Im Blickpunkt: Maria, die Influencerin Gottes?

Eine Metapher mit der es dem Papst gelang, an die Lebensrealität der Jugendlichen anzuknüpfen. Von Benedikt Winkler

Der XXXIV. Weltjugendtag war ein Weltjugendtag an der Peripherie. Viele junge Pilger aus den westlichen Ländern haben den Papst aus Lateinamerika und seine Mentalität in Panama besser verstehen gelernt, nicht zuletzt, weil sie selbst eingetaucht sind in das Leben in Mittelamerika. Das internationale Glaubensfest der römisch-katholischen Kirche hat bei vielen eine Sensibilität geweckt für die Herausforderungen der Menschen in den weniger entwickelten Ländern. Zwischen Favelas und der Skyline von Panama-City traten die Probleme wie soziale Ungerechtigkeit, Armut und Migration deutlich zu Tage. Das, was Papst Johannes Paul II. 1984 mit seinem Appell an die Jugend begonnen hat, ist von Papst Benedikt XVI. fortgeführt worden. Papst Franziskus hat nun die Jugendlichen in Panama erneut dazu aufgefordert, Protagonisten der Neuevangelisierung zu sein. Nicht im Morgen, nicht in einer unbestimmten Zwischenzeit, sondern im „Jetzt Gottes“ erfülle sich das „Ja“ zu unseren Mitmenschen. Jeder sei eingeladen, dem Beispiel Mariens zu folgen und ein Ja zu geben zur Mission, zur jeweiligen Berufung, zur eigenen Sendung. Immer wieder betonte der Pontifex, dass die Liebe im Alltäglichen konkret werden muss. Papst Franziskus hat den Pilgern kleine Dinge ans Herz gelegt und doch zur Offenheit aufgerufen für das Große, das Gott mit jedem vorhat. Papst Franziskus hat die Jugend dieser Welt dem unbefleckten Herz Mariens anvertraut, damit sie Baumeister einer neuen Zivilisation der Liebe und der Gerechtigkeit werden. Warnende Worte sprach der Pontifex bei der Gebetsvigil auf dem Campo San Juan Pablo II. Ein Leben ausschließlich online zu verbringen sei eine große Gefahr unserer Zeit. Maria, „die junge Frau aus Nazareth, tauchte zweifellos nicht in den „sozialen Netzwerken“ der damaligen Zeit auf, sie war keine Influencerin, aber ohne es zu wollen oder danach zu streben, wurde sie die Frau mit dem größten Einfluss aller Zeiten“, sagte Franziskus unter tosendem Applaus. „Maria, die Influencerin Gottes“ – mit dieser Metapher gelang es dem Papst, an die Lebensrealität der Jugendlichen anzuknüpfen. Influencer sind in der Regel Privatpersonen, die via Social Media Werbung für Produkte machen und somit Einfluss nehmen auf die Massen. Ein christlicher Influencer des 21. Jahrhunderts zu sein bedeute, so Papst Franziskus, ein Hüter unserer Wurzeln zu sein. „Seid Hüter all dessen, was es uns erlaubt, uns als Teil voneinander zu fühlen, zueinander zu gehören“, rief er den Pilgern zu. Voraussetzung dafür sei, an die verwandelnde Kraft der Liebe Gottes zu glauben. „Wollt ihr Influencer nach der Art Marias sein, die den Mut hatte, ,Mir geschehe‘ zu sagen?“ Nur die Liebe mache uns menschlicher und erfüllter, alles andere seien eben nur wohlschmeckende, aber leere Placebos.

Dass der Weltjugendtag einen Besuchertiefstand verzeichnete, mag daran gelegen haben, dass in Nordamerika und Europa keine Ferienzeit ist und Studium und Schule für viele Priorität hat. So manche wird auch der Kostenfaktor abgeschreckt haben. Der nächste Weltjugendtag wird 2022 für Europäer besser erreichbar sein: Er findet in Lissabon statt.