung des Gotteswortes, sei es in der Leitung abgelegener christlicher Gemeinden im Namen des Pfarrers und des Bischofs, sei es in der Ausübung sozialer oder charitativer Werke, durch die von den Aposteln her überlieferte Handauflegung gestärkt und dem Altare enger verbunden werden, damit sie ihren Dienst mit Hilfe der sakramentalen Diakonatsgnade wirksamer erfüllen können“ („Ad gentes“ 16). In Abhängigkeit von Karl Rahners Schrift über die Erneuerung des Diakonats (1962) wird nicht von der seinshaften Grundlage des Sakraments her gedacht, sondern rein von der Funktion her.

Bestätigt wird dies durch den Kommentar von Karl Rahner und Herbert Vorgrimler zum Missionsdekret: „Der sechste Abschnitt beschäftigt sich mit der Einführung des Diakonates als eines festen Lebensstandes. Mit viel besserer Begründung als die Kirchenkonstitution (Artikel 29) sagt er, es sei angebracht, Männer, die den diakonischen Dienst heute ausüben, zu weihen, ,damit sie ihren Dienst mit Hilfe der sakramentalen Diakonatsgnade wirksamer erfüllen können?“ (Kleines Konzilskompendium, S.602, 2. Aufl.1967). Diesen Argumenten hält Hauke entgegen, dass es keinen „tatsächlichen“ Diakonat im Unterschied zum sakramentalen geben kann, weil die Weihe keine nachträgliche Bestätigung einer schon vorher vorhandenen Wirklichkeit ist, sondern neue Wirklichkeit schafft. Auf das Missionsdekret beruft man sich auch heute eifrig bei der Forderung nach der Weihe von Männern und Frauen, die, als pastorale Mitarbeiter, bereits einen „tatsächlichen diakonalen Dienst“ ausüben. Dass auch der Diakon „in persona Christi“ handelt, betrachtet Hauke als weitgehenden Konsens, auch wenn der Diakon nicht die Vollmacht zur eucharistischen Wandlung und zur sakramentalen Vergebung besitzt. Eine Wiederbelebung der nichtsakramentalen Diakonin der frühen Kirche hält Hauke für anachronistisch.

Der Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller, Mitglied der Internationalen Theologenkommission, hat als Dogmatikprofessor wegweisende Studien und einen Quellenband zur Frage des Frauenpriestertums veröffentlicht. Die Frage nach der sakramentalen Diakonenweihe für Frauen beantwortet er von der Zusammengehörigkeit der drei Weihegrade des Priesteramtes in der Kirche her. Allein schon seine klare und präzise Darstellung der Geschichte des Amtes in der Kirche lohnt die Anschaffung dieses Bandes, da über die Entstehung der Ämterstruktur der Kirche aus ideologischen Gründen anderenorts auch gezielte Desinformation betrieben wird.

Die Entfaltung des Amtes in drei Weihestufen

Die urkirchlichen Ämter des Episkopen, des Presbyters und des Diakons gehen eben nicht auf die profane Notwendigkeit einer Organisationsleitung in der Gemeinde zurück, sondern sind im Stiftungswillen und im Wirken des Geistes bei der Schaffung der Grundstrukturen der Kirche begründet. Göttlichen Rechts ist darum nicht nur das Amt an sich, sondern auch seine Entfaltung in den untrennbaren drei Weihestufen. Die Kirche könne darum keine Laiendienste am Amt teilhaben lassen, weil es keinen außersakramentalen Zugang zum Weiheamt geben kann. Auch wenn die Dreistufigkeit nicht im historischen Sinn auf eine Einsetzung Christi zurückgeht, wurde sie von der nachapostolschen Kirche als bindend angesehen, weil sie auf einer vom Geist geleiteten Initiative der Apostel beruht und bereits seit dem zweiten Jahrhundert besteht. Weil die so genannten niederen Weihen nie zum Weihesakrament gehört haben und damit rein kirchlichen Rechts sind, konnte sie auch das Konzil abschaffen. Den Diakonat hat die Kirche aber nicht abgeschafft, auch nicht abschaffen können, sondern er wurde als eigene Weihestufe neu belebt. In der Kirchenkonstitution „Lumen gentium“ wird die Dreistufigkeit des einen Weihesakraments klar ausgesagt (LG 28 und 29).

Müller zitiert auch das Weihedekret des Konzils von Trient, wo es heißt: Im Widerspruch zur Offenbarung steht, „wer sagt, in der katholischen Kirche gebe es keine durch göttliche Anordnung eingesetzte Hierarchie, die aus Bischöfen, Presbytern und Dienern (Diakonen) besteht.“ Auch für Müller handelt der Diakon als Repräsentant Christi und hat Teil am einen Weihesakrament, darum ist auch das männliche Geschlecht zum Empfang der Diakonenweihe notwendig.

Organische Weitergabe der apostolischen Tradition

Ein Meisterstück der Einführung in die Dogmenhermeneutik ist Kardinal Scheffczyk mit seinem Beitrag über Tradition als christlich-theologisches Prinzip gelungen. Er entwickelt die Kriterien, die notwendig erfüllt sein müssen, um von einem legitimen Fortschritt in der theologischen Überlieferung sprechen zu können. Während die evangelische Theologie für die Zeit nach der Festlegung des Kanons der Heiligen Schrift keine apostolische Überlieferung mehr anerkennt, sondern nur noch rein kirchliche und damit jederzeit änderbare Traditionen, gehört zum katholischen Glauben die Gewissheit der organischen Weitergabe der apostolischen Tradition in der Kirche. Die Wahrheit vom dreistufigen Weiheamt habe zwar den Mangel, dass sie sich nicht bis auf die Heilige Schrift zurückverfolgen lasse, aber in der gesamten Lehrtradition der Kirche werde diese Wahrheit auf die apostolische Überlieferung zurückgeführt. Es wurden dabei auch keine frauenfeindlichen Argumente verwandt. Seit dem zweiten Jahrhundert gebe es diese Ordnung der Ämter, in die niemals eine Frau einbezogen war. Scheffczyk hält den Traditionsbeweis im Falle des dem Mann vorbehaltenen Diakonates für erbracht, es fehle nur noch eine letztgültige dogmatische Entscheidung des Lehramtes, wie sie im Fall des Frauenpriestertums bereits erfolgt ist. Das „Geheimnis des in der Kirche bleibend gegenwärtigen Christus“ werde im Glauben in den kirchlichen Ämtern erfahren, wer dies nicht anerkenne, riskiere „die Verflüchtigung des Christusgeheimnisses in der Kirche.“ Eine Umkehrung der Tradition käme für Kardinal Scheffczyk einer Abkehr der Kirche von ihrem Wesen gleich.

Der wichtige Hinweis von Scheffczyk auf die für die Heilsordnung konstitutive Realsymbolik von Mann und Frau, verweist auf die Ebene der theologischen Anthropologie, die im vorliegenden Band zu kurz kommt.

Den Verlauf der Diskussion um den Diakonat der Frau zeichnet Sabine Düren nach. Die Würzburger Synode (1971–1975) hatte in ihrem Beschluss „Die pastoralen Dienste in der Gemeinde“ die Bitte an den Papst gerichtet, die Zulassung von Frauen zum Diakonenamt zu prüfen. Der Dogmatiker Walter Kasper, heute Präsident des päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen, spitzte in seiner Einleitung zu dem Beschluss die Bitte zu einer massiven Forderung zu: „..., die gewandelte Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft lässt es unverantwortlich erscheinen, Frauen von theologisch möglichen und pastoral wünschenswerten amtlichen Funktionen auszuschließen; die Hereinnahme von Frauen in den sakramentalen Diakonat könnte für diesen und für das kirchliche Amt überhaupt eine Bereicherung bedeuten.“

Kursangebote eines eigenmächtigen Netzwerks

Wenn aber das Verständnis des Weiheamtes als dreistufige seinshafte Christusrepräsentation durch ein funktionales ersetzt wird (siehe Rahner und das Missionsdekret), dann ist die Ausweitung der Forderung nach einer nachträglichen Weihe für Laiendienste auch auf Frauen – wie wenige Jahre später durch Walter Kasper geschehen – nur eine logische Konsequenz.

Dem schloss sich in den neunziger Jahren auch Bischof Karl Lehmann an, den Sabine Düren zitiert: „Wir brauchen dringend eine schöpferische, erweckende und mitreißende Vision der konkreten Gestalt eines ständigen Diakonates der Frau“. Die Dissertation von Dorothea Reininger über den Diakonat der Frau – „theologisch möglich und pastoral wünschenswert“ – wurde mit einem wohlwollenden Vorwort des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz Kardinal Lehmann veröffentlicht. Frau Reininger ist zugleich die Vorstandsvorsitzende des „Netzwerks Diakoninnenausbildung“, deren eigenmächtige Kursangebote zu einer Notifikation der Glaubenskongregation (17. November 2001) geführt haben, in der die deutschen Bischöfe aufgefordert wurden, gegen solch eigenmächtige Angebote einzuschreiten.

Der Kirchenrechtler Richard Giesen sieht in dem vorliegenden Buch ebenfalls das Weihesakrament in allen drei Stufen als göttlichen Rechtes an und damit dem ver-ändernden Zugriff der Kirche grundsätzlich entzogen. Erstaunt liest man, dass der Codex Iuris Canonici über die Einheit des dreistufigen Amtes und seine Zugehörigkeit zum göttlichen Recht schweigt. Da das Mannsein zur Substanz des Weiheamtes gehöre, ist auch der Diakonat der Frau „kraft göttlichen Rechts ausgeschlossen“.

Ein sinnentstellender Fehler, der die Aussageabsicht ins Gegenteil verkehrt, steht auf Seite 315 im Zitat von Norbert Lüdecke: „Der Papst ist davon überzeugt, dass der Gesamtepiskopat – jedenfalls ohne konsensgefährdende Ausnahme – sowohl in der Ablehnung der Priesterweihe der Frau übereinstimmt, als auch darin, dass die Kirche hier zu einer Positionsänderung befugt ist“. Es muss aber heißen „keiner Positionsänderung“.

Abschließend ergänzt Manfred Hauke in einer Bibliographie die wissenschaftliche Literatur zum Thema von 1982, dem Erscheinungsjahr des Standartwerkes von Martimort, bis zum Jahr 2002.

In diesem Band wird ein kontroverses Thema mit beispielhafter Gründlichkeit und Sachlichkeit zur Klärung geführt und dabei beständig auch etwas über das übernatürliche Wesen der Kirche vermittelt: dass sie sich nicht von ihrem Ursprung in Christus entfernt.